Gemünden

Aufgabe und Gesellschaft: Hohe Nachfrage nach Hundewelpen

Wer im Homeoffice arbeitet, hat plötzlich Zeit, um sich um einen Welpen zu kümmern. Problematisch ist jedoch, dass Schulungen für neue Hundebesitzer nicht stattfinden können.
Melanie Fuchs aus Sachsenheim züchtet Australian-Shepherd-Welpen und findet es unverschämt, dass manche Züchter jetzt besonders hohe Preise für Welpen verlangen.
Foto: Melanie Fuchs | Melanie Fuchs aus Sachsenheim züchtet Australian-Shepherd-Welpen und findet es unverschämt, dass manche Züchter jetzt besonders hohe Preise für Welpen verlangen.

Der Lockdown ist Bucky egal – er interessiert sich weder für Ausgangsbeschränkungen, noch für Ausgangssperren – und das ist auch gut so! Der acht Monate alte Welpe verlangt sein Recht auf einen Spaziergang wann er Lust darauf hat. Seine Besitzerin Elisa Irollo aus Mittelsinn gehört erst seit kurzem zu den rund elf Millionen Hundehaltern in Deutschland.

Wegen Corona arbeitet die 25-Jährige im Homeoffice und weiß jetzt schon, dass sich dies in Zukunft kaum ändern wird. Ihr Arbeitgeber hat Desk Sharing eingeführt,  hat die Schreibtischplätze in der Firma also dauerhaft reduziert, da fast alle Büroarbeiten auch von zu Hause aus erledigt werden können. Für Irollo, die als Kind mit Hunden aufgewachsen ist, sind dies ideale Voraussetzungen, sich den lang gehegten Wunsch nach einem eigenen Hund zu erfüllen. Bucky bekam sie von einem Züchter aus Main-Spessart.

Lange Wartelisten bei Hundezüchtern

Ein Blick auf die Neuanmeldungen für Hundesteuer im Landkreis bestätigt diese Tendenz, wobei sich zwar in Karlstadt keine Änderung abzeichnet, die Zahlen in Gemünden und Marktheidenfeld aber gestiegen sind; Spitzenreiter ist Lohr.

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Dementsprechend lang ist die Warteliste bei Züchtern, denn die Anfragen nach Welpen häufen sich, zumal der Import für Auslandshunde zeitweise gestoppt worden war. Jemand, dem die Gesundheit seines Rassehundes wichtig ist, sucht sich einen Züchter, der darauf Wert legt. "Da muss es nicht ein Hund aus der Nachbarschaft sein, in dem Fall fahren die neuen Besitzer auch quer durch Deutschland, um sich einen Welpen aus Main-Spessart abzuholen", erklärt ein Züchter von Golden Retrievern aus de m Landkreis. Seinen Namen will er nicht nennen, weil er falsche Hoffnungen wecken könnte. Er hat bereits Vorbestellungen für die nächsten zwei Jahre angenommen, alle weiteren Anfragen müsste er deshalb ablehnen. 

Trotz der gestiegenen Nachfrage weist er darauf hin, dass er weder fremde Zuchthunde zukauft, noch den Preis verdoppelt, wie anderenorts bereits üblich, wo bereits bis zu 5000 Euro für einen Welpen verlangt werden.

Kosten für Züchter sind gestiegen

Melanie Fuchs, die in Sachsenheim seit mehr als 10 Jahren die Rasse Australian Shepherd züchtet, schließt sich dieser Einstellung an und nennt solches Verhalten unverschämt. "Ich habe meine Preise so belassen, wie in den Jahren zuvor, obwohl sogar die Kosten für Untersuchungen und Gutachten um die Hälfte oder gar bis auf das Doppelte gestiegen sind."

Elisabeth Krampert, Trainerin im Schäferhundeverein Bad Kissingen, spricht von auffallend vielen Hunden, die neuerdings unterwegs sind und Monika Gutknecht vom Schäferhundeverein Gemünden sieht einen Zusammenhang mit Homeoffice und Kurzarbeit. "Gerade am Anfang, wenn ein Welpe mehr Zuwendung braucht, hat man die nötige Zeit. Aber Welpenschule und Sozialisierung sind nicht möglich, was zu massiven Problemen führen kann, insbesondere bei Spaziergängen, wenn sich zwei unsichere Hunde begegnen. Unsere Erziehungskurse für Familienhunde waren im Frühjahr 2020 ausgebucht, konnten jedoch erst im Herbst stattfinden, weshalb die Herbstkurse ausfallen mussten. In diesem Jahr durften noch gar keine Kurse beginnen."

Gutknecht befürwortet zwar, wenigstens Anleitungen aus Internetvideos zu befolgen, weist aber darauf hin, dass es in erster Linie darum geht, den Halter zu schulen. Allen Hunden, die neu angeschafft wurden, wünscht sie einen dauerhaften Platz in ihren Familien, wenn die Menschen erkennen, dass sie nie mehr ohne Hund sein wollen und "Dank Corona" zu dieser Lebensform gefunden haben.

Wissen über richtiges Futter fehlt neuen Haltern 

Züchterin Melanie Fuchs behandelt in ihrer Halterschulung die Themen Bewegung und Ernährung und lehrt vor allem stressfreie Erziehung. Ernährung sollte artgerecht sein, doch bei vielen Besitzern fehle es an Wissen, dass zum Beispiel Trockenfutter zu Juckreiz wegen Futtermilben und zu Allergien führen kann.

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Properdog, Hersteller von unbehandeltem Hundefutter in Frammersbach, spürt ebenfalls eine Zunahme bei Welpen, allerdings nur im einstelligen Prozentbereich. Monika Goßmann, eine der beiden Inhaberinnen, selbst auch im Tierschutz für die Schnauzernothilfe tätig, bestätigt die umsichtige Arbeit von Tierschutzorganisationen bei der Vermittlung von Hunden. "Grundsätzlich ist es toll, dass Menschen sich auf die sozialen Leistungen der Tiere besinnen, wenn das Leben schwer wird. Dürfen die Vierbeiner dann auch am Ende der Pandemie bleiben und werden geliebt, ist alles bestens. Läuft es anders, ist das natürlich eine Katastrophe für den Hund."

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