Iphofen

Wie der Wald der Zukunft aussieht

Mit 2300 Hektar hat Iphofen einen der größten Kommunalwälder Bayerns. Beim jährlichen Waldgipfel des Stadtrats erklärt der Förster, was dort noch geht und was nicht mehr.
Die Waldgänge des Iphöfer Stadtrats (wie hier am Montagabend) sind in den letzten Jahren immer auch Krisengipfel, denn um den Stadtwald steht es  in Teilen nicht gut.
Foto: Eike Lenz | Die Waldgänge des Iphöfer Stadtrats (wie hier am Montagabend) sind in den letzten Jahren immer auch Krisengipfel, denn um den Stadtwald steht es in Teilen nicht gut.

Der Tod kam plötzlich und unerwartet. Noch im Frühjahr hatte sich die mittelalte Eiche vital und lebenslustig gezeigt. Ein bisschen knorrig, wie Eichen halt so sind, war sie auf gutem Weg und hatte ihre grünen Triebe neugierig in den blauen Himmel gestreckt. Jetzt aber, drei Monate später, ist aller Lebenssaft aus ihr gewichen. Ihr kahles Gerippe wirkt wie ein Monument der Vergänglichkeit. „Wir wissen nicht, weshalb sie aufgegeben hat“, sagt Rainer Fell, der zu Füßen der Eiche steht und etwas ratlos ins fahle Abendlicht blinzelt. Fast schon trotzig fügt er hinzu: „So einem Baum laufen wir nicht hinterher.“

An diesem Montagabend wird im Iphöfer Stadtwald nicht das Schicksal eines einzelnen Baumes verhandelt, sondern nicht weniger als die Zukunft dieser 2300 Hektar großen Fläche, eines der größten kommunalen Waldgebiete Bayerns, wie Bürgermeister Dieter Lenzer nicht ohne Stolz anmerkt. Der Stadtförster Fell, der nun auch schon auf mehr als drei Jahrzehnte Erfahrung blickt, macht sich nicht erst seit gestern Gedanken, wie dieses Erbe möglichst intakt an die nachfolgenden Generationen übergeben werden kann. Auch wenn es dazu beim jährlichen Waldgang des Stadtrats noch nicht viel Konkretes zu sagen gibt, lässt sich eines doch feststellen: Ganz ohne schmerzhafte Einschnitte wird es nicht gehen.

Ist das alles noch Wetter oder doch schon Klima?

Fell ist keiner, der lange um den heißen Brei herumredet; er legt den Finger in die Wunde – mit klinischer Präzision. „Wir haben Probleme im Wald“, sagt er. Experten streiten zwar noch, ob das alles noch Wetter ist oder doch schon Klima. Nur sind die Folgen der jahrelangen Trockenheit, der brüllend heißen Sommer, eindeutig und nicht zu leugnen. Fichten und Kiefern vertrocknen, neuerdings auch die Buche, ein Baum, mit dem viele Förster bis vor Kurzem noch den Kampf gegen den Klimawandel aufnehmen wollten. Fell wird nicht müde zu betonen, dass Iphofen noch von Glück reden könne: Nur sieben Prozent der städtischen Waldfläche besteht aus Nadelhölzern, mit dem dieses Land nach dem Zweiten Weltkrieg wiederaufgebaut wurde und das auch künftig als „Konstruktionsholz“ gebraucht werde.

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Andere Kommunen sind da deutlich schlechter dran. Sie können die Fichten schon länger nicht mehr gewinnbringend losschlagen, müssen sehen, dass sie überhaupt auf ihre Kosten kommen. Bei der Kiefer sieht es noch etwas besser aus. Aber auf den fünfstufigen Skalen, die der Förster den Stadträten an diesem Abend präsentiert und die so eine Art Zukunftsbarometer sind, steht auch sie im tiefroten Bereich, was für den Zeitraum bis 2100 nichts Gutes bedeutet: sehr hohes Anbaurisiko! Günstiger schneiden in dieser Chancen-Risiko-Analyse Baumarten wie die Stieleiche, Hainbuche oder Elsbeere ab. Für sie leuchtet der Index grün. Grün wie die Farbe der Natur. Grün wie die Hoffnung.

Mit der Elsbeere sind wahre Wunderpreise zu erzielen

Eine abgestorbene Eiche streckt im Iphöfer Stadtwald ihr kahles Gerippe gen Himmel. Förster Rainer Fell will nicht jedem einzelnen  Baum nachtrauern.
Foto: Eike Lenz | Eine abgestorbene Eiche streckt im Iphöfer Stadtwald ihr kahles Gerippe gen Himmel. Förster Rainer Fell will nicht jedem einzelnen Baum nachtrauern.

Die Elsbeere, früher als Brennholz beliebt, erlebte ihre Renaissance in den 1990er-Jahren – mit der Diskussion um die Nutzung der Tropenhölzer. „Man schaute, was es als Alternative im eigenen Wald gab“, erinnert sich Fell. Und siehe da: Die Elsbeere erzielte wahre Wunderpreise. Bis zu 5000 Euro wurden auch in Iphofen für einzelne Stämme bezahlt, so viel wie für keine andere Holzart. Für den Förster ist dies Beweis und Ansporn, dass es sich lohnt, auch mit unkonventionellen Baumarten zu arbeiten. Wie dem Speierling. Wie der Hainbuche. „Der Markt macht daraus schon was“, sagt er. „Könnte ich zum Beispiel die Hainbuche in ausreichender Menge anbieten, ließe sich das gut zu Dielenparkett machen.“

Für den Neuaufbau des Waldes wird es nicht reichen, allein auf natürliche Verjüngung zu vertrauen. Fell und seine Leute werden Bereiche entkernen und Flächen zäunen müssen, um etwa der Eiche auf die Sprünge zu helfen. Sie gilt mit ihren jungen, saftigen Trieben als Delikatesse unter Rehen. Weite Teile der Abteilung Kugelspiel im Iphöfer Wald sind bereits umzäunt. Dort will der Förster auch noch Douglasien oder Esskastanien anzüchten, die sich gut mit der Eiche ergänzten.

Was er den Räten in dampfiger Luft als „Perspektiven für die Forstwirtschaft“ anpreist, ist eine Mischung aus Testament und Generationenvertrag, in jedem Fall erst sichtbar, wenn Fell längst aus dem Amt sein wird. Erst in einigen Jahrzehnten wird man wissen, ob die Ansätze des Jahres 2020 für den Iphöfer Stadtwald erfolgreich waren.

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