Iphofen

Wirbel vor der Wahl: Iphöfer Bürgerliste formiert sich

Zwei Monate vor der Wahl gibt es unerwartete Konkurrenz für die etablierten Iphöfer Parteien: Aus dem Widerstand vieler Landwirte geht eine Bewegung mit eigener Liste hervor.
Trügerische Idylle liegt über den Holzwiesen wie hier bei Nenzenheim. Um die wertvollen Ökoflächen ist ein Streit zwischen Landwirten und Stadt Iphofen entbrannt.
Foto: Guenther Fischer | Trügerische Idylle liegt über den Holzwiesen wie hier bei Nenzenheim. Um die wertvollen Ökoflächen ist ein Streit zwischen Landwirten und Stadt Iphofen entbrannt.

Sie redeten sich die Köpfe heiß: erst mit dem Bürgermeister, dann untereinander. Um Mitternacht war die Entscheidung dann gefallen: Sie werden zur Kommunalwahl am 15. März mit einer eigenen Liste und eigenen Kandidaten antreten: der Bürgerliste für Iphofen und Stadtteile. „Wir wollen, dass unsere Interessen vertreten werden“,  erklärt Stefan Eichinger, einer der Köpfe hinter der vornehmlich von Landwirten getragenen Bewegung. Vor einer Woche hatten sie sich im Dornheimer Schützenhaus versammelt, um ihrem Unmut Luft zu machen. Der Saal war voll, der Saal brodelte, und Iphofens Bürgermeister Josef Mend sah sich Vorwürfen bis hin zur „Enteignung“ ausgesetzt. Im Anschluss saßen Eichinger und seine Mitstreiter noch ein Weilchen beisammen. Sie waren sich einig, dass etwas geschehen müsse.

Die Landwirte wittern ein Instrument der Gängelung

Anfang Dezember hatte der Iphöfer Bauausschuss eine Satzung auf den Weg gebracht, die bei den ohnehin durch viele Verordnungen gestressten Landwirten weiteren Verdruss förderte. Die Stadt wollte sich auf diese Weise ein Vorkaufsrecht für die ökologisch wertvollen Holzwiesen sichern. Die Bauern, unterstützt von ihrem Verband, sahen darin ein Instrument der Gängelung. Bürgermeister Mend vermutet, dass es ihnen gar nicht so sehr um die Sache geht, sondern eher darum, weiter ihre Gülle auf den Wiesen ausbringen zu können, was die Landwirte entschieden zurückweisen. Sie wiederum werfen der Stadt vor, sie wolle die Satzung nur, um Baugebiete ausweisen zu können. Fakt ist: Solange keiner der Landwirte etwas von seinem Land verkauft, würde auch eine Vorkaufsrecht-Satzung nicht greifen.

Die Fronten sind verhärtet. Eichinger sieht sich und seine Kollegen gerade mal wieder als „Buhmänner“ dargestellt, die „gegen die Stadt schießen“. Dabei gehe es ihnen nicht um Konfrontation. „Wir wollen nicht querschießen, sondern ein Miteinander.“ Der Schritt, am 15. März mit einer eigenen Liste anzutreten, sei auch als Antwort darauf zu verstehen, dass einige Iphöfer Stadtteile auf den Listen von CSU, Freien Wählern und SPD nicht mehr ausreichend repräsentiert seien. Hellmitzheim etwa wird derzeit vom Zweiten Bürgermeister Ludwig Weigand, Hans Brummer (beide Freie Wähler) und Klaus Brehm (CSU) vertreten; Weigand und Brehm aber stellen sich nicht mehr zur Wahl. So bleibe quer durch alle Listen nur noch ein Bewerber, und das in einem Ort, der voriges Jahr beim landesweiten Wettbewerb als „Gold-Dorf“ ausgezeichnet worden sei. Für Eichinger ein Unding. „Da muss man rechtzeitig Leute nachziehen.“

Sechs Kandidaten stellen sich für die Bürgerliste auf

Hinzu komme, dass auch Rupert Maier (CSU) nicht mehr für den Stadtrat kandidiere, jener Mann, der sich bislang immer für die Bauern und deren Belange stark gemacht habe, wie Eichinger sagt. Nicht nur in Hellmitzheim hat die Bürgerliste einen Bewerber gefunden, der ins „grüne Konzept“ der Bewegung passe, sondern auch in Possenheim und Dornheim, wo Eichinger wohnt. Sechs Kandidaten sind es geworden, die an diesem Donnerstag (20 Uhr) auf einer kurzfristig anberaumten Versammlung im Dornheimer Schützenhaus nominiert werden sollen. „Einen eigenen Bürgermeisterkandidaten stellen wir übrigens nicht“, erklärt Eichinger, der an diesem Abend auf zahlreiche Unterstützer hofft.

Mend will nicht verhehlen, dass der eine oder andere Stadtteil mehr Bewerber vertragen könnte. Er warnt aber vor einer „Störung des Gleichgewichts“. Bislang sei es immer gelungen, unter den Stadtteilen eine „relative Ausgewogenheit“ zu schaffen. Was die Vorkaufsrecht-Satzung angeht, so ist der Bürgermeister durchaus zu Zugeständnissen bereit. Er könne sich vorstellen, die Flächen in den Stadtteilen gar nicht in die Satzung aufzunehmen, sondern nur die Holzwiesen in Iphofen. Der Stadtrat wird vermutlich in seiner Sitzung am 3. Februar erneut über das Thema abstimmen. „Ich habe kein Interesse daran, diese Sache mit aller Gewalt durchzusetzen“, sagt Mend im Angesicht der Proteste.

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