Kitzingen

Theologie braucht für Dekanin Baderschneider Bodenhaftung

Corona hat im ersten Amtsjahr der Theologin viel verändert. Aber die Kitzinger Dekanin kann der Pandemie auch Positives abgewinnen. Warum sie die Hoffnung nicht verliert.
Die evangelisch-lutherische Dekanin in Kitzingen, Kerstin Baderschneider, hat sich ihr erstes Amtsjahr ganz anders vorgestellt.
Foto: Hartmut Hess | Die evangelisch-lutherische Dekanin in Kitzingen, Kerstin Baderschneider, hat sich ihr erstes Amtsjahr ganz anders vorgestellt.

Kerstin Baderschneider ist seit einem Jahr Dekanin des evangelisch-lutherischen Dekanats Kitzingen – doch dieses erste Amtsjahr hatte sie sich ganz anders vorgestellt. Sie hatte sich vorgenommen, in einer Art Kennenlernjahr mit allen Verantwortlichen in diversen Gliederungen im Dekanat zu sprechen und den Kontakt mit allen Kirchengemeinden zu finden. "Ich bin heute froh, dass ich in meinen ersten Monaten einen proppevollen Terminkalender hatte, denn nach dem Lockdown im Frühjahr wurde ich ausgebremst und musste unfreiwillig Neuland betreten", sagt die Theologin.

Stattdessen überlagerte die Corona-Pandemie ihren Alltag und ließ viele Termine und Veranstaltungen den Bach hinunter gehen, selbst die Dekanatssynode musste dran glauben. Der Tagesablauf der Dekanin änderte sich gewaltig, persönliche Gespräche, Gottesdienste in den Kirchengemeinden und andere Veranstaltungen waren plötzlich passé. Stattdessen bestimmten Telefonate, E-Mail-Verkehr und Online-Kontakte fortan das Geschäft.

Einschränkungen und Befreiendes

"Die Umsetzung der sich immer wieder ändernden Vorschriften in Kirchengemeinden, Kitas oder in Einrichtungen der Diakonie wie Pflegeheimen haben die Verantwortlichen viel Kraft und Zeit gekostet", konstatiert Kerstin Baderschneider. Sie musste sich auch selbst umstellen, waren doch Präsenzgottesdienste gar nicht mehr oder nur teilweise mit großen Einschränkungen möglich. "Die Situation, beim Online-Gottesdienst, nur die Kamera statt die Gottesdienstbesucher zu sehen, war befremdlich für mich", sagt die in Hof geborene Geistliche. Zumal ihr das gemeinsame Beten und Singen in der Gemeinschaft der Gläubigen fehlen. Sie schrieb dennoch ihre Predigten, nur konnte sie ihre Botschaften nicht direkt gegenüber Gläubigen artikulieren, sondern die Schriften nur in der Kirche auslegen oder online stellen.

In den Lockdown-Zeiten war Kreativität und Krisenmanagement in Dekanatsbüro, dem Dekanatsausschuss und im Pfarrkapitel gefragt. Dank einiger ehren- und hauptamtlichen Mitstreiter fanden die Dekanin und Pfarrer Thilo Koch neue Wege, um die Gläubigen zu erreichen. Über eine eingerichtete Youtube-Seite erreichten die Dekanats-Verantwortlichen 300 bis 400 Gläubige und beim Eröffnungsgottesdienst der Friedensdekade waren gar 500 Zuschauer dabei. Solche Entwicklungen führten dazu, dass Kerstin Baderschneider den Folgen der Corona-Pandemie sogar etwas Positives abgewinnen konnte. Denn sie zeigte sich überwältigt davon, wie ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter sich einbrachten und Ideen in die Realität umsetzten.

So lobt die 48-Jährige das Engagement der Brüder Florian und Ferdinand Foster, die das Know-how und das Equipment mitbrachten, um die virtuellen Gottesdienste aus mehreren Sequenzen mit der Dekanin und Dekanatskantor Martin Blaufelder zu bearbeiten und ins Netz zu stellen. Der Sickershäuser Pfarrer Simon Gahr engagierte sich zudem für Anruf-Andachten, die die Menschen via Telefon oder Internet verfolgen können. Wie Kerstin Baderschneider ankündigte, soll es diese Anruf-Andachten nochmals vom 1. Advent bis zum Dreikönigstag geben.

Beeindruckt von der Solidarität

Udo Rathje habe Livestreams realisiert und damit viele Jugendgottesdienste und Konfirmationen virtuell transportiert und auf Instagram viele Denkanstöße gegeben. Zudem beeindruckten Kerstin Baderschneider reihenweise Menschen, die gerne Nachbarschaftshilfe für ältere und wenig mobile Bürger leisteten. Was sich die Dekanin in der schwierigen Zeit nicht nehmen ließ, waren Vertrauen und Hoffnung. Sie betont, "dass Theologie Bodenhaftung braucht" und bekennt, die Sonntags-Themen und Losungen im Kirchenjahr neu entdeckt zu haben und diese Losungen hätten oft gepasst.

"Ich habe das Kitzinger Land erwandert", sagte die Dekanin, die statt ans Meer zu fahren, mit ihrem Mann viele der hiesigen Traumrunden-Wanderwege und dabei eine "schöne Region" erkundet. Was ihr sofort hier in Kitzingen auffiel, war die gute Ökumene und das Verhältnis zum katholischen Stadtpfarrer Gerhard Spöckl. "Ich habe ein vielfältiges Bild von meinem Dekanat gewonnen", sagt Kerstin Baderschneider und gibt sich zuversichtlich, außer Corona auch andere Herausforderungen wie den neuen Landesstellenplan in Zeiten von sinkenden Mitgliederzahlen der Landeskirche zu meistern.

"Wir können wir einladend sein? Darüber müssen wir uns eingehend Gedanken machen", sagt die Dekanin und hofft, dass ein neu entfachtes Solidaritätsgefühl den Kirchen in diesen schweren Zeiten hilft.    

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