Steinfeld

Im Wrack von U-Boot 714 auf dem Meeresgrund

Grablage unbekannt: Todesnachricht der Abwicklungsstelle von 1947 zu dem am 14. März 1945 im versenkten U Boot 714?gestorbenen Marinesoldaten Reinhold Kunkel 
| Grablage unbekannt: Todesnachricht der Abwicklungsstelle von 1947 zu dem am 14. März 1945 im versenkten U Boot 714?gestorbenen Marinesoldaten Reinhold Kunkel 

Vor 80 Jahren brach mit dem Angriff von Deutschland auf Polen der Zweite Weltkrieg aus, beim Volkstrauertag am Wochenende wird der Opfer gedacht. Einer von vielen Millionen Kriegstoten ist Reinhold Kunkel aus Wiesthal, der im U-Boot vor Schottlands Ostküste versenkt wurde. Auf das Schicksal seines Schwagers stieß der Steinfelder Otto Weidner kürzlich beim Sortieren des Nachlasses seiner verstorbenen Ehefrau.

Man schätzt die durch Kriegseinwirkung Getöteten auf 60 bis 65 Millionen. Bezieht man die Verbrechen und Kriegsfolgen mit ein, reichen die Schätzungen bis zu 80 Millionen. Hinter jedem Kriegstoten steckt ein Einzelschicksal. Wie das von Reinhold Kunkel aus Wiesthal, der als Marinesoldat nur 20 Jahre alt wurde. Sein "eiserner Sarg", das Wrack des U-Bootes 714 liegt heute noch in der Nordsee bei Schottland.

Post von Abwicklungsstelle

Otto Weidner stieß beim Sortieren auf militärische Unterlagen und Fotos seines Schwagers Reinhold. Darunter befindet sich eine Postkarte vom 1. Dezember 1947. Absender ist die "Abwicklungsstelle Deutsche Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht" aus Berlin. Der Empfänger der Karte ist Adalbert Kunkel, der Vater von Reinhold Kunkel.

Reinhold Kunkel starb als 20-jähriger Soldat.
Foto: Familien-Archiv: Otto Weidner | Reinhold Kunkel starb als 20-jähriger Soldat.

Als Todestag des seit zweieinhalb Jahren vermissten Obergefreiten sind der 14. März 1945 und als Todesort die Ostküste von Nord-England, Höhe von Berwick (nördlichste englische Stadt) angegeben. Das amtliche Schreiben endet mit dem Zusatz: "Weitere Nachrichten liegen hier nicht vor".

Gastwirtssohn aus Wiesthal

Reinhold Kunkel war Arbeiter und Sohn des Gastwirts Adalbert Kunkel aus Wiesthal. Reinhold Kunkel gehörte als Marinesoldat der Besatzung des U-Bootes U714 an. Er starb am 14. März 1945 im Alter von 20 Jahren, als die U714 vor der Ostküste Schottlands bei Berwick versenkt wurde und dabei keiner der 50 Besatzungsmitglieder überlebte.

Unsere Internet-Recherche ergab, dass die U714 am gleichen Tag den zu einem Konvoi gehörenden schwedischen Frachter Magne versenkt hatte. Von den 21 Männern an Bord des schwedischen Frachters überlebten elf.

Die Besatzung der südafrikanischen Fregatte "HMSAS Natal" ortete das deutsche U-Boot, als sie zur Hilfestellung an die Untergangsstelle lief und versenkte mit Wasserbomben das deutsche Kriegsschiff. Die Natal war erst wenige Tage zuvor in Dienst gestellt worden und ihre Besatzung zu diesem Angriff erstmals überhaupt aus dem Hafen ausgelaufen.

Das Wrack der U714 wurde erst im Herbst 2006 von einer Tauchergruppe entdeckt. Man hielt die GPS-Koordinaten geheim, um Plünderungen zu vermeiden. 2008 stellte die britische Regierung das U-Boot als "Protected Place" unter Schutz. Demnach ist Tauchen dort zwar erlaubt, jedoch verboten ist es, das Wrack zu betrachten, Souvenirs zu sammeln, das Schiff zu bergen oder in das Innere einzudringen. Videos von Tauchgängen finden sich dennoch auf Youtube.

Glaube an den "Endsieg"

Reinhold Kunkel habe, so Otto Weidner, bei seinem letzten Heimaturlaub noch fest an den "Endsieg" geglaubt und seinen Eltern versichert, er komme wieder nach Hause. Er gehörte damit zu der Generation, die im Dritten Reich für die nationalsozialistische Ideologie begeistert, verführt und betrogen wurde. Für Reinhold Kunkel endete das "Leben für den Führer" im eisernen Sarg auf dem Meeresgrund.

Schreckliche Bilanz des U-Boot-Kriegs
Im Zweiten Weltkrieg liefen 863 deutsche U-Boote zur Feindfahrt aus. Davon kehrten 630 nicht zurück. Von den 31 000 aktiven U-Boot-Fahrern sind 25 870 auf See gestorben. Deren namen kann man im Ehrenmal Möltenort bei Kiel nachlesen. An Bord der von deutschen U-Booten versenkten 2882 Handelsschiffe und 175 Kriegsschiffe starben über 30 000 Menschen. (lo)
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