Gemünden

Vieles ist unsicher: Jugendarbeit in Zeiten von Corona

Viele Jugendliche leiden unter der Corona-Pandemie, weil sie ihnen Kontakte untereinander und in der Schule erschwert. Die Jugendpflege macht Angebote, würde aber gerne viel mehr tun.
Das lockt die Scharen: das Spielmobil, hier auf einem Archivbild von 2019 in Himmelstadt – ob es auch heuer wird auf Touren  gehen können?
Foto: Marcus Hilpert | Das lockt die Scharen: das Spielmobil, hier auf einem Archivbild von 2019 in Himmelstadt – ob es auch heuer wird auf Touren  gehen können?

Zirkus-Camp, Spielmobil, Ferienfreizeit an der Ostsee, Zeltlager auf Gut Erlasee, Dance Camp in Arnstein und mehr Aktionen plant die Kreisjugendpflege Main-Spessart für dieses Jahr; auch wenn niemand vorhersagen kann, ob sie stattfinden dürfen. "Die Pandemie und die ständig schwankenden Infektionszahlen stellen uns vor große Herausforderungen", so Frauke Beck vom Landratsamt Main-Spessart. "Wir können erst sehr kurzfristig entscheiden, ob und unter welche Voraussetzungen die Angebote umgesetzt werden können."

Auch die Stadtjugendpflege Karlstadt möchte kleinere Maßnahmen umsetzen. Das Ferienprogramm wird erarbeitet und Kornelia Winkler von der Stadt Karlstadt hofft, dass Sport- und Freizeitaktivitäten stattfinden können.

"Wir planen, bereiten vor und wenn wir dürfen, machen wir unsere Schublade auf, holen die Projekte hervor und legen los!" Dies sagt Tanja Welzenbach, Leiterin des Jugendzentrum (JuZ) "MainHaus" in Marktheidenfeld. Sie plant ein Ferienprogramm und Aktionen für den offenen Jugendtreff – "wenn die Inzidenz wieder eine Arbeit mit mehreren Jugendlichen zulässt", so Welzenbach. "Wir sind gerüstet, haben ein Hygienekonzept und Masken, die wir sozial Schwächeren kostenlos zur Verfügung stellen und auch sonst genug finanzielle Mittel von der Stadt gestellt bekommen." Das Herzensprojekt dieses Jahr wird ein Zirkus in den Sommerferien sein. "Ich hoffe sehr, dass wir das machen können und freue mich schon riesig darauf."

Stunden für die Sozialarbeit in der Schule erhöht

Auch die Stadt Gemünden plant ein Sommerferienprogramm, so Belinda Köhler von der Stadt Gemünden. Außerdem werden die kommenden Monate genutzt um Räumlichkeiten für ein zukünftiges JuZ zu suchen; "denn der Bedarf hierfür wird gesehen", so Köhler. Ziel in der derzeitigen Jugendarbeit in Gemünden sei, Kinder und Jugendliche im schulischen und familiären Umfeld zu unterstützen; die Stunden der beiden Sozialarbeiterinnen in der Grund- und Mittelschule Gemünden wurden im Februar erhöht. "Wichtig ist uns, feste Ansprechpartner für die Kinder und deren Familien zu stellen, damit Hilfestellungen schnell und unbürokratisch gegeben werden können", gibt Köhler an.

Jennifer Ashley vom Jugendmigrationsdienst (JMD) des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes berät junge Menschen, die neu in Deutschland sind. 19,5 Wochenstunden ist sie hierfür normalerweise im Landkreis Main-Spessart unterwegs; derzeit laufe viel online oder via Telefon.

Ashley gibt Hilfestellung zu den Themen Schule, Beruf und Ausbildung, oder dem Umgang mit Behörden wie zum Beispiel dem Jobcenter. Ihre Hilfe ist gerade jetzt wichtig, denn viele junge Zuwandererinnen und Zuwanderer seien durch die Coronapandemie von Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit oder dem drohenden Ende der Ausbildung bedroht. "Einige finden jetzt schwieriger eine Ausbildungsstelle."

Unterstützung bei Behördenkontakten

Hinzu komme, so Ashley, dass der persönliche Zugang zu Ämtern und Behörden stark eingeschränkt sei. "Digitale und telefonische Zugangswege sind für viele Menschen mit Migrationshintergrund mit hohen Hürden verbunden", erklärt sie. Der JMD helfe dann bei der Kommunikation zwischen Klienten und Behörden.

Sie sieht Probleme vor allem bei besonders gefährdeten Kinder und Jugendlichen, die aus einkommensschwachen Familien kommen; und teilweise sehr beengt wohnen. Dass sie nicht mehr in Jugendzentren oder Schulen direkt beraten kann, mache es schwieriger, die Jugendlichen und jungen Erwachsenen persönlich zu erreichen.  

"Dadurch können wir uns auch weniger als sonst an Freizeitangeboten oder ähnlichem beteiligen. Wir vernetzen uns deshalb vermehrt mit Schulsozialarbeiterinnen und Behörden, um den Kontakt zu den Jugendlichen weiter gewährleisten zu können", sagt Ashley. Sie bedauert, dass Gruppenangebote – wie zum Beispiel das Bewerbungstraining – derzeit praktisch nicht möglich sind.

Die Kommunen im Landkreis bemühen sich, besonders gefährdeten Kindern und Jugendlichen nach wie vor ein Angebot machen zu können. In Marktheidenfeld könne jederzeit ein Termin im JuZ ausgemacht werden, so Welzenbach. "Wir haben genug Räumlichkeiten und unsere zwei Mitarbeiter können sich gezielt um Einzelne kümmern." Dazu gehöre auch mal Eins-zu-Eins-Billard oder -Kicker zu spielen. "Unsere Möglichkeiten sind zwar begrenzt, aber es findet sich immer etwas", so die Jugendpflegerin.

Seelische Belastungen der Kinder sind hoch

Sie lobt die Stadt Marktheidenfeld, die die Jugendpflegenden nicht in Kurzarbeit geschickt habe. Hier habe man erkannt, dass die seelische Belastung der Kinder und Jugendlichen sehr hoch sei. "Wir können uns in vollem Umfang um die Anliegen der Jugendlichen kümmern."

Kinder bei einer Aktion des Sommerferienprogramm der Stadt Gemünden 2020 - werden solche Veranstaltungen auch heuer möglich sein?
Foto: Jennifer Weidle | Kinder bei einer Aktion des Sommerferienprogramm der Stadt Gemünden 2020 - werden solche Veranstaltungen auch heuer möglich sein?

Auch die Stadt Karlstadt fördert die Jugendzentren weiterhin finanziell. Ebenso sei die kreiseigene Beratungsstelle für Eltern, Jugendliche und Kinder gerade in diesen schwierigen Zeiten immer Ansprechpartner für individuelle Probleme.

Stellen Alkohol und Komasaufen derzeit noch ein Problem dar? Tatsächlich würden weniger Kinder und Jugendliche mit Alkoholvergiftungen ins Krankenhaus eingeliefert, gibt Frauke Beck an. Es habe auch deutlich weniger Polizeimitteilungen in Bezug auf Verstöße gegen das Jugendschutzgesetz gegeben. "Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass der Alkoholkonsum unter den Jugendlichen rückläufig ist", so Beck. Der Konsum hat sich vielmehr vom öffentlichen in den privaten Bereich verlagert – und bleibt somit häufig unentdeckt.

Aktionen im Bereich Suchtprävention

Die Kreisjugendpflege hat deshalb Ende des letzten Jahres die Einzelhändler, Kioske und Tankstellen im Landkreis angeschrieben und hinsichtlich der Abgabe von Alkohol an Minderjährige sensibilisiert.  Beck gibt an: "Zudem haben wir die Polizeiinspektionen darum gebeten, uns über Jugendschutzverstöße zu informieren, damit wir den Betroffenen Beratungsangebote machen können."

Der Landkreis nimmt an einigen Aktionen zum Thema Suchtprävention teil: "Klar bleiben – Feiern ohne Alkohol" für weiterführende Schulen oder "bunt statt blau" mit Schirmherrin Landrätin Sabine Sitter. Parallel konzipiert die Kreisjugendpflege neue Präventionsprojekte zum Thema Alkohol, die dann ab dem neuen Schuljahr kostenlos an Schulen angeboten werden sollen.

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