"Zusammen sind wir stark"

Hassfurt Nur mit einem Kooperationsvertrag können kleine Krankenhäuser überleben. Die Haßberg-Kliniken wollen noch in diesem Jahr mit dem Leopoldina-Krankenhaus in Schweinfurt zusammenarbeiten. Dazu erstellte das unabhängige Beratungsunternehmen für Gesundheitseinrichtungen CMK aus Freiburg einen Umsetzungsplan. Dr. Regina Baumgärtner-Vorderholzer klärte die Mitglieder des Kreistages auf.
Dei Haßbergkliniken und das Leopoldina-Krankenhaus       -  Dei Haßbergkliniken und das Leopoldina-Krankenhaus in Schweinfurt wollen stärker kooperieren. Besonders auf dem Gebiet des Herzkatheters soll
zukünftig die Innere Medizin der Haßberg-Kliniken mit der Kardiologie des Leopoldina zusammenarbeiten.
Foto: FOTO PRIVAT | Dei Haßbergkliniken und das Leopoldina-Krankenhaus in Schweinfurt wollen stärker kooperieren. Besonders auf dem Gebiet des Herzkatheters soll zukünftig die Innere Medizin der Haßberg-Kliniken mit der Kardiologie des ...
"Sie wollen ihr Krankenhaus erhalten und stabilisieren, das ist gegen den Trend. Die Gesundheitsreform fordert Zentralisierung." Wollte die Referentin die Mitglieder des Kreistages provozieren? Zwei Jahre nach dem Krankenhaus-Kompromiss, der zum Erhalt des Krankenhauses Hofheim geführt hat, stand das Thema wieder auf der Tagesordnung. Jetzt soll ein weiteres Kapitel aufgeschlagen werden. Denn Regina Baumgärtner-Vorderholzer machte auch Mut: "Die Kooperation soll beiden Teilen dienen."

Für die Bevölkerung des Landkreises soll die medizinische Versorgung optimiert werden. Vor allem auf dem Gebiet des Herzkatheters soll zukünftig die Innere Medizin der Haßberg-Kliniken mit der Kardiologie des Leopoldina zusammenarbeiten. Die bisher üblichen Untersuchungen an der Uni Würzburg bzw. dem Rhön-Klinikum in Bad Neustadt sollen nach Schweinfurt verlagert werden (es sei denn, der Patient hat den ausdrücklichen Wunsch, woanders behandelt zu werden). Dabei ist sogar daran gedacht, dass planbare Herzkatheder der Haßfurter Chefarzt Dr. Winfried Schorb in Schweinfurt setzt.

Eine weitere Zusammenarbeit soll bei Tumorpatienten erfolgen. Das Leopoldina soll dabei zum interdisziplinären Tumor-Zentrum für die drei Häuser der Haßberg-Kliniken werden und optimale Therapien nach neuesten medizinischen Kenntnissen anbieten. Dazu wird es regelmäßige Tumorkonferenzen geben, bei denen die Behandlungsstrategien für die Patienten abgestimmt werden.

Dritter Punkt der Zusammenarbeit ist die Neurologie. Bei Patienten mit Schlaganfall soll zukünftig die gleiche Basistherapie an beiden Standorten stattfinden, wobei je nach Behandlungsfall die Wahl der Krankenhäuser entschieden wird.

Ergänzen wollen sich die Krankenhäuser im Bereich der Unfallchirurgie. Dabei könnte es sogar ein Standort übergreifendes OP-Team geben. Zudem ist an einen Austausch von Personal bei Engpässen gedacht. Dr. Regina Baumgärtner-Vorderholzer sieht als weitere Ausbaustufen der Kooperation auch die Geburtshilfe und Gynäkologie, die Neurologie und Pflege bei Demenzkranken, sicherlich auch im Hinblick auf den Standort Hofheim.

Zudem könnte ein Rotationssystem zur ärztlichen Weiterbildung der Assistenzärzte eingeführt werden. Damit, so die Expertin, würde es zu einer engeren Verbindung der Krankenhäuser untereinander kommen.

"Eine Fusion mit dem Leopoldina halte ich genauso falsch wie bei der Sparkasse."

Rudolf Handwerker Landrat

Einen Sonderfall stellen für Dr. Regina Baumgärtner-Vorderholzer die Häuser Hofheim und Ebern dar. Aufgrund der geringen Distanz zwischen Ebern und Coburg soll speziell für Herzkatheder die Zusammenarbeit mit dem Klinikum Coburg aufrecht erhalten werden.

Und wie ist es mit dem Haus Hofheim? Die Situation ist hier etwas anders, da in Hofheim keine vom Landkreis angestellten Ärzte tätig sind, sondern Belegärzte, die selbst abrechnen. Für Dr. Sabine Syamken ändert sich kaum etwas: "Seit 2002 bin ich in Hofheim und habe fast täglich Kontakt mit dem Leopoldina. Auf onkologischer Basis arbeiten wir seit dieser Zeit zusammen und partizipieren voneinander. Mit dem Kooperationsvertrag hat die medizinische Verbindung einen offiziellen Namen." Und auch Dr. Hubert Amend verweist darauf, dass bei Herzgeschichten in Einzelfällen zusammen gearbeitet wurde, wobei er sich jedoch die Option des Einsatzes anderer Kliniken offen lassen will, wenn dies zu Gunsten des Patienten ist.

Der Rückhalt für die Haßbergkliniken ist im Kreistag groß. Demonstrativ trat Kreisrätin Rita Stäblein von den Grünen vor das Mikrofon. "Ich stehe auf für die Haßberg-Kliniken, damit sie sehen, dass wir hinter ihnen stehen", verkündete sie. "Wichtig ist, dass die Bevölkerung nicht nur den Erhalt der Kliniken fordere, sondern sie auch nutze, so wie es in Hofheim praktiziert wird." Doch Stäblein mahnte auch: "Achten Sie beim Vertragsabschluss auch auf die Belange des Personals."

Und wie geht es nun weiter? Landrat Rudolf Handwerker: "Es ist der Anfang einer Kooperation, niemand kann sagen, wohin letztendlich der Weg führt. Eine Fusion mit dem Leopoldina halte ich jedoch genauso falsch wie bei der Sparkasse." Entscheiden werden übrigens nicht die Kreisräte über den Kooperationsvertrag, sondern der Verwaltungsrat des Krankenhausunternehmens.

In einer großen Informationsveran-
staltung am 24. September wird
das Projekt dann von den Haß-
bergkliniken und dem Leopoldina
in der Stadthalle in Haßfurt vorge-
stellt.

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