Stadelschwarzach

Glocken von St. Bartholomäus: Vier neue Klöppel schlagen den Ton

Das Geläut im Stadelschwarzacher Kirchturm war ramponiert. Ohne Reparatur wäre es zum Schweigen verurteilt gewesen. Die aufwändige Arbeit gelang nur dank großzügiger Spenden.
Glocken-Servicetechniker Frank Müller sitzt auf der Eichenholz-Tragachse, dem sogenannten Glockenjoch, der großen 2,3 Tonnen schweren Marienglocke und bereitet den Klöppeltausch vor. Die Seilwinde ist bereits angelegt und gespannt.
Foto: Dominik Berthel | Glocken-Servicetechniker Frank Müller sitzt auf der Eichenholz-Tragachse, dem sogenannten Glockenjoch, der großen 2,3 Tonnen schweren Marienglocke und bereitet den Klöppeltausch vor.

Jeder hört sie, aber keiner sieht sie: die Kirchturmglocken. Dabei ist es ja schon etwas äußerst Imposantes, wenn gerade große Glocken sich zum Läuten in Bewegung setzen, wenn mehrere Tonnen Bronze in Schwingung gebracht werden und der Klöppel zig Mal pro Minute auf die Glocke auftrifft, um einen Ton zu erzeugen, der dann in die Ferne fliegt. Für eine Kirche wie die in Stadelschwarzach mit ihren vier Bronzeglocken kommt man da auf rund eine Million Klöppelschläge im Jahr, was im Lauf der Jahrzehnte nicht spurlos am Material vorübergeht. Auch Kirchenglocken sind vor Materialermüdung nicht geschützt.

Geschafft. Der neue Glockenklöppel sitzt wieder richtig in der großen, 2,3 Tonnen schweren Marienglocke. Jetzt muss er nur noch ausgerichtet werden. Glocken-Servicetechniker Frank Müller (oben), führt die dazu notwendigen Arbeiten an der Eichenholz Glockenaufhängung durch.
Foto: Dominik Berthel | Geschafft. Der neue Glockenklöppel sitzt wieder richtig in der großen, 2,3 Tonnen schweren Marienglocke. Jetzt muss er nur noch ausgerichtet werden.

Bereits Ende 2015 hat eine Glockensachverständige der Diözese Würzburg das Geläut der Stadelschwarzacher St.-Bartholomäus-Kirche begutachtet. Deren Fazit: An den Glocken muss einiges saniert werden. Neben vielen kleineren Maßnahmen, wie dem Einbau einer neuen vollelektronischen Steuerung, bereiteten vor allem die Glockenklöppel Sorgen; alle vier Klöppel samt Aufhängung sollten getauscht werden – für Gesamtkosten von rund 14 500 Euro.

Diözese erteilte Finanzhilfen eine Absage

Die beiden Glocken-Servicetechniker Johannes Buse (links) und Frank Müller beginnen vorsichtig mit dem Hochziehen des neuen Glockenklöppels für die große 2,3 Tonnen schwere Marienglocke.
Foto: Dominik Berthel | Die beiden Glocken-Servicetechniker Johannes Buse (links) und Frank Müller beginnen vorsichtig mit dem Hochziehen des neuen Glockenklöppels für die große 2,3 Tonnen schwere Marienglocke.

Kirchenpfleger Gerhard Berthel sah dies nun als "seinen Auftrag" an und versuchte die Maßnahme zeitnah anzugehen. Auch wenn die Lücken in den Finanzen der Diözese seinerzeit noch nicht so publik waren, wie sie es mittlerweile sind, merkte Berthel bereits vor fünf Jahren recht schnell, dass er bei der Diözese Würzburg nicht so einfach voran kam, als er wegen einer finanziellen Unterstützung für die Glockensanierung anfragte. Er telefonierte mehrmals mit den zuständigen Verantwortlichen, leider ohne großen Erfolg. Ein Telefonat endet sogar mit der Aussage: Sollte es sicherheitstechnisch nicht mehr verantwortbar sein, dann sollten die Glocken besser erst mal vorübergehend abschalten werden, erinnert sich Berthel.

Lesen Sie auch:

Stilllegen der Glocken kam nicht infrage

Damit konnte und wollte sich der Kirchenpfleger nicht zufrieden geben. Es war für ihn, der wie alle Stadelschwarzacher stolz auf das vierstimmige Geläut ihrer Pfarrkirche ist, sofort klar, dass eine andere Lösung her musste, denn das Stilllegen der Glocken ist keine Option.

Der neue, fast 100 Kilo schwere Glockenklöppel aus Stahl samt Klöppelgabel in der Nahaufnahme. Links ist noch der alte, bereits ausgebaute Klöppel zu sehen.
Foto: Dominik Berthel | Der neue, fast 100 Kilo schwere Glockenklöppel aus Stahl samt Klöppelgabel in der Nahaufnahme. Links ist noch der alte, bereits ausgebaute Klöppel zu sehen.

In den vergangenen drei bis vier Jahren wurden deshalb nun kräftig Spenden gesammelt für diese Maßnahme. Und im zurückliegenden Sommer war es tatsächlich endlich soweit, dass die volle für die Sanierung notwendige Summe durch Spenden von Privatpersonen und örtlichen Unternehmen zusammengekommen war.

Das Montageteam der Stadelschwarzacher Glockensanierung mit dem größten der vier Glockenklöppel, dem fast mannshohen Klöppel für die 2,3 Tonnen schwere Marienglocke. Glocken-Servicetechniker Frank Müller (von links), Kirchenpfleger Gerhard Berthel und Glocken-Servicetechniker Johannes Buse, die die Klöppelgabel samt der großen Mittelschraube in Händen halten.
Foto: Dominik Berthel | Das Montageteam der Stadelschwarzacher Glockensanierung mit dem größten der vier Glockenklöppel, dem fast mannshohen Klöppel für die 2,3 Tonnen schwere Marienglocke.

Im November 2020 zogen dann für knapp eine Woche zwei Servicetechniker für Glockentechnik, Frank Müller und Johannes Buse, in den Kirchturm ein, um das Geläut zu sanieren. Besonders der Austausch der Glockenklöppel war schon sehenswert und nicht alltäglich, denn so eine Maßnahme ist in der Regel nur alle 50 bis 100 Jahre erforderlich. So mussten die Klöppel – der für die größte Glocke ist gut eineinhalb Meter lang und wiegt an die 100 Kilo – erst mal über die schmalen Holztreppen im Turm mit Muskelkraft an Ort und Stelle gebracht werden, um dann mittels Seilzug in die Glockenaufhängung eingeführt werden zu können. Interessant ist auch die Aufhängung der Klöppel durch mehrlagige, zentimeterdicke Lederstreifen.

Entscheidend ist die Wahl des Materials

Kirchenpfleger Gerhard Berthel (links) und Glocken-Servicetechniker Johannes Buse beim Hochziehen des neuen Glockenklöppels für die große 2,3 Tonnen schwere Marienglocke.
Foto: Dominik Berthel | Kirchenpfleger Gerhard Berthel (links) und Glocken-Servicetechniker Johannes Buse beim Hochziehen des neuen Glockenklöppels für die große 2,3 Tonnen schwere Marienglocke.

Der Tausch aller vier Klöppel war unter anderem auch deshalb notwendig, weil im Jahr 1951 während der Glockenmontage Klöppel aus einem nicht idealen Material verwendet und eingebaut wurden, sagt Frank Müller. Das Wichtigste bei der Klöppelherstellung sei die Materialwahl. Der Klöppel muss beim Anschlag auf die Glocke weich sein, damit er die sensible Glockenwandung nicht beschädigt, erläutert Müller weiter.

Blick von unten in die große, 2,3 Tonnen schweren Marienglocke. Der neue fast 100 Kilo schwere Stahl-Klöppel ist montiert.
Foto: Dominik Berthel | Blick von unten in die große, 2,3 Tonnen schweren Marienglocke. Der neue fast 100 Kilo schwere Stahl-Klöppel ist montiert.

Diese Manko ist nun Geschichte. Gegen Ende der Montagewoche signalisierte das längere Einläuten mitten am Tag den Stadelschwarzachern, die Glockensanierung, der vierfache Klöppeltausch, wurde erfolgreich abgeschlossen und das vierstimmige Glockengeläut von St. Bartholomäus ist für das kommende Jahrhundert gesichert – dank einer großen Spendenbereitschaft.

Das Bild zeigt die 0,7 Tonnen schwere Bartholomäusglocke.
Foto: Dominik Berthel | Das Bild zeigt die 0,7 Tonnen schwere Bartholomäusglocke.

Die Glocken von St. Bartholomäus

Die ursprünglichen vier Glocken sind während des Zweiten Weltkriegs abgenommen und eingeschmolzen worden, um daraus Munition herzustellen. Im Jahr 1951 wurden in Erding vier neue Bronzeglocken gegossen. Diese wurden im Turm der Stadelschwarzacher Kirche St. Bartholomäus feierlich aufgehängt.
Die Glocken beschreiben sich wie folgt:
Marienglocke mit Schlagton c´: Umfang 493 Zentimeter, Durchmesser 158 Zentimeter, Gewicht 2,3 Tonnen; Umschrift: "Hass zerschlug mich, in Not entstand ich, nun ruf ich dich, Maria".
Apostelglocke mit Schlagton e´: Umfang 390 Zentimeter, Durchmesser 130 Zentimeter, Gewicht 1,2 Tonnen; Umschrift: "Apostelglauben, Apostelmut, erhalte den Deinen das bleibende Gut".
Bartholomäusglocke mit Schlagton g´: Umfang 320 Zentimeter, Durchmesser 109 Zentimeter, Gewicht 0,7 Tonnen; Umschrift: "Hilf in jeglicher Not, erfleh´ uns bei Gott".
Josefglocke mit Schlagton a´: Umfang 275 Zentimeter, Durchmesser 93 Zentimeter, Gewicht 0,5 Tonnen; Umschrift: "Des Dorfs, der Kirch Berater, bleib lieber Pflegevater".
Im Internet auf Youtube findet sich ein Video, dass das Vollgeläut der Stadelschwarzacher Glocken zu Gehör bringt.
Text: db
Das Bild zeigt den ausgetauschten größten, fast 100 Kilo schweren Glockenklöppel. Der alte, verschlissene Klöppel wird vorsichtig mittels einer Seilwinde herabgelassen. Im Hintergrund ist bereits der neue Klöppel zu sehen.
Foto: Dominik Berthel | Das Bild zeigt den ausgetauschten größten, fast 100 Kilo schweren Glockenklöppel. Der alte, verschlissene Klöppel wird vorsichtig mittels einer Seilwinde herabgelassen.
Der alte, verschlissene, fast 100 Kilo schwere Klöppel wird von Glocken-Servicetechniker Johannes Buse (links) zusammen mit Kirchenpfleger Gerhard Berthel vorsichtig mittels einer Seilwinde herabgelassen und vorsichtig auf dem Zwischenboden abgelegt.
Foto: Dominik Berthel | Der alte, verschlissene, fast 100 Kilo schwere Klöppel wird von Glocken-Servicetechniker Johannes Buse (links) zusammen mit Kirchenpfleger Gerhard Berthel vorsichtig mittels einer Seilwinde herabgelassen und ...
Die beiden Glocken-Servicetechniker Frank Müller (links) und Johannes Buse montieren die Klöppelgabel an dem neuen großen Klöppel. Die Verbindung von Klöppelblatt zur Klöppelgabel erfolgt mittels mehrlagigen, zentimeterdicken Lederstreifen.
Foto: Dominik Berthel | Die beiden Glocken-Servicetechniker Frank Müller (links) und Johannes Buse montieren die Klöppelgabel an dem neuen großen Klöppel.
Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Kitzingen und erhalten Sie zweimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Weitere Artikel
Themen & Autoren
Stadelschwarzach
Dominik Berthel
Berater
Hass
Instandhaltung
Munition
Not und Nöte
Spendenbereitschaft
Türme
YouTube
Zweiter Weltkrieg (1939-1945)
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!