Thüngen

Fisch-Nachwuchs für die Wern

Sie kümmern sich um die Wern und ihre Fische: die Hegefischereigenossenschaft. Warum die Angler jedes Jahr Tausende Forellen im Fluss aussetzen.
Weit über 10 000 Fische hat die Hegefischereigenossenschaft 'Wern und Nebengewässer' als Neubesatz in die Wern eingebracht. Im Bild der Vorsitzende Klaus Hoffmann und Peter Heid.
Foto: Günter Roth | Weit über 10 000 Fische hat die Hegefischereigenossenschaft "Wern und Nebengewässer" als Neubesatz in die Wern eingebracht. Im Bild der Vorsitzende Klaus Hoffmann und Peter Heid.

Mitte März trafen Radler auf dem Fahrradweg von Stetten nach Binsfeld entlang der Wern auf eine frische dunkle Wasserspur, die sich mit wenigen Unterbrechungen in Richtung Thüngen fortsetzte. Eine Ölspur war das sicher nicht und das Bewässern von Feldern oder Wiesen ist wohl zurzeit nicht zu vermuten. Am Bauhof in Thüngen gab es dann die Lösung: Fahrzeuge, beladen mit großen Tonnen, aus denen Wasser herausschwappte.

Es waren Helfer der "Hegefischereigenossenschaft Wern und Nebenflüsse". Sie waren allerdings nicht damit beschäftigt, die Beute aus ihren Angeltouren abzutransportieren, sie taten vielmehr genau das Gegenteil: im Rahmen des Artenhilfsprogramms setzten sie Bachforellen von Forellenbrut bis zu 26 Zentimeter Länge in den Fluss ein. "Das ist heute leider notwendig, weil der Fischbestand in der Wern seit Jahren zurückgegangen ist", sagt Klaus Hoffmann, der Chef der Hegefischer.

Rückstände von Medikamenten im Wasser

Ein Grund dafür die Belastung des Gewässers durch Einträge aus der Landwirtschaft und Kläranlagen. Besonders die Rückstände von Medikamenten wie Diclophenac und Hormonpräparaten wirken sich negativ auf die Fortpflanzungsfähigkeit der Fische aus, so Hoffmann. Problematisch sind auch die Sedimentfrachten der Wern, die sich am Boden ablagern und Algenbildung begünstigen. Dadurch fehlen häufig die Laichplätze, weil der Kies und das Geröll am Boden zugedeckt werden. Die Fischbrut kann sich so nicht gut verstecken. Sorgen machen auch die der Fischnährtiere und anderer Wasserorganismen und Gewässerverbauungen wie Mühlen und Turbinenanlagen, mit fehlenden Fischauf- und Fischabstiegsanlagen.

Mit ihren Aktionen zum Fischbesatz versucht die Hegefischereigenossenschaft dem entgegenzusteuern. Im Jahr 2019 wurden beispielsweise Fische im Gesamtwert von über 16 000 Euro eingebracht. Das waren über 14 000 Stück Bachforellen von Forellenbrut bis zu 26 Zentimeter Länge. Als Zusatzbesatz im Rahmen des Artenhilfsprogrammes wurden auch Nasen, Elritzen, Rutten, Schlammpeitzger und Aale eingesetzt. Trotzdem muss Klaus Hoffmann die Zahlen relativieren. "Obwohl sich der Neubesatz von 14 000 Fischen ungewöhnlich hoch anhört, bleibt oft leider nicht viel davon übrig", sagt er. Die Verluste sind sehr hoch – oftmals mehr als 50 Prozent.

Genossenschaft betreut 140 Kilometer Fluß und Bach

Die Genossenschaft ist in etwa vergleichbar mit den Jagdgenossenschaften, sagt Hoffmann. Sie bewirtschaftet die Wern mit einer Fließlänge von 75 Kilometern und Nebenbäche wie der Biegenbach (Geldersheim), Schwabbach (Arnstein), Krebsbach (Heugrumbach), Aschbach (Eußenheim), Kuhbach (Gössenheim) und drei weitere kleine Zuläufe. Insgesamt beläuft sich die Strecke auf rund 140 Kilometer.

Selbstverständlich gehört zur Hege auch die Fischerei. Einer, der sich in beiden Bereichen engagiert, ist Peter Heid aus Stetten. Mindestens einmal in der Woche kann man ihn bei Thüngen auf Höhe des Seliggrabens an der Wern beim Angeln antreffen, manchmal ist er allein, gelegentlich in Begleitung seines erwachsenen Sohnes. Er sucht wie die meisten Angler die Natur, die Ruhe und die Entspannung – natürlich auch den Reiz der Jagd.

Klaus Hoffmann untersucht die Sedimentlast des Wernbodens in Thüngen.
Foto: Günter Roth | Klaus Hoffmann untersucht die Sedimentlast des Wernbodens in Thüngen.

Mehr Hobby als finanzieller Vorteil

Wie die Jagd in Wald und Flur ist auch die am und im Wasser streng geregelt. Peter Heid musste eine Ausbildung mit einer strengen Prüfung zum Angelschein ablegen und regelmäßig die Fischereilizenz für seinen Streckenabschnitt erwerben. Die Fischrechte an der Wern sind nämlich strikt geregelt, meist noch aus alten Zeiten. Es gibt Abschnitte, die dem Staat gehören wie bei Wernfeld, andere Rechtebesitzer sind Kommunen wie Karlstadt, Eußenheim oder Arnstein, zuletzt gehört auch die Familie von Thüngen mit eigenen Abschnitten dazu. Die Besitzer von Fischrechten verpachten diese an die jeweiligen Angler.

Die Pächter sind auch gleichzeitig Mitglieder der Hegefischeigenossenschaft. Diese regelt die Länge der Strecken sowie die Anzahl der Nutzer und gibt auch die Angelkarten aus. Nach den geltenden Vorschriften darf mit Angeln, Netzen oder Reußen gejagt werden, allerdings sind nur zwei Handangeln gleichzeitig zugelassen.

Insgesamt gehören der Genossenschaft rund 150 Mitglieder an, Frauen sind als Anglerinnen nach wie vor sehr selten. Heid besitzt einen längeren Pachtvertrag und einen Jahresfischereischein. Finanzielle Vorteile gibt es beim Fischen kaum, wenn man die Ausrüstung und die oft recht hohe Pacht dagegen setzt. "Wenn ich mich ins Taxi setzte, nach Würzburg zum Schnellrestaurant "Nordsee" fahre und mir dort zwei Forellen kaufe, komme ich billiger bei weg", witzelt er. Trotzdem will er sein Hobby nicht missen

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