Lohr

Aus Alt mach Alt: Sanierung der Lohrer Fischergasse fertig

Ein Blick in die Fischergasse nach der Sanierung. Der 'Rollatorweg' läuft im großen Bogen am Fischerbrunnen vorbei.
Foto: Johannes Ungemach | Ein Blick in die Fischergasse nach der Sanierung. Der "Rollatorweg" läuft im großen Bogen am Fischerbrunnen vorbei.

Es war im wahrsten Wortsinn ein schwieriges Pflaster: Die Sanierung der Lohrer Muschel- und Fischergasse bescherte in den vergangenen beiden Jahren nicht nur viel Arbeit vor Ort, sondern auch so manche Aufregung bei Anwohnern und im Rathaus. Doch jetzt ist das Großprojekt abgeschlossen.

Wie angekündigt wurde die Baustelle noch vor dem Jahreswechsel fertig. Fast könnte man sagen, dass die beiden markanten Gassen im historischen Fischerviertel nun wieder im neuen alten Glanz erstrahlen. Doch ganz der alte Glanz ist es natürlich nicht mehr. Denn die Kunst bei der Sanierung der beiden Gassen lag auch darin, deren auch aus dem holprigen Kopfsteinpflaster resultierenden Charme möglichst zu erhalten. Also kein "Aus Alt mach Neu", sondern eher ein "Aus Alt mach Alt". Gleichzeitig sollte aber doch eine Verbesserung im Sinne der Barrierefreiheit gelingen. Dieser Spagat, so jedenfalls der Eindruck bei einem Rundgang, ist gelungen.

Rustikales Ambiente erhalten

Der von den Bauarbeitern in mühevoller Kleinarbeit in den beiden Gassen größtenteils aus dem vorhandenen Kopfsteinpflaster neu zusammengefügte Belag ist längst nicht mehr so holprig wie zuvor. Dennoch ist der rustikale Eindruck erhalten geblieben.

Für alle, denen das Pflaster der Fischergasse zu holprig ist, gibt es einen Komfortweg, der mit 1,5 Metern deutlich breiter ist als der vorherige, eher provisorisch in die Gasse asphaltierte. Der "Rollatorweg" verläuft jetzt, mal geschwungen, mal in zackigen Knicks, auf der anderen Seite der Gasse. Er besitzt sogar einige Ausweichstellen für "Begegnungsverkehr".

Die Generalsanierung der Fischergasse und Muschelgasse in Lohr ist abgeschlossen.
Foto: Johannes Ungemach | Die Generalsanierung der Fischergasse und Muschelgasse in Lohr ist abgeschlossen.

Über die Notwendigkeit und die Breite des Komfortweges hatte es während der Bauzeit reichlich Diskussionen gegeben. Die Anwohner wollten möglichst viel vom historischen Pflaster erhalten. Der Stadtrat jedoch hatte ursprünglich gar beschlossen, das gesamte historische Pflaster der Fischergasse durch neues Betonpflaster zu ersetzen. Später schwenkte die Planung auf eine Komfortwegbreite von 3,5 Metern um.

Turbulente Bauzeit

Die Anwohner fürchteten, dass daraus eine "Rennstrecke" für Auto- und Radfahrer werden könnte. Es ging hin und her. Bei einem Ortstermin machten die Anwohner ihrem Unmut ebenso Luft wie bei einer "Gelbwestendemonstration", die zum Rathaus führte. Am Ende beschloss der Stadtrat eine Komfortwegbreite von 1,5 Metern.

Allerdings musste nun Pflaster zugekauft werden, weil das alte aufgrund des Schwundes durch Bruch beim Ausbau nicht mehr ausreichte. Gut 420 Quadratmeter habe man zukaufen müssen, erklärte die Stadt vor einigen Wochen. Dies war längst nicht der einzige Kostentreiber. Denn nicht nur um das Pflaster gab es im Verlauf der Baustelle Aufregung, sondern auch um die Finanzen.

Schwierige Baustelle: Weil viele der Häuser entlang der Muschelgasse ohne Fundament sind, mussten sie in Handarbeit mit Fundamenten unterfangen werden.
Foto: Johannes Ungemach | Schwierige Baustelle: Weil viele der Häuser entlang der Muschelgasse ohne Fundament sind, mussten sie in Handarbeit mit Fundamenten unterfangen werden.

Noch ist der finale Bilanzstrich nicht gezogen. Doch es zeichnet sich ab, dass die Sanierung deutlich teurer wurde als die ursprünglich geplanten 1,5 Millionen Euro. Allein für das aufwendige Unterfangen der Häuser in der Muschelgasse fielen Mehrkosten von über 200 000 Euro an. Auch bei der Kampfmittelerkundung und der archäologischen Begleitung der Baustelle lagen die tatsächlichen Kosten deutlich über den zunächst veranschlagten. Kampfmittel wurden während der Bauarbeiten keine im Untergrund gefunden, jedoch ein rund 7000 Jahre alter Schuhleistenkeil, ein Bestandteil eines Steinbeils aus grauer Vorzeit.

Während der Keil ausgegraben wurde, wurde reichlich Material eingegraben: je rund 300 Meter Kanal- und Wasserleitung, 75 Hausanschlüsse, Leerrohre. Rund 1800 Kubikmeter Aushub wurden dafür bewegt. Nun jedoch sind alle Gräben wieder verfüllt.

Merglers Vorahnung

Darüber ist Otto Mergler sicher erleichtert. Der Leiter der Stadtwerke hatte lange vor Beginn der Arbeiten darauf hingewiesen, dass sich die Stadt aufgrund der kniffligen Rahmenbedingungen lange davor gedrückt habe, die vor allem wegen maroder Kanäle überfällige Sanierung der beiden historischen Gassen in Angriff zu nehmen. Es war eine Vorahnung. Denn tatsächlich entpuppte sich die Baustelle als anspruchsvoll. Technisch sei sie "sicherlich nicht die Komplizierteste" gewesen, so Mergler. Es seien die beengten Verhältnisse und die "Öffentlichkeitswirksamkeit" gewesen, die die Sache knifflig gemacht hätten. Trotz aller Widrigkeiten habe man die Baustelle am Ende "vergleichsweise sehr gut abwickeln" können, ist Mergler zufrieden.

Und auch von den zwischendurch gar nicht gut auf die Stadt zu sprechenden Anwohnern gibt es recht versöhnliche Töne. Gottfried Walter, einer ihrer Sprecher, bezeichnet das Sanierungsergebnis als "nicht optimal, aber zufriedenstellend". Wenn der Split erst mal in den Pflasterfugen verschwunden sei, dann sei "es so, wie man es haben wollte", ein Kompromiss eben.

An manchen Stellen müsse noch nachgebessert werden, weil sich bei Regen Pfützen bildeten, sagt Walter. Manche Anwohner störten sich auch daran, dass der Komfortweg so nah an den Häusern verlaufe. Die größte Sorge sei jedoch, dass sich der Komfortweg "zur Rennstrecke für Radfahrer entwickelt". Das müsse man beobachten. Generell wünschten sich die Fischergässler überdies, dass nur Anwohner mit ihren Autos in die Gasse fahren dürfen, schildert Walter. Jetzt herrsche jedoch erst mal Erleichterung darüber, dass die lange Bauzeit ein Ende habe. Laut Walter wollten die Anwohner dies eigentlich mit einem Fest feiern. Man werde es vermutlich nachholen, sobald es die Corona-Lage erlaube – "vielleicht sogar zusammen mit den Stadträten", sagt Walter.

Die Generalsanierung der Fischergasse und Muschelgasse in Lohr sind abgeschlossen. Die maroden Leitungen im Untergrund waren ein Hauptgrund für die Sanierung.
Foto: Johannes Ungemach | Die Generalsanierung der Fischergasse und Muschelgasse in Lohr sind abgeschlossen. Die maroden Leitungen im Untergrund waren ein Hauptgrund für die Sanierung.

Welche Straßen werden als nächste saniert?

Nach der Sanierung ist vor der Sanierung. Dieses Motto gilt zwar auch für die Lohrer Straßenzüge. Jedoch schiebt Stadt seit einigen Jahren anstehende Sanierungsarbeiten lieber etwas auf, was an den knappen Finanzen liegt. Doch auf Dauer wird dieses Prinzip kaum funktionieren. Stadtwerke-Chef Otto Mergler spricht davon, dass es aktuell mit Blick auf die unter den Fahrbahnen verlegten Abwasserkanäle und Trinkwasserleitungen mehr als zwei Dutzend Straßen gibt, "die angegangen werden müssen". Es werde bei den bevorstehenden Haushaltsberatungen zu diskutieren sein, welche Straßenzüge man sanieren wolle und könne. Die nächste größere Sanierungsmaßnahme wird laut Mergler der zweite Bauabschnitt in der Rechtenbacher Straße zwischen OMV-Tankstelle und Aldi-Markt. In diesem Abschnitt sei der Kanal "hydraulisch überlastet". Er müsse dringend ausgetauscht werden, bevor die Gemeinde Rechtenbach an die Lohrer Kläranlage angeschlossen werden könne. Im Bereich der Lohrer Altstadt sind laut Mergler vorerst keine größeren Straßensanierungen mehr geplant. Lediglich in der Gärtnerstraße stehe noch ein Kanalaustausch an.
(joun)
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