Wiesentheid

Salatzucht: Investor äußert sich vielsagend zu weiteren Plänen

Nach der Rücknahme des Bauantrags für eine Salatfabrik atmet man in Wiesentheid erleichtert auf. Doch womöglich kommt das Vorhaben doch noch – an anderer Stelle.
Starkes Zeichen: Am 27. Juni protestierten rund 500 Menschen in Wiesentheid gegen den Bau einer Salatzuchtanlage.
Foto: Dominik Berthel | Starkes Zeichen: Am 27. Juni protestierten rund 500 Menschen in Wiesentheid gegen den Bau einer Salatzuchtanlage.

Am Tag nach Bekanntwerden der Rücknahme des Bauantrags für eine gut 17 Hektar große Salatzuchtanlage bei Wiesentheid ist in dem knapp 5000 Einwohner zählenden Ort Erleichterung zu spüren. "Wir sind glücklich und ein Stück weit zufrieden", sagt Michael Rückel, Fraktionssprecher des Bürgerblocks (Freie Wähler). Glücklich ist auch Norbert Schneider, Vorsitzender der Ortsgruppe des Bund Naturschutzes, der sich wie der Bürgerblock dem Aktionsbündnis "Gegen die Salatfabrik" angeschlossen hat.

Bürgermeister Werner Knaier (CSU), frisch aus dem Urlaub zurück, sieht mit dem überraschenden Rückzug des Investors ein Ziel der Gemeinde erreicht, die Salatzucht östlich der B 286 zu verhindern. Ob dieser Erfolg dem Widerstand der Bevölkerung oder der Verzögerungstaktik des Gemeinderats (Stichwort: Ausweisung einer Konzentrationsfläche für Gewächshäuser) zuzuschreiben ist, "kann man sich aussuchen", meint Knaier.

Unternehmer spricht von "Fake News"

In einer knappen schriftlichen Antwort an diese Redaktion hat das Unternehmen Deliscious auf Fragen zur Rücknahme seines Bauantrags reagiert. Geschäftsführer Mark Delissen bestätigt darin, dass er die Chancen, die Salatzucht direkt an der B 286 zu verwirklichen, als "zu gering" ansah. Was aufhorchen lässt, ist seine Äußerung auf die Frage, ob für ihn der Bau einer Salatzucht in Wiesentheid jetzt generell vom Tisch ist: Es werde "immer Optionen in Wiesentheid oder anderen Orten in Deutschland" geben, schreibt er.

Konkret zur vorgesehenen Konzentrationsfläche für Gewächshäuser nördlich von Wiesentheid meint er: "Das ist eine mögliche neue Option", die wie alle anderen Optionen geprüft werde. Für Delissen gründet der Widerstand der Einwohner Wiesentheids auf "Fake News", die die Salatzucht als Gefahr für das örtliche Grundwasser darstellen.

Worauf Delissen nicht eingeht, ist die Ankündigung des Agrarunternehmens, das Vorgehen der Gemeinde mit deren Bedenken gegen den Standort und die Planung der Konzentrationsfläche juristisch prüfen zu lassen. Dies ist dem Rücknahme-Schreiben für den Bauantrag ans Landratsamt zu entnehmen.

Bürgerblock lehnt Konzentrationsfläche weiter ab

Damit ist es verfrüht, vom endgültigen Aus für eine Salatzuchtanlage in Wiesentheid zu sprechen. Dies sieht auch Rückel so, der rät, im Gemeinderat die gut 43 Hektar große Konzentrationsfläche "nochmals ernsthaft zu überdenken", bevor diese rechtskräftig wird. Diese Fläche könnte sonst am Ende als Einladung für Gewächshaus-Planer wirken, "das wäre ein Paradies für Gärtner", warnt Rückel.

Knaier meint, dass die Gemeinde die Konzentrationsfläche weiter verfolgen sollte, auch um den Verdacht zu verhindern, dass diese nur deshalb angestoßen wurde, um die Salatzucht an der B 286 zu verhindern, was so nicht erlaubt sei.

Dank an alle Aktivisten

Nichtsdestotrotz freuen sich die Salatzucht-Gegner über den Rückzug des Investors. Dieser habe eingesehen, dass eine solche Anlage in Wiesentheid nicht gewünscht und mit den Restriktionen der Gemeinde wohl nicht wirtschaftlich zu betreiben ist, sagt Rückel. "Das war ein Dienst gemeinschaftlichen Widerstands", meint Schneider vom Bund Naturschutz und kündigt an, das Aktionsbündnis werde sich weiter gegen Groß-Gewächshäuser wenden, "die nur negative Auswirkungen haben". Als Dank an alle Aktivisten schlägt Rückel als "noch nicht ausgegorene Idee" ein Bürgerfest vor.

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