Zeil

Wie das Vorprogramm beim Zeiler Kinosommer zum Hauptact wird

Ines Procter und Kosi wollten den bekannten Zeiler Rebensaft kosten und sagen in Richtung Bürgermeister: 'Stadelmann, schenk mir einen Schoppen ein' 
Foto: Christian Licha | Ines Procter und Kosi wollten den bekannten Zeiler Rebensaft kosten und sagen in Richtung Bürgermeister: "Stadelmann, schenk mir einen Schoppen ein" 

Großen Anklang fand der Zeiler Kinosommer im Caritasgarten. An sieben Tagen wurden beliebte Kinofilme gezeigt, wobei am Freitag das Kabarett-Vorprogramm fast zum Hauptprogramm wurde. Rund 200 Zuschauer waren begeistert von Ines Procter, der Putzfraa von Fastnacht in Franken, die mit ihrem Schrubber mächtig herumwirbelte. An ihrer Seite stand Kosi aus der Rhön auf der Bühne, der mit Wortwitz und originell getexteten Liedern ebenfalls die Lacher auf seine Seite zog.

Der Garten mit Campingstühlen wird zur Bühne

Ganz nach dem Titel des Musical-Kinofilms "Ich war noch niemals in New York", der im Anschluss über die Leinwand flimmerte, konnte Ines Procter sagen: "Ich war noch niemals in Zeil am Main und konnte mir bisher nicht vorstellen, dass ich mal in einem Garten mit Campingstühlen spielen werde". Für die aus Erlabrunn stammende und in Leinach (Landkreis Würzburg) wohnende Kabarettistin war der Auftritt in Zeil die passende Einstimmung auf ihr Soloprogramm, das sie einen Tag später in Triefenstein im Landkreis Main-Spessart gab. Seit März stand sie nicht mehr auf der Bühne, ihr letzter Abend vor einem sehr großen Publikum war bei der Sendung des Bayerischen Rundfunks "Fastnacht in Franken", die aus Veitshöchheim gesendet wurde. Dort gehört Ines Procter praktisch schon zu der Stammbesetzung, hatte sie doch 2014 schon ihr erstes Engagement dort.

Bekannt aus Fastnacht in Franken, hatte 'Putzfraa' Ines Procter ihren ersten Auftritt in Zeil.
Foto: Christian Licha | Bekannt aus Fastnacht in Franken, hatte "Putzfraa" Ines Procter ihren ersten Auftritt in Zeil.

Die Putzfraa schimpfte spaßig über ihren Ehemann ("von dem hab ich meinen komischen Nachnamen") und bewunderte ein Ehepaar im Publikum, das bereits seit 45 Jahren verheiratet ist. So lange würde sie es wohl nicht mit ihrem Ehegatten aushalten: "Ich hab gedacht, jetzt beim Brexit hab ich ihn los und er wird abgeholt, aber nix wars".

Rückschlüsse aus der Umleitung über Ziegelanger

Aber auch die Fachwerkstadt bekam ihr Fett weg, wenn man es sogleich sogar als Belobigung verstehen konnte. Bei ihrer Anreise führte nämlich das Navi Ines Procter mitten in die Baustelle in der Sander Straße, wo es bekanntlich kein Durchkommen gibt. Auf der Umleitungsstrecke über Ziegelanger dachte sich die Künstlerin: "Zeil muss schon scheiße groß sein, wenn man so lange außenrum fahren muss".

Auch bereits bekannt durch seine Auftritte in Hofheim, Knetzgau und Zell in den vergangenen drei Jahren ist Kosmas Fischer alias "Kosi". Der aus Sondheim vor der Rhön stammende Unterhaltungskünstler ist bekannt für seinen sehr spontanen Humor: "Ich weiß manchmal selbst nicht, was ich in den nächsten zwei Minuten erzähle". So brachte er auch in Zeil das Publikum in Stimmung und zu wahren Lachanfällen.

Auch Bürgermeister Thomas Stadelmann genoss zusammen mit Frau Monika und Enkel Emil den Zeiler Kinosommer.
Foto: Christian Licha | Auch Bürgermeister Thomas Stadelmann genoss zusammen mit Frau Monika und Enkel Emil den Zeiler Kinosommer.

Vermisst hat Kosi in Zeil das "Muschibubu-Licht", das er normal bei seinen Auftritten braucht: "Das ist gedimmtes Licht für den willigen Mann, damit die Frau weiss, dass es jetzt los geht". Gleichwohl schaffte es der Rhöner zum Beispiel die Zuschauer mit einem Mitmachlied in ein "Chris de Burgh-Feeling" zu versetzen. Der ganze Caritasgarten sang seinen Part "aaahhh... aaahhh" mit.

Kosmas Fischer aus der Rhön alias Kosi begeisterte mit seinem einzigartigen Humor das Publikum.
Foto: Christian Licha | Kosmas Fischer aus der Rhön alias Kosi begeisterte mit seinem einzigartigen Humor das Publikum.

Eine besonderes Überraschung hatten die beiden Künstler zum Abschluss ihres zweistündigen Nonstop-Programms für Bürgermeister Thomas Stadelmann auf Lager. Mit der Melodie des bekannten Liedes "Adelheid, schenk mir einen Gartenzwerg" sangen die beiden spontan: "Stadelmann, schenk mir einen Schoppen ein".

Stadelmann hofft auf Normalität

Das Stadtoberhaupt dankte neben den Künstlern auch Kinobesitzer Bruno Schneyer und Veranstaltungstechniker Mario Pfaff, die unter Einhaltung aller Corona-Auflagen sieben Tage Kultur nach Zeil zu bringen. "Das ist sehr wichtig, damit sich das kulturelle Leben - soweit wie es zulässig ist - möglichst bald wieder normalisiert", so Stadelmann.

Die Zuschauer waren jedenfalls sehr begeistert von den Darbietungen. "Die Putzfraa war spitze und unser Kosi stark wie immer", sagten die beiden Schwestern Uschi Roppelt und Andrea Echaniz-Gerhard, die Kosmas Fischer bereits von seinen Auftritten bei der Zeller Büttensitzung kennen und seitdem große Fans von ihm sind. Für die beiden musikbegeisterten Frauen war aber auch der Kinofilm sehr interessant, spielen sie doch selbst die dort gezeigten Lieder von Udo Jürgens mit ihrer Musikkapelle, den "Zeller Musikanten".

Die beiden Schwestern Uschi Roppelt und Andrea Echaniz-Gerhard waren sowohl von dem Kinofilm als auch vom kabarettistischen Vorprogramm sehr begeistert.
Foto: Christian Licha | Die beiden Schwestern Uschi Roppelt und Andrea Echaniz-Gerhard waren sowohl von dem Kinofilm als auch vom kabarettistischen Vorprogramm sehr begeistert.

Ganz besonders dankbar zeigte sich Detlef Winkelmann. Der ursprünglich aus Schweinfurt stammende Architekt lebt bereits seit 20 Jahren in Zeil und ist seit sieben Jahren der Wirt des Musiktreffs direkt am Marktplatz. "Seit März habe ich hier beim Kinosommer mit dem Ausschank meine ersten paar Euro verdient", sagte der 62-Jährige, der sich Bruno Schneyer sehr verbunden zeigt, dass er ihm diese Chance gegeben hat.

Detlef Winkelmann, der Wirt des Zeiler Musiktreffs, durfte den Ausschank übernehmen und generierte so seine ersten Einnahmen seit dem Lockdown im März.
Foto: Christian Licha | Detlef Winkelmann, der Wirt des Zeiler Musiktreffs, durfte den Ausschank übernehmen und generierte so seine ersten Einnahmen seit dem Lockdown im März.

Gleichzeitig machte Winkelmann auf seine Lage aufmerksam. Mit der Kneipe hatte er sich seinen Lebenstraum verwirklicht und damit bisher seinen Lebensunterhalt verdient. Bis weit über die Grenzen Zeils hinaus ist der Musiktreff bekannt, nicht zuletzt wegen der bisher samstags stattfindenden Live-Konzerte.

Die Soforthilfe hilft nicht genug

Die Soforthilfe der Bayerischen Staatsregierung nahm Winkelmann dankend an, aber diese reichte natürlich nur eine begrenzte Zeit, um die Festkosten wie Miete, Strom und GEMA zu decken. Nach den Worten des Wirts hat Ministerpräsident Söder Anfang Juli angekündigt, sich Gedanken machen zu wolle, wie es mit den Kneipen weitergeht. Enttäuscht ist Winkelmann, dass sich bis zum heutigen Tage aber keine Perspektive auftat, wann er wieder regulär öffnen kann: "Ich hoffe nur, dass ich da wieder anknüpfen kann, wo ich aufgehört habe, denn das Ausgehverhalten der Leute hat sich schon stark verändert".

Großdemo in Berlin ist geplant

Auf die Misere der Veranstaltungsbranche machte auch nochmal Mario Pfaff mit seinem Ein-Mann-Unternehmen MAD Veranstaltungstechnik aufmerksam. Nach seinen Worten sei am 9. September eine Großdemo in Berlin geplant, die er zusammen mit einigen Mitstreitern aus dem Landkreis unterstützen will. Nach den bisherigen Planungen wollen die Haßbergler mit einem Bus zu der Demo nach Berlin reisen, die unter anderem von dem bundesweiten Organisator der Aktion "Night of Light" unterstützt wird.

Sieben Tage lang verwandelte sich der Zeiler Caritasgarten in ein Open Air-Kino.
Foto: Christian Licha | Sieben Tage lang verwandelte sich der Zeiler Caritasgarten in ein Open Air-Kino.
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