Kitzingen

Bombenfrei

Rohr frei – im wahrsten Sinn des Wortes: Markus Blum, Besitzer des Gewerbe- und Technologieparks „conneKT“, steht inmitten einer Kampfmittel-Verdachtsfläche. Doch die Bohrungen haben keine Bombe zutage gefördert, sondern nur alten Metallschrott. Im Hintergrund ist der Tower des Kitzinger Flugplatzes zu erkennen.
Foto: Diana Fuchs | Rohr frei – im wahrsten Sinn des Wortes: Markus Blum, Besitzer des Gewerbe- und Technologieparks „conneKT“, steht inmitten einer Kampfmittel-Verdachtsfläche.

Seit Juni 2013 haben sie gesucht. Gefunden haben sie letzten Endes nur „Zivilschrott“, zum Beispiel Eisenstangen und Bleche. Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg tauchten im „conneKT“-Technologiepark nicht auf. Die Suche nach Kampfmitteln auf den Grünflächen außerhalb des Gewerbegebietes und auf der Flugplatz-Landebahn steht allerdings noch aus. „Da werden wir auf jeden Fall Blindgänger finden“, ist Daniel Raabe sicher.

Der Kampfmittel-Räumexperte und sein Team haben in der ehemaligen Kaserne Harvey-Barracks ganze Arbeit geleistet. Über 12500 Bohrmeter sind sie insgesamt in die Tiefe vorgedrungen und haben 189 Bombenblindgänger-Verdachtspunkte im künftigen Technologiepark gründlich untersucht. Ergebnis: Das Gelände kann freigegeben werden. Das freut Investor Markus Blum, der eine „erhebliche sechsstellige Summe“ für die Sicherheit investiert hat. Ihn wurmt aber etwas anderes: Auch weiterhin muss er wartende Grundstücksinteressenten vertrösten.

Der Grund: Der Bebauungsplan ist noch nicht unter Dach und Fach, das heißt, es fehlt schlicht und einfach Baurecht. „Die Gespräche mit der Stadt ziehen sich leider hin.“ Aktuell geht es um die detaillierte Ausformulierung des Städtebaulichen Vertrags, den Blum mit der Kommune abschließen muss.

„Die Wünsche des Stadtrates sind extrem groß.“
Oliver Graumann, Bauamtsleiter

Doch jeder Monat, der verstreicht, lähmt Blum in der Entwicklung des Geländes. „Noch wäre es möglich, hier bis Jahresende 200 Arbeitsplätze anzusiedeln“, sagt der 40-Jährige. Ein Maschinenbauer warte nur darauf, auf 8000 Quadratmetern loslegen zu können, und die 30 Hektar große Logistikfläche-Ost sei ebenfalls begehrt.

Aber Baurecht gibt es erst dann, wenn der Stadtrat grünes Licht gegeben und der Bebauungsplan anschließend sechs Wochen lang ausgelegt worden ist. Blum, der schon beim großen Besichtigungstermin im Juli 2013 auf baldiges Baurecht gehofft hatte, weiß: Ewig warten die Interessenten sicher nicht. „Wenn wir hier nicht in die Gänge kommen, gehen sie eben doch woanders hin.“

Bauamts-Chef Oliver Graumann sagt, er könne Blum gut verstehen. Aber er betont auch: „Wir haben hier in Kitzingen eine der größten Konversionsaufgaben in Bayern zu stemmen. Dass es da Reibungen gibt, ist klar.“ Die Stadtplaner müssten sämtliche öffentlich-rechtlichen Belange berücksichtigen und vertreten – nicht nur die des „conneKT“-Investors, sondern auch sämtlicher Nachbarn. Graumann: „Von den Straßen bis zu den Erschließungsanlagen: In dem ganzen Bereich gibt es mehr Konflikte, als man sich vorstellen kann.“

Dazu kommt ein Personal-Engpass. „Die Stabsstelle des Oberbürgermeisters ist weggefallen und das Bauamt hat dessen Konversionsaufgaben übernommen, ohne zusätzliche Mitarbeiter zu bekommen.“ Die Arbeitsbelastung sei enorm: Allein die Bebauungspläne für Gea, Ditec, Mühlenpark, Deustergelände und so weiter binden die Kräfte der Stadtplanung. Dazu kommen noch allerhand andere Aufgaben – von den Marshall-Heights über den Verkehrsentwicklungsplan bis hin zur „ewigen Baustelle“ Bahnhofsumfeld. Und auch „kleinere Dinge“, wie die Entwicklung des Geländes am „Goldenen Löwen“ oder an der Alten Mainbrücke, müssen vorangebracht werden. Graumann sagt: „Alles soll parallel laufen. Die Wünsche des Stadtrates sind extrem groß.“

Dagegen ist Markus Blums Wunsch im Prinzip überschaubar. Er hat nun ein „sicheres“ Gelände und möchte mit dessen Entwicklung in die Vollen gehen.

Kampfmittelräumer Raabe hat die „beschränkte Kampfmittelfreigabe“ für die gesamten 70 Hektar Technologiepark erteilt, das heißt, dass sämtliche Flächen nach menschlichem Ermessen „sicher“ sind; bei tiefen Erdbau- und Abrissarbeiten sollte auf Gewerbe-Arealen allerdings eine baubegleitende Kampfmittelbetreuung vorgesehen werden. Für Flächen mit Wohnnutzung gelten höhere Auflagen als für reine Gewerbeflächen, deshalb wurden diese auch noch detaillierter geräumt – hier wurden selbst Kleinkampfmittel wie Patronen bis mindestens 40 Zentimeter Tiefe beseitigt. Für die betreffenden Gebäude sowie für alle versiegelten Verkehrs- und Parkflächen gilt deshalb sogar die „uneingeschränkte Kampfmittelfreigabe“.

Markus Blum hat konkrete Ziele: In zehn Jahren soll „conneKT“ vollständig entwickelt und ein prosperierender Stadtteil von Kitzingen geworden sein. Das würde auch Oliver Graumann gefallen. Der Bauamtsleiter möchte, dass der Stadtrat den Bebauungsplan im März billigt; auch der Städtebauliche Vertrag soll dann in trockenen Tüchern sein. Kann dieser Zeitplan gehalten werden, könnte Blum im Mai endgültig durchstarten. „Höchste Zeit“, sagt der Investor.

200 Hektar Entwicklungsfläche

Der Investor: Markus Blums „blumquadrat GmbH“ beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Projektentwicklung: von der Entwurfs- und Werkplanung über Ausschreibung und Bauüberwachung bis hin zur Nutzungsaufnahme der Büro- und Fabrikbauten. Seit 2008 betreut Blum mit seinem Team die Konversion des ehemaligen US-Militärflugplatzes in Giebelstadt.

Das ist bislang passiert: Anfang Mai 2013 übergibt die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben das Gelände offiziell an den Käufer Markus Blum – aus den „Harvey Barracks“ wird der Technologiepark „conneKT“. Im September genehmigt der Kitzinger Stadtrat eine Zwischennutzung: Ausgewählte Bereiche dürfen kurzfristig in Nutzung genommen werden, auch wenn der Bebauungsplan noch nicht in Kraft ist. Am 1. Oktober 2013 zieht das erste Unternehmen in „conneKT“ ein: Die Firma Terex nutzt eine große, nicht mit Kampfmitteln belastete Betonfläche als Testgelände für ein Spezialfahrzeug. Am 9. Februar 2014 gibt das Unternehmen „Raabe Kampfmittelbeseitigung“ das gründlich auf Bombenblindgänger untersuchte Areal frei. Noch immer fehlt Blum aber Baurecht.

conneKT: Auf insgesamt gut 200 Hektar Fläche existieren viele unterschiedliche Grundstücke zwischen 1000 und 50000 Quadratmetern. In dem Gewerbe- und Industriegebiet sind Bürogebäude, Lagerhallen, Hangars und vieles mehr vorhanden.

Ziel: Innerhalb von zehn Jahren will Blum das Gelände vollständig entwickelt haben. Im Technologiepark „conneKT“ sollen dann über 2000 Menschen arbeiten. *ldk*

Wie nach einer Maulwurfsinvasion: Fast 3000 Erkundungsbohrungen bis in fünf Meter Tiefe haben Spuren hinterlassen.
Foto: Diana Fuchs | Wie nach einer Maulwurfsinvasion: Fast 3000 Erkundungsbohrungen bis in fünf Meter Tiefe haben Spuren hinterlassen.
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