Haßfurt

Wie der Haßbergkreis auf den Elektroauto-Boom reagiert

Die Lade-Infrastruktur im Landkreis Haßberge konzentriert sich in erster Linie auf die Mainachse. Doch auch im nördlichen Landkreis tut sich langsam etwas für die "Stromer".
Mehr Elektroautos = mehr Lademöglichkeiten? Im Landkreis Haßberge wird nach und nach an der nötigen Infrastruktur gearbeitet. 
Foto: Matthias Lewin | Mehr Elektroautos = mehr Lademöglichkeiten? Im Landkreis Haßberge wird nach und nach an der nötigen Infrastruktur gearbeitet. 

Diskussionen um das Für und Wider der Elektromobilität drehen sich gerne auch immer wieder um unzureichende Lademöglichkeiten. Und wie beim Ei, von dem bis heute nicht genau bekannt ist, ob es nun vor oder erst nach der Henne existierte, bleibt auch hier die Frage, was zuerst kommen soll: Ein verstärkter Absatz von Elektroautos oder die entsprechende Infrastruktur mit flächendeckenden Ladesäulen. Die elektrisch betrieben Autos selbst erlebten im letzten Jahr einen regelrechten Boom, auch im Landkreis Haßberge. Gab es 2018 zwischen Steigerwald und Haßgau gerade einmal 135 und ein Jahr später 189 reine E-Autos, hat sich deren Zahl im vergangenen Jahr exakt verdoppelt. 378 Elektro-Autos sowie 609 Hybrid-Pkw vermeldet die Zulassungsstelle in Haßfurt zum 31. Dezember 2020. Insgesamt sind im Landkreis Haßberge 58 460 Pkw zugelassen, die Quote für rein elektrisch betriebene Pkw (ohne Hybride) beträgt damit aber immer noch magere 0,65 Prozent. Deutschlandweit wurden im Jahr 2020 mit 194 200 Pkw mit reinem Elektroantrieb so viele neu zugelassen wie nie zuvor. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das einer Verdreifachung der Zulassungszahl. Laut ADAC erreichen Elektro-Pkw damit einen Marktanteil von 6,7 Prozent.

Doch wie kommen die "Haßberg-Stromer", die zuhause keine eigene Lademöglichkeit haben, an ihren "Sprit"? Öffentliche Ladestellen bieten bislang nur 14 Kommunen des Landkreises. Sie kommen zusammen auf 41 öffentliche Ladestationen mit insgesamt 82 gleichzeitig nutzbaren Ladepunkten. Die meisten Ladestationen wurden entlang der Mainachse eingerichtet. "Spitzenreiter" ist die Kreisstadt selbst, was aufgrund der Affinität für Elektromobilität des hiesigen Stadtwerks nicht weiter verwundert. In Knetzgau bietet zudem der Euro-Rastpark zwei Ladestationen sowie seit wenigen Wochen acht sogenannte Tesla-Supercharger. 

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In Wonfurt, Zeil, Sand, Ebelsbach/Eltmann und Stettfeld sind weitere Ladesäulen installiert, doch verlässt man die Hauptverkehrsader des Landkreises, müssen sich die Fahrer von Elektroautos schon gut informieren, um Lademöglichkeiten zu finden. Im Süden haben einzig das UBIZ in Oberschleichach  sowie als Pionier Prölsdorf eine Steckdose zu bieten, im Haßgau gibt es immerhin in Aidhausen und Burgpreppach Strom für den Tank. Und im nordöstlichen Bereich des Landkreises lässt es sich aktuell nur in Ebern und Untermerzbach "tanken".

Während die Mainachse also gut versorgt ist, besteht im nördlichen und südlichen Bereich des Landkreises noch Nachholbedarf in Sachen Lademöglichkleit für Elektroaus. Erkannt haben das mittlerweile auch einige Kommunen, die im Zuge von Dorfsanierungen auch an die steigende Zahl der elektrisch betriebenen Kraftfahrzeuge gedacht haben.

Vor allem in der Gemeinde Bundorf hat man sich da einiges vorgenommen. So plant die Gemeinde nicht nur am künftigen Dorfgemeinschaftshaus eine Ladesäule, sondern je eine in allen sechs Gemeindeteilen. "Das haben wir in den Verhandlungen mit dem Betreiber des geplanten Photovoltaikparks so vereinbart", erklärt Bundorfs Bürgermeister Hubert Endres. Dieser Photovoltaikpark soll als "Bürgersolarpark" erstellt werden. Der Gemeindechef plant, seine Kommune "energieautark" zu machen, die Wertschöpfung soll dabei möglichst komplett in der Haßgau-Region bleiben. Die Ladesäulen in Bundorf, Kimmelsbach, Neuses, Schweinshaupten, Stöckach und Walchenfeld sind da ein willkommenes und aus Gemeindesicht kostenloses "Zuckerl".

Auch in Ermershausen steht bei der Sanierung des Feuerwehrhauses eine Strom-Tankstelle auf dem Plan. Einen kleinen Schritt weiter ist die Marktgemeinde Maroldsweisach. Hier sind zwei Ladesäulen geplant, eine am Rathaus und eine weitere im Gewerbegebiet. "Die Ladesäule für das Rathaus liegt bereits im Bauhof und wartet auf ihren Einsatz", so Bürgermeister Wolfram Thein. Und auch in Hofheim will man mit der elektrischen Zeit gehen. Der neu zu bauende Parkplatz in der Lendershäuser Straße sollte mit zwei Ladesäulen bestückt werden, doch verzögert sich der Bau aufgrund überwinternder Eidechsen. Wenn diese im Frühjahr aus ihrem Winterschlaf erwacht sind, soll die Baustelle wieder in Angriff genommen werden. Dann gibt es auch in Hofheim die Möglichkeit, sein Elektroauto nahe der Altstadt aufzuladen.

Ebern wartet auf seine Bürgersolaranlage

Ebern hat laut Bürgermeister Jürgen Hennemann bisher die verschiedenen Modelle der Energieversorger und Förderungen des Staates für E-Ladesäulen abgelehnt, weil dadurch Kosten bei der Stadt angefallen wären. Allerdings wurden die Discounter in Ebern aufgefordert, Ladestationen zu installieren, was, so Hennemann, auch umgesetzt wurde. Insgesamt gibt es in Ebern zwölf Ladepunkte. Mit der Errichtung der Bürgersolaranlage auf dem Feuerwehrhaus und Bauhof der Stadt wird eine weitere E-Ladestation erstellt.

"Anscheinend gibt es Bewegung bei den Energieversorgern, um den Kommunen andere, für die öffentliche Hand kostenfreie Angebote zu machen. Allerdings liegt uns noch nichts konkretes vor. Sollten solche Angebote kommen, sind wir mit dabei", verspricht Eberns Bürgermeister. "Aktuell sprechen wir mit dem Bayernwerk und der Überlandzentrale Lülsfeld wegen einer defekten Ladesäule, um am Bahnhof wieder eine Lademöglichkeit zu haben. Außerdem läuft die Anfrage bei einer Firma, die Solarpanele auf Parkplätzen aufstellt, um eventuell auf mehreren städtischen Parkplätzen Lademöglichkeiten zur Verfügung zu stellen", zeigt sich Hennemann für dieses Thema durchaus aufgeschlossen.

E-Laden an der Sandstein-Erlebniswelt?

In Untermerzbach wurde Tagesausflüglern eine Lademöglichkeit geschaffen, in der Gemeinde Pfarrweisach und in Markt Rentweinsdorf gibt es derzeit keine Ladesäulen, ebenso leer ist es noch auf absehbare Zeit im Gebiet der Stadt Königsberg. In den "Heiligen-Ländern" hat der Gasthof Andres in Pettstadt eine privat betriebene E-Ladestation installiert, die Gemeinde Breitbrunn bietet derzeit keine E-Tankstelle. "Das sollte aber meiner Meinung nach nicht so bleiben. Ich kann mir vorstellen, dass wir in Zusammenhang mit der „Sandstein-Erlebniswelt“ am geplanten Parkplatz eine kombinierte E-Tankstelle für E-Bikes und E-Cars einrichten werden", zeigt Bürgermeisterin Ruth Frank durchaus Sympathien für ein solches Projekt. 

Mehrfach diskutiert wurde dieses Thema auch im Gemeinderat Rauhenebrach, konkrete Planungen gibt es in der Steigerwald-Gemeinde allerdings noch nicht. Anders als in Theres, wo der Parkplatz am neuen Gemeindezentrum "elektrisch" aufgewertet werden soll. In Eltmann hingegen ist aktuell nicht geplant, Lademöglichkeiten zu schaffen.

Auch, wenn die meisten Besitzer eines Elektroautos hier auf dem Land ihren eigenen Anschluss in der Garage haben – die, wenn sie mit "grünem Strom" gespeist werden, ebenfalls mit bis zu 900 Euro bezuschusst werden –, die Möglichkeit, sein Auto an einem Ausflugsziel laden zu können, kann durchaus auch ein Pluspunkt für die Dörfer fernab der Hauptverkehrsstraßen sein. Und das scheint auch bis in die Rathäuser durchgedrungen zu sein.

Ladestationen im Landkreis Haßberge: Die Mainachse ist bereits gut versorgt, im Steigerwald und im Haßgau ist die Infrastruktur aber durchaus noch ausbaufähig.
Foto: Nicolas Bettinger | Ladestationen im Landkreis Haßberge: Die Mainachse ist bereits gut versorgt, im Steigerwald und im Haßgau ist die Infrastruktur aber durchaus noch ausbaufähig.

"Masterplan" mit 50 000 Ladepunkten

Ladesäulen zu installieren ist recht teuer, mit allem Drumherum kommt da schnell eine fünfstellige Summe zusammen. Allerdings gibt es einen kräftigen Zuschuss, wenn diese mit Ökostrom aus Erneuerbaren Energien gespeist werden und nicht nur den Bestandskunden des jeweiligen Anbieters – in der Regel handelt es sich dabei um Energieversorger –, sondern beispielsweise über einen QR-Code, das Handy oder eine SMS allen "Stromern" zur Verfügung stehen.
Das Ziel des "Bundesprogramms Ladeinfrastruktur" des Bundesverkehrsministeriums ist der Aufbau einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur mit bundesweit 50 000 öffentlich zugänglichen Ladepunkten bis Ende dieses Jahres. Zusätzlich soll die Automobilwirtschaft bis 2022 mindestens 15 000 zusätzliche öffentliche Ladepunkte beisteuern.
Quelle: BMVI
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