Kitzingen

Abstand und viele Regeln: Geht den Chören die Luft aus?

Das Vereinsleben leidet unter Corona. Während Sportler wieder trainieren, schaut es bei den Sängern besonders schlecht aus. Doch in der Krise liegt auch eine Chance.
Fenster auf und Gesichtsschild: Der Kleinlangheimer Gesangverein singt wieder.
Foto: Dieter Zeller | Fenster auf und Gesichtsschild: Der Kleinlangheimer Gesangverein singt wieder.

Leicht hatten es Chöre schon vor der Corona-Pandemie nicht. Die Sänger werden immer älter und Nachwuchs ist nicht leicht zu finden. Das Virus gibt jetzt vielen Chören den Rest. Elke Kuhn, Vorsitzende der Sängergruppe Kitzingen, versucht zwar optimistisch zu sein, aber es gelingt ihr nicht. "Die Chöre hat es von allen Vereinen am härtesten getroffen", sagt sie. Seit Juli darf wieder zusammen gesungen werden, aber nicht viele Chöre tun es.

"Sind wir ehrlich, die meisten Sänger gehören in die Risikogruppe", sagt sie "Das ist ein sehr großes Problem." 26 Gesangvereine sind im Fränkischen Sängerbund Gruppe Kitzingen organisiert. Kuhn hat eine Umfrage unter den Mitglieder gestartet, ob und wann wieder geprobt wird. Nicht einmal zehn haben sich gemeldet. Deswegen geht Kuhn davon aus, dass die anderen noch nicht wieder singen – wie der Gesangverein Wiesentheid.  Zwar wäre der Probenraum in der Sing- und Musikschule für die wenigen Sänger groß genug, aber Chorleiter Erich Zink scheut mit Blick auf das Alter der Sänger das Risiko. 

Gisela Keller (links), stellvertretende Landrätin von Neustadt/Aisch-Bad Windsheim, bedankte sich bei  einem Konzert im Weinparadies bei der Vorsitzenden der Sängergruppe Steigerwald Elke Kuhn. Ihr Kollege Thomas Zehmeister, Vorsitzender des Singkreises Fürth,  applaudiert ihr.
Foto: Gerhard Bauer | Gisela Keller (links), stellvertretende Landrätin von Neustadt/Aisch-Bad Windsheim, bedankte sich bei  einem Konzert im Weinparadies bei der Vorsitzenden der Sängergruppe Steigerwald Elke Kuhn.

Ganz anders in Kleinlangheim nicht. Der Gesangverein 1910 probt wieder. Das Glück der Kleinlangheimer Sänger: Der Probenraum in der Kirchenburg ist groß genug. Denn viele Chöre können in ihren Übungsräumen die vorgeschriebenen Abstände nicht einhalten. Doch auch wenn der Raum groß ist, müssen sich die 30 Sängerinnen und Sänger aufteilen. Erst dürfen die Frauen ran, dann die Männer. Gesungen wird mit Abstand in U-Form, erklärt der Vorsitzende Guntram Zielonka. Alle 20 Minuten wird gelüftet. Gesungen wird mit Gesichtsschild. Seife, Desinfektionsmittel, Spender musste der Verein extra anschaffen.

Bedenken und mögliche Pleiten

"Das kostet alles Geld", sagt Zielonka. Geld, das vielen Chören fehlt, da es durch Corona keine Konzerte, Märkte oder anderweitige Einnahmequellen gibt. Noch hat der Kleinlangheimer Chor Rücklagen und davon will er sich für den Probenraum einen Luftreiniger kaufen. Etwa 700 Euro kostet das Gerät, dazu kommt der Unterhalt. Zielonka ist sich sicher, dass einige Gesangvereine pleitegehen, wenn es auch im nächsten Jahr keine Einnahmen gibt.

Ähnliche Ängste hat Elke Kuhn. "Ich habe größte Bedenken für die Zukunft", sagt sie. Nicht alle Chöre werden die Corona-Krise nicht überleben. Und das meint sie nicht nur finanziell. Nach etwa 66 Tagen ändern sich laut Studien Gewohnheiten. "Was ist, wenn ihnen nach so langer Zeit, das Singen nicht fehlt?", fragt sich Kuhn. Abgesehen vom gemeinsamen Musizieren, gehen auch soziale Kontakte und das Miteinander verloren. 

Großlangheimer Kinderchor startet wieder

Singen im Freien oder mit Abstand in großen Räumen sind auf Dauer auch keine Lösungen. Da sind sich Zielonka und Kuhn einig. Der Sänger brauche seinen Nachbarn. Deswegen sind auch digitale Chorproben nur eine Notlösung. "Das können die Jungen machen. Für mich ist das kein Singen", erklärt Kuhn.

Der Großlangheimer Kinderchor startet wieder neu durch. Gründerin Petra Sterk (hinten, Vierte von links) leitet nach drei Jahren Pause wieder den Chor.
Foto: MGV | Der Großlangheimer Kinderchor startet wieder neu durch. Gründerin Petra Sterk (hinten, Vierte von links) leitet nach drei Jahren Pause wieder den Chor.

Doch es gibt auch positive Nachrichten. So wagt gerade jetzt der Großlangheimer Kinderchor einen Neustart. 2000 gründete Petra Sterk den Kinderchor und leitete ihn auch 17 Jahre. Zwar löste sich der Chor danach nicht auf, aber es fehlte die Kontinuität. Deswegen übernimmt Sterk den Chor nun  wieder. Warum gerade jetzt? "Ja, warum nicht?", fragt sie und lacht. "Irgendwie muss es ja weitergehen." In Großlangheim proben die Sänger im Kulturhaus, der Raum ist groß genug. Wie die Großen müssen sich auch die kleinen Sänger an Hygieneregeln halten, also Maske bis zum Platz, Hände desinfizieren und viel lüften. Sterk ist sich sicher, dass das klappt. Nicht ganz so sicher ist sie sich, ob alle immer ihre Noten dabei haben. Denn die müssen die Buben und Mädchen jetzt mit nach Hause nehmen. 

Sterk, eine ausgebildete Sängerin, sieht in der Corona-Krise sogar eine Chance für Hobbymusiker. Viele besinnen sich darauf, dass sie mal ein Instrument gespielt oder zusammen gesungen haben. Auch der Abstand, den die Sänger halten müssen, sei nicht schlecht.  "Wenn man sich nicht auf seinen Nachbarn verlassen kann, wird der eine oder andere Sänger daran wachsen", sagt sie. Wie auch der eine oder andere Chor gestärkt aus der Krise hervorgehen werde. 

Der Kinderchor Großlangheim startet am 9. Oktober mit den Proben. Wegen Corona müssen interessierte Kinder angemeldet werden unter Tel.: (0 93 25) 65 97 oder kinderchor.glh@gmx.net

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