Gemünden

Funkwasserzähler erweisen sich nach dem Frost als Segen

Bürger sollten ihre Leitungen und Wasserzähler überprüfen, ob unkontrolliert Wasser abfließt, rät der Gemündener Stadtwerkeleiter. Die Strahlenbelastung sei sehr gering.
Ein Funkwasserzähler in Gemünden. In der Anzeige unten links ('l/h', Liter pro Stunde) kann man bei zugedrehten Wasserhähnen erkennen, ob unkontrolliert Wasser davonläuft.
Foto: KU Stadtwerke Gemünden | Ein Funkwasserzähler in Gemünden. In der Anzeige unten links ("l/h", Liter pro Stunde) kann man bei zugedrehten Wasserhähnen erkennen, ob unkontrolliert Wasser davonläuft.

In Gemünden gibt es immer noch ein paar Bürger, die sich weigern einen neuen Funkwasserzähler einbauen zu lassen – bei anderen ließ es der desolate Zustand der Leitungen im Haus bislang nicht zu. Dabei hat sich nach dem starken Nachtfrost Mitte Februar erneut gezeigt, dass die Zähler beim Aufspüren von Rohrbrüchen gute Dienste leisten können. Die Minustemperaturen ließen Wasserleitungen in unbeheizten Räumen oder im Garten bersten, was ohne die neuen Zähler viel schwieriger zu entdecken gewesen wäre.

Auf die althergebrachte Art werden Lecks mit einem Rohrbruchsuchgerät aufgespürt. Einige Brüche wurden im Februar damit aber nicht gefunden, erklärt Stadtwerkeleiter Roland Brönner. Mit Hilfe der neuen Funkwasserzähler waren sie hingegen schnell gefunden. Ein auffällig hoher Wasserverbrauch, etwa zu Zeiten, wo eigentlich kein Wasserverbrauch sein sollte, beispielsweise mitten in der Nacht, fällt im Leitsystem des Kommunalunternehmens Stadtwerke (KU) auf, sagt Brönner. Wenn sich dann die Frühschicht die aktuellen Verbrauchszahlen anschaut, kann nach Stadtteilen und großen Straßenzügen eingegrenzt werden, wo ein ungewöhnlicher Abfluss stattgefunden hat. Rund zehn Fälle gab es durch den Frost im Februar.

Laptop nimmt im Vorbeifahren Signale auf

Zum Aufspüren können nun gezielt betroffene Straßen mit einem Auto abgefahren werden, ein Laptop nimmt dabei die Funksignale der Wasserzähler auf. Normalerweise sendet ein Zähler aus Datenschutzgründen lediglich den aktuellen Zählerstand. Bei einer Leckage meldet er beim Durchfahren jedoch einen Alarm. Dann lasse sich der betroffene Zähler direkt ansteuern; er liefert zudem die Verbrauchswerte der Vergangenheit, erklärt KU-Wassermeister Ralf Zötzl.

So kann das KU erkennen, an welchen Grundstücken ein erhöhter Verbrauch anfällt und wo es womöglich einen Rohrbruch gibt. "Wir gehen dann auf die Eigentümer zu und weisen darauf hin", sagt KU-Leiter Brönner. Das KU frage: "Kann's an irgendwas liegen? Hast du eine plausible Erklärung dafür?" Oder gibt es womöglich eine Leckage? Brönner sieht das als Service für den Bürger, die beim frühzeitigen Aufspüren eines Rohrbruchs viel Geld sparen können.

Kirche und Keller unter Wasser nach dem Frost

Mindestens zwei große Wasserrohrbrüche durch den Frost im Februar sind Bürgern allerdings schon von allein aufgefallen. Bei einer alten Klospülung in einer Kirche hat der Frost eine Kappe abspringen lassen, wodurch innerhalb von zwei Tagen 55 Kubikmeter Wasser davongeflossen sind. In einem anderen Fall hat ein Rohrbruch einen Keller in einem leerstehenden Gebäude in der Gemündener Altstadt unter Wasser gesetzt.

"Für viel Geld", so Brönner, wurden in den vergangenen Jahren die alten mechanischen Flügelradzähler gegen die neuen digitalen Funkwasserzähler ausgetauscht. "98 Prozent sind ausgetauscht." Knapp 300 000 Euro sind für gut 3300 Zähler ausgegeben worden. Jetzt trügen sie Früchte. Neben ein paar Gemündenern, die sich weigern die neuen Zähler einbauen zu lassen, ließen sich manche laut Heiko Betz, der die Abrechnung macht, aufgrund technischer Mängel noch nicht austauschen. Mit "knapp 50" gibt Betz die Gesamtzahl der noch nicht ausgetauschten Zähler an.

Leitungen mitunter zu marode für neuen Zähler

Wassermeister Zötzl führt näher aus, was unter "technische Mängel" zu verstehen ist: "Manchmal ist es links und rechts schon so verrostet, dass du beim Anschauen Angst kriegst, dass es gleich das Tropfen oder Laufen anfängt." Der Wasserzähler halte mitunter das ganze System, das zum Teil noch fast aus dem Krieg stamme. Brönner: "Wenn du da mit der Zange ansetzt, musst du damit rechnen, dass irgendwas nachgibt."

"Die Zähler haben für uns deutliche Vorteile", erklärt der KU-Leiter. "Es muss keiner ins Haus." Sie sparen Personal, und die Ergebnisse seien deutlich schneller verfügbar und weniger fehleranfällig. Früher, als die Zahlen von jedem einzelnen Flügelradzähler notiert werden mussten, begann die Ablesekampagne mit mehreren Mitarbeitern Mitte Dezember und dauerte mehrere Wochen. Heute können innerhalb von zwei Tagen alle Zähler abgelesen werden.

Wachsendes Problem mit aufgefrorenen Gartenwasserleitungen

Bürgern, die sagen, "das kann nicht sein, so viel Wasser habe ich nicht verbraucht", könne laut Betz anhand der Daten des Funkwasserzählers jetzt mitunter klarer gezeigt werden, dass es sehr wohl sein könne. Etwa wenn anhand der Daten klar wird, dass sich in der Gartenwasserleitung ein Leck befindet, wo aber kein Wasser austritt, wenn diese im Winter abgedreht wird.

Oft dächten die Leute inzwischen gar nicht mehr daran, ihre Gartenwasserleitung überhaupt abzuschalten, "weil die Winter nicht mehr so streng sind", so Zötzl. Einen Frostschaden kann es aber schon bei minus 5 bis minus 10 Grad geben. Das Problem mit aufgefrorenen Gartenleitungen hat die letzten Jahre zugenommen, so seine Beobachtung. Er rät, Gartenwasserleitungen im Winter abzustellen und Außenwasserhähne leerlaufen zu lassen.

Angesichts von Bedenken zur Strahlenbelastung durch die neuen Zähler beruhigt KU-Chef Brönner: Die sei "sehr, sehr gering" und trete immer nur in Millisekunden auf. "Bei jedem Handy, bei jedem Radiowecker ist die Belastung größer." Von der Marktgemeinde Burgsinn, wo jetzt ebenfalls Funkwasserzähler eingebaut werden, hieß es im Sommer, dass der Wasserzähler erst nach knapp 18 Jahren die Funkbelastung eines 30-Minuten-Handytelefonats aufweise – zudem sei er in der Regel weiter vom Menschen entfernt als ein Handy.

Bürger sollten jetzt Leitungen und Wasserzähler kontrollieren

Brönner rät Bürgern in der nächsten Zeit ihre Leitungen und Wasserzähler vorsorglich anzuschauen und eventuell auf Fließgeräusche zu achten, da Frostschäden teils erst auffallen, wenn die Leitungen wieder auftauen oder wieder in Betrieb genommen werden. Das Problem trete alljährlich beim Gemündener Campingplatz auf. Wenn auf dem neuen Wasserzähler unten links ("l/h") der Stand nicht auf 0 Liter in der Stunde runtergeht, wenn alle Wasserhähne zu sind, fließt irgendwo unkontrolliert Wasser ab. Ralf Zötzl sagt, dass man so auch sehen könne, ob ein Spülkasten undicht ist. Zwei Liter in der Stunde fielen in der Toilette gar nicht auf. "Auf das Jahr gerechnet ist das enorm viel."

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Main-Spessart und erhalten Sie zweimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Themen & Autoren
Gemünden
Björn Kohlhepp
Alarme
Altstädte
Daten und Datentechnik
Digitaltechnik
Frostschäden
Stadtwerke
Technische Probleme
Wasserleitungen
Wasserverbrauch
Winter
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!