Marktheidenfeld

Grüne mit Frauenpower, aber ohne Bürgermeisterkandidatin

Kreisvorsitzender Gerhard Kraft sprach in seiner Euphorie gar von einem "Wunder": Marktheidenfeld hat wieder einen Grünen-Ortsverband und eine eigene Stadtratsliste.
In der Aufstellungsversammlung stellten sich die Kandidatinnen und Kandidaten der Stadtratsliste der Grünen vor. Die Wahlleitung hatte Kreisvorsitzender Gerhard Kraft (links).
Foto: Joachim Spies | In der Aufstellungsversammlung stellten sich die Kandidatinnen und Kandidaten der Stadtratsliste der Grünen vor. Die Wahlleitung hatte Kreisvorsitzender Gerhard Kraft (links).

Komplett neu durchstarten wollen die Grünen in Marktheidenfeld, nachdem es zwölf Jahre weder einen Ortsverband noch eine eigene Stadtratsliste gab. Beides ist seit Montagabend nun wieder Fakt, was Kreisvorsitzender Gerhard Kraft bei der Aufstellungsversammlung in Marktheidenfeld im Hotel Schöne Aussicht begeistert als "Wunder" bezeichnete. Noch nicht gereicht hat der Schwung trotz Frauenpower auf der Liste für eine Bürgermeisterkandidatin. Man habe "monatelang gerungen", so Ortsvorsitzender Dirk Hartwig, sich dann aber für ein "Nein" entschieden. 

Hartwig machte vor den über 30 Anwesenden auch gleich klar, dass die Grünen keinen der beiden bisher nominierten Bürgermeisterkandidaten explizit unterstützen werden. "Wir wollen Sachpolitik, grüne Politik machen", sagte er und da könne es sein, dass mal Thomas Stamm, mal Holger Seidel den eigenen Bestrebungen näher stünden. Zugehen werden die Grünen aber auf beide. 

Frauenquote von 62,5 Prozent und Altersdurchschnitt unter 48 Jahre

Auf der Stadtratsliste finden sich neben Mitgliedern auch Parteilose. Sie waren auch am Montag in der Überzahl, doch abstimmen über Liste, Vorgehen und Satzungsänderung durften lediglich die elf anwesenden Mitglieder. Sämtliche Beschlüsse fielen einstimmig. Bemerkenswert ist die Frauenquote von 62,5 Prozent oder in Zahlen 15 von 24. Nähme man die Ersatzmitglieder dazu, so läge sie noch höher. Weniger auffällig zu anderen Listen ist der Altersdurchschnitt von (zum 15. März 2020) knapp unter 48 Jahren. Eigens beschlossen wurde in der Satzung eine Abweichung  vom Frauenstatut, also der paritätischen Besetzung.  

Gemeinsam stellten Hartwig und die Mit-Vorsitzende Susanne Rinno die Eckpunkte des Wahlprogramms vor, das das einstimmige Votum der Mitglieder erhielt. Es steht unter dem Motto "ideenreich.nachhaltig.handeln!" und setzt Schwerpunkte bei der Stadtentwicklung, dem Verkehr und der Nachhaltigkeit. Ein Grundprinzip soll die frühzeitige Information der Öffentlichkeit über anstehende Projekte und die Einbeziehung der Bürger bei deren Ausgestaltung sein.

Verkehrsberuhigung in der Innenstadt

Beim Verkehr zeigen sich die deutlichsten Unterschiede zur bisherigen Stadtratsarbeit. "Raus mit dem Verkehr und nicht rein", lautet das von Rinno vorgestellte Verkehrskonzept, das auf ein ausgebautes Radwegenetz bis in die Stadtteile, auf die Stärkung des ÖPNV und die Verkehrsberuhigung im gesamten Innenstadtbereich setzt. Schrittgeschwindigkeit soll angesagt sein für jene, die noch zufahren dürfen, wie Anlieger, Zulieferer oder auf das Auto angewiesene Patienten. 

Klar positionieren sich die Grünen beim heißen und strittigen Thema Mainkai-Areal. Sie wollen die sogenannte Baustraße zurückbauen, den Mehrgenerationenspielplatz am ursprünglich beschlossenen Standort realisieren, einen Radweg am Main entlang und einen "für Anlieger zurückgebauten Mainparkplatz".

Das Schaffen von bezahlbarem Wohnraum, die Förderung des Dienstleistungssektors, die Stärkung des Schulangebots und die Teilhabe der Ankommenden und hier Lebenden am städtischen Leben sind Bausteine, die die Abwanderung der Jugend und der jungen Familien aus Marktheidenfeld  verhindern sollen.  

Im Bereich Nachhaltigkeit soll das bestehende Klimakonzept deutlicher in die Öffentlichkeit getragen und umgesetzt werden, ein Ausbau des Grünen Marktes wird ebenso angestrebt wie die Verringerung von Luft- und Lichtverschmutzung sowie von Lärmbelästigung. Eine eigene Stelle schaffen möchten die Grünen im Rathaus für einen Raum- und Umweltplaner, der Flächennutzung, Biodiversität und Vernetzung von Lebensräumen als zentrale Ziele der Stadtentwicklung in den Mittelpunkt rückt.

Die nächsten Termine: In einem Treffen am Dienstag, 10. Dezember, soll ein Wahlkampfteam gebildet werden. Am 8. Februar ist eine Veranstaltung der Grünen auf dem Marktplatz geplant.

Die Stadtratsliste der Grünen in Marktheidenfeld
Die Reihung auf der Liste sieht wie folgt aus: 1. Dirk Hartwig, 2. Susanne Rinno, 3. Carsten Pohl, 4. Andrea Dürr, 5. Ruth Haag, 6. Brigitte Barthel, 7. Xena Hospes, 8. Veit Böllner, 9. Eva-Maria Wiesmann, 10. Werner Simon, 11. Suzanne Freudenberger-Krause, 12. Sigrid Frankenberger, 13. Stefan Scherg, 14. Samina Zerrath, 15. Anja Hasenstein, 16. Marcel Nist, 17. Petra Götz, 18. Marit Pohl, 19. Johann Steinbauer, 20. Petra Rath, 21. Ulrike Münz, 22. Björn Melchior, 23. Martina Wiesmann und 24. Michael Kroschewski.
Ersatzdelegierte sind Christine Fischer, Rolf Wiesmann und Ingrid Hartwig, die im Bedarfsfall die Liste von hinten her auffüllen. 
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