Volkach

Kultur und Corona: Wie die Volkacher Akademie Künstler unterstützt

Freitags-Fragen: Wie ist es der Volkacher Akademie für Kinder- und Jugendliteratur in der Pandemie ergangen? Präsidentin Claudia Pecher über Probleme und ihren größten Wunsch.
Gerade in der Corona-Zeit wichtig: Bücher können durchaus helfen, durch die Pandemie zu kommen.
Foto: Louisa Grübler, dpa | Gerade in der Corona-Zeit wichtig: Bücher können durchaus helfen, durch die Pandemie zu kommen.

Seit 45 Jahren gibt es Buchtipps aus Volkach: Im Mai 1976 wurde die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur gegründet. Und noch immer ist die bundesweit bekannte Institution in Volkach beheimatet. An der Spitze steht Claudia Pecher, die wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Jugendbuchforschung an der Goethe-Universität in Frankfurt war und seit seit 2020 als Leiterin der Landesfachstelle für Büchereien und Bildung beim Katholischen Medienhaus Sankt Michaelsbund in München arbeitet. 2013 wurde sie zur Präsidentin gewählt. Bereits zuvor lenkte Claudia Pecher in der Geschäftsstelle die Geschicke. Seit 2005 befindet sich die Akademie im Schelfenhaus

Frage: Wie ist die Akademie bisher durch die Pandemie gekommen?

Claudia Pecher: Gerade liegt mir druckfrisch der Jahresbericht 2020 mit 112 Seiten vor – wir haben doch sehr, sehr viel getan. Natürlich wurden auch wir vor große digitale Veränderungen gestellt. Die Volkacher Akademie ist digital sehr präsent. 

Was ist alles verloren gegangen?

Pecher: Natürlich die vielen realen und persönlichen Begegnungen, die für den gemeinsamen Austausch stehen. Als rein ehrenamtlich geführte Einrichtung mussten wir viel digitale Kommunikationsarbeit aufbringen, damit wir die Pandemie gut meistern. Da ist es gut, stabile Finanzpartner an der Seite zu haben, die wissen, wie wichtig Literatur in diesen Zeiten ist.

Claudia Maria Pecher ist seit 2013 Präsidentin der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur.
Foto: Peter Pfannes | Claudia Maria Pecher ist seit 2013 Präsidentin der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur.

Mit welchen Problemen haben Sie besonders zu kämpfen?

Pecher: Einfacher wäre es, wenn wir wüssten, ob und wie sich die Situation im Herbst entwickelt. Alle analogen Begegnungen wurden auf nach den Sommer verlegt. Der Stand-By-Modus und das Fahren auf Sicht ist im Ehrenamtsbereich wirklich eine Herausforderung. Wir hoffen alle sehr, dass Lesungen, Tagungen, Preisverleihungen wieder in größerer Gemeinschaft erlebt werden können. Auch stimmt es bedenklich, dass die Kulturbranche insgesamt finanzielle Sorgen hat, weil Sponsorings nur gemacht werden, wenn Firmen Planungssicherheit haben. Insgesamt aber stimmt mich froh, dass unter den Literatur- und Kulturfreunden eine große Solidarität zu spüren ist.

Wie laufen die virtuellen Veranstaltungen, welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?

Pecher: Die Akademie hat von erster Stunde der Pandemie an Autoren und Künstlern via Social Media die Möglichkeit gegeben, literarische Buchtipps oder Videos etwa auf Facebook einzustellen. Man muss so was ja irgendwie erproben. Wir haben zusammen mit dem Michaelsbund die "Vorlesezeit" via YouTube aufgebaut, wo jeden zweiten Freitag ein Autor aus seinem Buch vorliest. Die Beiträge sind auf der Homepage der Akademie nachzulesen. Überdies laden wir fast jeden Freitag um 19 Uhr zu Gesprächen mit Autoren und Künstlern ein. Das Publikum ist sehr heterogen: vom Autor, über Bibliothekare bis zu Eltern oder ganzen Familien, die sich via Laptop zuschalten. Freilich bieten wir auch die Vermittlung von Schullesungen oder Online-Lesungen für Büchereien oder Buchhandel an. In Zeiten der Pandemie ist es uns stets ein großes Anliegen gewesen, Autoren, Künstler und Literaturvermittler zu unterstützen.

Im Volkach Schelfenhaus hat die Akademie ihren Sitz.
Foto: Obermeier | Im Volkach Schelfenhaus hat die Akademie ihren Sitz.

Haben sich Lesegewohnheiten durch die Pandemie verändert?

Pecher: Kinderbücher sind, wie Erhebungen von Statistiken und Medienbeobachtern zeigen, in der Pandemie stabile und sehr gute Begleiter gewesen. Gerade Büchereien haben sich als wichtige und kommerzfreie Bezugsquellen für Lesestoff vor Ort erwiesen. Leider war der Ausleihverkehr zeitweise sehr eingeschränkt.

Die nächsten Projekte?

Pecher: Neben den freitäglichen Lesungsgesprächen sind es Veranstaltungen im Herbst zu: "Vivat Vielfalt!" Diversität im Kinderbuch, eine Broschüre mit digitaler Ausstellung, "Judentum in aktuellen Kinder- und Jugendmedien heute", eine Tagung mit Ausstellung zu "1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" sowie ein Fachforum mit Publikation zu "100 Jahre Max Kruse". Dazu die achte Runde Lese-Kick in Bayern – Lese- und Fußballtraining Hand in Hand. Auch liebäugle ich mit einem Podcast.

Wie werden die Buch- und App-Empfehlungen des Monats ausgewählt?

Pecher: Da gibt es mehrköpfige Jurys aus dem Universitäts- bzw. Literaturvermittlungsalltag, die sich Neuerscheinungen der Verlage ansehen, beraten und prämieren. Bei 8000 Neuerscheinungen in einem pandemiefreien Jahr ist das schon eine beachtliche Aufgabe. Die Jurymitglieder arbeiten alle ehrenamtlich.

Ihre persönliche Lese-Entdeckung der vergangenen Woche?

Pecher: Ich habe da nicht nur eine, aber mir gefielen freilich sehr gut die neue Biografie von Maren Gottschalk "Wie schwer ein Menschenleben wiegt. Sophie Scholl". Wer Lyrik liebt, wie ich: "Das große Büchergilde Gedichtbuch" von Alexander Elspas und Ceylan Maurer.

Wie oft sind Sie in Volkach – wer hält im Schelfenhaus die Stellung?

Pecher: Gefühlt bin ich im Schelfenhaus täglich, denn wer sich für die Akademie, Unterfranken und das Kinder- und Jugendbuch entscheidet, der tut das mit ganzem Herzen! Die Stellung vor Ort hält unsere Geschäftsstelle mit Josef Rößner. Wir Akademie-Mitglieder brennen alle darauf, uns alle mal wieder in Volkach treffen zu können.

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Kitzingen und erhalten Sie zweimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Themen & Autoren / Autorinnen
Volkach
Frank Weichhan
Bibliothekarinnen und Bibliothekare
Buchtipps
Büchereien
Facebook
Johann Wolfgang Goethe-Universität
Jugendbücher
Kinder und Jugendliteratur
Künstlerinnen und Künstler
Max Kruse
Neuerscheinungen
Podcasts
Social Media
Sophie Scholl
Verlagshäuser
YouTube
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!