Kitzingen

Aus dem Gericht: Junger Mann knapp am Knast vorbeigekommen

Weil die Urkundenfälschung und der versuchter Betrug nicht bewiesen werden konnten, hatte ein junger Mann Glück: Das Verfahren wurde eingestellt und der Richter hat Hoffnung.
Wegen Urkundenfälschung stand ein junger Mann in Kitzingen vor Gericht (Symbolbild).
Foto: Volker Hartmann | Wegen Urkundenfälschung stand ein junger Mann in Kitzingen vor Gericht (Symbolbild).

Die Erleichterung war dem 21-Jährigen anzusehen, als er mit seiner Freundin das Kitzinger Amtsgericht verließ. Der Mann musste sich vor dem Jugendschöffengericht wegen Urkundenfälschung und versuchtem Betrug verantworten. Am Ende und nach vielen Ungereimtheiten kam er mit der Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage davon. Es hätte auch mit dem Gang hinter Gitter enden können.

"Ich will nicht mehr dahin, wo ich war", sagte er in der Verhandlung und meinte damit die Justizvollzugsanstalt. In der war der mehrfach vorbestrafte Mann nach einer Verurteilung zu zwei Jahren Jugendstrafe im Jahr 2018 gelandet. Einige Monate hat er abgesessen. Die restlichen 366 Tage waren zur Bewährung ausgesetzt worden. Diese Restschuldbewährung läuft aktuell noch und genau das hätte dem Mann zum Verhängnis werden können.

Die Frage: Wer hat die Überweisung ausgefüllt?

Denn nach der Untersuchungshaft, dem Urteil von 2018 und vor dem Gang ins Gefängnis passierte das, was ihm jetzt vorgeworfen wurde. Der damals gut 19 Jahre alte Heranwachsende soll im August 2018 zwei Handys für je gut 140 Euro online bestellt haben. Einen Tag später soll er einen Überweisungsträger mit den Bankdaten einer Bekannten ausgefüllt haben, mit dem er die Handys bezahlen wollte – ohne deren Wissen. Zustande kam das Geschäft nicht. Weil das Konto der Frau nicht gedeckt war, wurden die Handys auch nicht verschickt. So ist am Ende kein Schaden entstanden.

Angezeigt wurde der Mann dennoch und landete auf der Anklagebank. Dort wies er alle Vorwürfe von sich. Die Bestellung habe ein Bekannter gemacht. Er habe dem lediglich beim Ausfüllen der Überweisung geholfen, die aber nicht vollständig ausgefüllt und schon gar nicht unterschrieben. Seine Botschaft: "Ich habe nichts gemacht."

Es folgten die Beweisaufnahme und drei Zeugen. Das Ergebnis bezeichnete Jugendrichter Wolfgang Hülle als "äußerst schwierig". Der Bekannte, der bestellt haben soll, erzählte genau das Gegenteil von dem, was der Angeklagte gesagt hatte und wollte mit der Bestellung und Überweisung nichts zu tun haben. Auch die Aussagen der ermittelten Polizeibeamtin brachte keine Klarheit. Ein weiterer Zeuge hatte "überhaupt keine Ahnung, um was es hier geht". "Nach Freispruch sieht das derzeit nicht aus", fasste Hülle die Tendenz nach der Beweisaufnahme zusammen, aber auch ein Urteil werde schwierig: "Es gibt zu viele Ungereimtheiten."

Das Leben in die richtige Bahn gelenkt

Also machten sich alle Beteiligten auf die Suche nach einer anderen Lösung. Und da spielte die Entwicklung des Mannes in den vergangenen Jahren eine Rolle. "Er hat früher viel Mist gebaut, nach der Haft sein Leben aber in die richtigen Bahnen gelenkt", stellte der Vertreter der Jugendgerichtshilfe fest. Er haben ein festes Arbeitsverhältnis und Einkommen und eine Lebensgefährtin, die er im nächsten Jahr heiraten will. Insgesamt lebe er in einer stabilen Situation. Eine Entwicklung, die der Bericht des Bewährungshelfers bestätigte.

Diese Aussagen brachten ein Ende des Verfahrens ohne Urteil ins Spiel. Der Staatsanwalt schlug eine Einstellung nach Erwachsenenstrafrecht vor, gegen eine Auflage von 900 Euro. "Wir könnten uns mit der Idee anfreunden", sagte Hülle für das Jugendschöffengericht. Die Verteidigung war dabei. Damit bleibt dem  Angeklagten ein weiterer Gang hinter Gitter erspart. Er konnte Arm in Arm mit seiner zukünftigen Frau den Sitzungssaal verlassen.

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