Thüngen

Augasse: Es fehlt fester Untergrund

Die Thüngener Augasse ist in einem schlechten Zustand. Eine Komplettsanierung würde allerdings rund 700 000 Euro kosten. Aufgrund der Gesetzeslage könnten die Anwohner nicht an den Kosten beteiligt werden.
Foto: Günter Roth | Die Thüngener Augasse ist in einem schlechten Zustand. Eine Komplettsanierung würde allerdings rund 700 000 Euro kosten. Aufgrund der Gesetzeslage könnten die Anwohner nicht an den Kosten beteiligt werden.

Das Wahlgeschenk der Freien Wähler, die Straßenausbaubeiträge abzuschaffen, sind nun auch in Thüngen angekommen. Aber es hilft weder den betroffenen Anliegern noch der Gesamtgemeinde. Notwendige Verbesserungen sind einfach nicht zu stemmen, wenn sich die Anlieger nicht beteiligen müssen.  

Knackpunkt in Thüngen ist die Augasse von der Firma Birnbaum bis zum Dorfende. Schon im Dezember 2019 nahm der Bauausschuss der Marktgemeinde die dortigen Fahrbahnverhältnisse in Augenschein. Die Fahrbahn ist in äußerst schlechtem Zustand, schließlich wurde die Straße vor Jahrzehnten ungeordnet und nicht fachgerecht - teilweise in Eigenregie der Anwohner - erschlossen und weitgehend nur auf der Südseite einseitig bebaut. Es fehlt ein fester Untergrund als Voraussetzung für einen tragfähigen dauerhaften Belag und bislang war auch nichts über den Zustand der Versorgungsleitungen bekannt.

Wasserleitung stammt von 1906

Mittlerweile konnten in der vergangenen  Gemeinderatssitzung die beiden Fachleute Christian Dehmer und Wolfgang Brand (Verwaltungsgemeinschaft Zellingen) einige technische und finanzielle Details bekannt geben. Der Fahrbahnbelag ist nicht nur schadhaft, sondern auch uneinheitlich, besonders prekär ist die Entwässerung, das Niederschlagswasser läuft zum großen Teil ins nördliche Bankett, weil zu wenig Kanaleinläufe da sind. Die Wasserleitung stammt aus dem Jahr 1906 und ist unbedingt erneuerungsbedürftig. Kritisiert wurde von Anwohnern auch, dass viele die an sich schmale Straße zusätzlich zuparkten, obwohl auf dem Grundstück genug Platz wäre.

Der vorhandene Kanal könnte im Inlinerverfahren saniert werden. Die Anpassung der Zufahrten wird wegen unterschiedlicher Höhen schwierig. Ein DIN-gerechter Vollausbau würde rund 700 000 Euro kosten, ein eher provisorischer Teilausbau mit Erneuerung der Wasserleitung und einer Deckschicht für die Fahrbahn kommt auf 100 000 Euro. Das wäre dann aber nur eine Notlösung, weil über den Aufbau des Untergrunds nach wie vor nichts bekannt ist.

Auf Anfrage von Sebastian Heidenfelder nach den rechtlichen Möglichkeiten der Kostenbeteiligung für die Anlieger winkten die beiden Fachleute und Martin Eisenbacher von der technischen Bauverwaltung der Verwaltungsgemeinschaft ab. Seit der letzten Landtagswahl sind bekanntlich diese Selbstbeteiligungen abgeschafft und die Übergangsfrist läuft zum 21. März diesen Jahres ab.

"Vergiftetes Wahlgeschenk Aiwangers"

Angesichts dieser Kostenprognose musste der Chef der Freien Wähler im Gremium und Zweiter Bürgermeister Wolfgang Heß "schlucken", schließlich war genau diese Situation der Forderung seiner Partei im letzten Jahr zuzuschreiben. Für Bernd Müller von der SPD war dies ein willkommener und doch bitterer Anlass zur Kritik: "Das ist ein vergiftetes Geschenk von Hubert Aiwanger", schimpfte er. Es könne doch nicht sein, dass ein paar wenige Anwohner auf Kosten der Gemeinschaft derart profitierten. Letztendlich zahle doch der "Kleine Mann" dafür und der Schwarze Peter bleibe bei der Marktgemeinde. Dazu kam kein Widerspruch von Seiten der Freien Wähler.

Nichtsdestotrotz beschloss der Gemeinderat, zunächst ein Bodengutachten in Auftrag zu geben, um Klarheit über den Untergrund und möglicher Bodenbelastungen zu erhalten. Außerdem soll geklärt werden, ob öffentliche Zuwendungen seitens des Landes zu bekommen seien.

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