Retzbach

Keine großen Gewinne im Gemeindewald

Knapp ein Drittel der 6412 Einwohner des Marktes Zellingen wohnen im Ortsteil Retzbach, 2098 waren es zum Stichtag 31. Dezember 2019. So gesehen war die Bürgerversammlung mit 60 Besuchern wie in Zellingen, das 3817 Einwohner hat, relativ besser besucht. Noch besser war die Quote aber in Duttenbrunn, dem kleinsten Ortsteil mit 497 Einwohner, dort besuchten über zehn Prozent die Bürgerversammlung.

Auch in Retzbach stellte Bürgermeister Stefan Wohlfart die wichtigsten Zahlen zum Gemeindehaushalt vor. 20 Millionen Euro Volumen, davon 8,3 Millionen Euro im Vermögenshaushalt (das ist der mit den Investitionen), eine frei Finanzspanne von rund einer Million Euro, und 100 Euro Pro-Kopf-Verschuldung.

Schwierigkeiten im Baugebiet Klinge

Keine Freude kommt derzeit im Gemeindewald trotz um 60 000 Euro auf 340 000 Euro gestiegener Einnahmen auf. Das liegt nämlich nur an höheren Zuschüssen, ohne die wäre der Wald schon ein Zuschussgeschäft. Der Forst setzt sich grob aus zwei Dritteln Laub- und einem Drittel Nadelholzbäumen zusammen. Letzteres macht allerdings fast die Hälfte des Erlöses aus und in den vergangenen Jahren wurde ein Drittel des Nadelholzvorrats aufgebraucht, es musste aufgrund von Käfer- und Sturmschäden günstig auf den Markt geworfen werden.

Das aktuelle Großprojekt in Retzbach ist der Neubau des Kindergartens für 5,6 Millionen Euro, im August 2021 soll er bezogen werden können. In Vorbereitung ist die Erweiterung des Gewerbegebietes um vier Hektar, es gibt bereits interessierte Firmen.

Schwierig gestaltet sich die Umsetzung des Baugebiets Klinge, wo derzeit nach viel Vorleistung in Sachen Natur- und Artenschutz (die sich die Gemeinde 200 000 Euro kosten ließ) nach Jahren die erste "Auslegungsrunde" mit der Beteiligung der Träger öffentlicher Belange läuft. Er habe einen Brief vom Bund Naturschutz bekommen, berichtete der Bürgermeister, wonach die Organisation diesem Baugebiet niemals zustimmen werde.

Offen seien auch immissionsrechtliche Fragen, möglicherweise müsse aufgrund eines Aussiedlerhofes eine Reihe Häuser entfallen. Dabei seien die künftigen Bauplätze gut nachgefragt. Weil es weit mehr Grundstückseinleger gibt als in Zellingen (beim Gebiet Kapelle) wird die Gemeinde aber nur über 18 bis 20 Bauplätze verfügen können. Für den Grundstückskauf sind 1,5 Millionen eingeplant, für die Erschließung zwei Millionen Euro, vor 2022 wird vermutlich niemand bauen können.

Zweckverband zur Verkehrsüberwachung

Weitere Retzbacher Projekte sind das neue Feuerwehrhaus, Bürgermeister Stefan Wohlfart hofft auf seine Umsetzung 2023 und 2024, sowie die alte Grundschule. Dort soll ein Mehrgenerationenprojekt entstehen, diese wurden von der Staatsregierung aber allesamt wegen Corona auf Eis gelegt.

In Retzbach bereits abgeschlossen ist die Kamerabefahrung der Ortskanäle. Erste Ergebnisse lassen nichts gutes erwarten, die Gemeinde werde die geplante Sanierung der Haupt- und Kolpingstraße durch den Landkreis zum Austausch des Kanals sowie der Wasserleitung nutzen, kündigte der Bürgermeister an. Die Kosten werden auf 700 000 Euro geschätzt und werden vermutlich auf die Gebühren umgelegt.

"Es wird auf Gehwegen geparkt und teils in zweiter Reihe, ich beobachte schon eine Verrohung der Sitten", führte Bürgermeister Wohlfart zum geplanten Einstieg in die Verkehrsüberwachung aus. Zellingen werde sich hier mit Zell zusammenschließen, wofür ein Zweckverband gegründet werden muss. Viele der dort beteiligten Gemeinden legten im Jahr 20 000 Euro drauf, wollten aber dennoch unbedingt an der Überwachung festhalten.

Noch keine Entscheidung zum Spielplatz getroffen

Zum Spielplatz im Gebiet "Sandleite-Stüblein" reichte eine Elterninitiative eine schriftliche Anfrage zur Bürgerversammlung ein. Sie gründete sich, nachdem der Gemeinderat Anfang September diskutiert hatte, ob dieser Spielplatz angesichts des künftigen Spielplatzes im Gebiet "Klinge" erhalten werden solle. Dahinter stehen rund 130 Kinder (80 davon sind unter sechs Jahre alt) und ihre Eltern.

Der Bürgermeister erklärte dazu, es gebe noch keine Entscheidung und in nächster Zeit werde auch keine Fallen. Auch die genauen Lage des geplanten Spielplatzes werde wichtig sein. Er habe festgestellt, dass in den vergangenen sechs Jahren 270 000 Euro Haushaltsmittel für alle Spielplätze nicht abgerufen wurden. Generell müsse er auch das wirtschaftliche Überleben der Gemeinde sichern und jeder Spielplatz koste rund 6000 Euro im Jahr.

Imponiert habe ihm der Vorschlag einer Mutter, dort einen kleinen Bike-Parcours anzulegen, inklusive einer Liste mit Fördermöglichkeiten. Generell sei er immer dabei, wenn Bürger ihre Ideen einbringen wollen.

Zu den Plänen des TV Zellingen, eine eigene Turnhalle zu bauen, sagte Stefan Wohlfart, das habe mit der Gemeinde erst einmal nichts zu tun. Allerdings sei die Nutzung der Friedrich-Günther-Halle als Sportstätte für die Vereine relativ günstig, alle zusammen zahlten 8500 Euro Miete im Jahr.

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