Lohr

BJV-Jäger wehren sich gegen Vorwürfe

Nach der Meinung von Hubert Helfrich (von links), Stephan Amend und Ingo Steigerwald vom Bayerischen Jagdverband sollte das Waldgesetz und nicht das Jagdgesetz verändert werden.
Foto: Frank Zagel | Nach der Meinung von Hubert Helfrich (von links), Stephan Amend und Ingo Steigerwald vom Bayerischen Jagdverband sollte das Waldgesetz und nicht das Jagdgesetz verändert werden.

Als "absurd und populistisch" wies Stephan Amend von der Lohrer Kreisgruppe des Bayerischen Jagdverbandes (BJV) die kürzlich erhobenen Äußerungen des unterfränkischen Vorsitzenden des Ökologischen Jagdverbandes (ÖJV), Jochen Raue, zurück. Dieser meinte zur anstehenden Novellierung des Bundesjagdgesetzes im Beisein von Bund Naturschutz-Vertretern und des städtischen Forstleiters Bernhard Rückert, Wild müsse zukünftig mehr bejagt werden.

Amend ist gemeinsam mit seinem Stellvertreter, Ingo Steigerwald, sowie dem Jagdberater Hubert Helfrich überzeugt davon, dem ÖJV sei nur daran gelegen, in eine bessere Machtposition zu gelangen. Der Verband habe als Ziel, ein anerkannter Vertreter der Jägerschaft zu werden, sagt Steigerwald, der auch Pächter der Jagd im Partensteiner Gemeindewald ist. Nur so könne er sich die in seinen Augen nicht haltbaren Aussagen erklären.

Im Distrikt Bauwald, einem Abschnitt im Partensteiner Gemeindewald, belegten die Jäger vor Ort, dass sich ein Wald auch ohne Mehrbejagung und ohne Eingriffe als Mischwald wieder gesund verjüngen könne. In diesem Abschnitt habe in den 90er Jahren ein Sturm etwa 15 Hektar Wald zerstört.

Zu viel Unruhe im Wald?

"Nicht das Wild, sondern der Mensch hat Schuld am entstanden Schaden des Waldes", äußert Amend in Bezug auf den Klimawandel. Daher sei eine Änderung des Waldgesetzes und nicht des Jagdgesetzes wichtig. "Das Wild kann doch nicht für die Fehler der Forstwirtschaft aus der Vergangenheit verantwortlich gemacht werden", ergänzt Helfrich. Wo am wenigsten bewirtschaftet würde, halte sich der Wald am besten, so der Jagdberater für Lohr und Marktheidenfeld. Helfrich hält ausreichende Wildäsungsflächen und Ruhezonen für effizienter, als die Abschusszahlen zu erhöhen. Zu Wildverbissen komme es nur, wenn Rotwild nicht mehr genügend Offenwaldstrukturen zur Nahrungsaufnahme finde, sagte er. Auch das vermehrte Freizeitaufkommen im Wald steigere Wildschäden.

Helfrich sagt über die Hobbyjäger, dass diese "anspruchsvoll und hervorragend ausgebildet" seien. Außerdem müssten auch sie sich nach dem Abschussplan richten. Dieser würde alle drei Jahre gemeinsam mit den Kommunen, Waldbesitzern und Jagdpächtern festgelegt, ergänzt Steigerwald.

Daher kann der Partensteiner die jetzige Forderung nach höheren Abschüssen nicht nachvollziehen. "Die Personen, die jetzt mehr schießen wollen, sitzen da doch auch mit am Tisch", so Steigerwald. Als einen wesentlichen Bestandteil der heimischen Natur sehen die Jäger die freilebende Tierwelt. Die moderne Jagd habe den Natur- und den Tierschutz im Blick. Höhere Abschusszahlen stünden für Amend, der auch Partensteiner Bürgermeister ist, ausschließlich als Indiz für wirtschaftliche Interessen.

Kritik an Aussagen

Die Sorge um den Wald als Ökosystem möchte er den ÖJV-Vertretern nicht abnehmen. Als Beweis legt der BJV-Kreisvorsitzende ein Gutachten vor, das am Beispiel der Hegegemeinschaft Lohr-Spessart veranschaulicht, dass trotz der Verdoppelung des Rehwildabschusses die Verbiss-Belastung seit 20 Jahren nahezu unverändert blieb. Dem Leiter der Lohrer Forstverwaltung, Bernhard Rückert, bescheinigt Amend keinen guten Stil, wenn er die Jägerschaft in die Guten des ÖJV und die Schlechten des BJV einsortiere. Dass sich der Bund Naturschutz vor den "ideologischen Karren" des ÖJV spannen lasse, betrachtet Amend als "bedauerlich".

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