Karlstadt

Main-Spessarter verraten ihre Musik-Tipps für die Weihnachtstage

Zwischen den Jahren ist die perfekte Zeit, um Stress abzubauen. Wie geht das besser, als mit Musik? Uns haben bekannte Main-Spessarter verraten, welche Alben sie dazu hören.
Promis und Bürger aus Main-Spessart verraten, welche Musik sie zwischen den Jahren hören werden. 
Foto: Helmut Hickel | Promis und Bürger aus Main-Spessart verraten, welche Musik sie zwischen den Jahren hören werden. 

Zeit, um Musik zu hören, gab's in diesem Jahr vielleicht mehr als gewohnt. Einige Main-Spessarter Musikliebhaber empfehlen Alben, die es sich anzuhören lohnt – zwischen den Jahren, zum Jahresanfang oder sonst irgendwann.

Till Langhorst, DJ und Musiker aus Marktheidenfeld: "Bob Seger - Live Bullet"

Till Langhorst von der Marktheidenfelder Band  „The Great Lakes“.
Foto: Martin Harth | Till Langhorst von der Marktheidenfelder Band  „The Great Lakes“.

Dieses Album, aufgenommen im September 1975 in der Cobo Hall in Detroit, gehört zu einer bestimmten Art von Live-Platten: Nachdem man sie gehört hat, braucht man die Studioversionen der Songs eigentlich nie mehr hören. Was Bob Seger und seine Band da abziehen, ist Motorcity Rock vom Feinsten; schon der Einstieg mit Nutbush City Limits lässt keine Fragen offen und niemanden stillsitzen. Danach vereinigen sich Gefühl, Kraft und unbändige Spielfreude zum Doppelpack "Travelin' Man" und "Beautiful Loser". Etwas später kommt der vielleicht beste "On The Road"-Song überhaupt, "Turn The Page", und ab "Ramblin' Gamblin' Man" gibt es überhaupt kein Halten mehr und Bob seine Band und das Publikum drehen völlig auf und auch ab, so  beim von James Brown beeinflussten "Heavy Music" und beim puren Rock'n'Roll von "Katmandu" und "Get Out Of Denver". Zum krönenden Abschluss wird die Chuck-Berry-Nummer "Let It Rock" über acht Minuten lang zelebriert. Wer Rock'n'Roll will, ist hier so was von richtig! 

Christian Baier, Arzt und Grünen-Kreisrat aus Karlstadt: "Yusuf/Cat Stevens - Tea For The Tillerman II"

Christian Baier, Kreisrat und Musik-Fan.
Foto: Anja Baier | Christian Baier, Kreisrat und Musik-Fan.

Vor fast genau 50 Jahren veröffentlichte ein 22-jähriger Singer/Songwriter namens Cat Stevens mit „Tea for the Tillerman“ sein viertes Studioalbum. Die Lieder im melancholischen Folk-Rock erklangen im nachfolgenden Jahrzehnt in den WG-Zimmern mit der Sehnsucht nach einer besseren Welt. Am bekanntesten sicherlich „Father and Son“, der zeitlose Dialog zwischen Jung und Alt. 2020 veröffentlichte der 72-jährige – jetzt Yusuf genannt – „Tea for Tillerman ll“. Die gleichen Lieder, teils neu instrumentiert, teils neu interpretiert, was manchmal auch etwas fremd klingt. Aber Stimme und Magie entstehen neu und faszinieren wieder. Die Texte von damals sind heute aktueller denn je. Und wenn Yusuf dank moderner Tontechnik mit seinem früheren Selbst Cat Stevens das ewige Zwiegespräch zwischen Jung und Alt führt, ist es eine Begegnung in der Zeitschleife in einem perfektem Song. Für mich magisch...

Hilmar Ullrich, Pressesprecher der Raiffeisenbank Main-Spessart, aus Lohr: "Roger Cicero - Was immer auch kommt"

Hilmar Ullrich.
Foto: Yvonne Vogeltanz | Hilmar Ullrich.

Meine Empfehlung ist das letzte Swing-Album des leider viel zu früh verstorbenen Roger Cicero (1970-2016). Es trägt den Namen "Was immer auch kommt". Cicero hatte für mich ein ganz besonderes Gespür für coolen Swing  (ich mag besonders den BigBand-Swing) und Texte, die den Nerv vieler Menschen treffen. Er hat insgesamt fünf solcher Alben aufgenommen. Eine Empfehlung sind sie fast alle wert. Ich hab mich für "Was immer auch kommt" entschieden, weil es am Ende ein letztes Vermächtnis seines Schaffens ist. Roger Cicero ist einer der interessantesten und populärsten Jazz-und Swingmusiker unseres Landes. Im Bewusstsein, dass er so plötzlich aus dem Leben gerissen wurde und nicht mehr unter uns ist, bekommen so manche Texte eine besondere Bedeutung. Sie rufen bei mir manchmal auch ein bisschen Gänsehaut hervor.

Martha Bolkart-Mühlrath, Leiterin der Musikschule Arnstein, Zweite Bürgermeisterin von Karlstadt: "Gidon Kremer/Kremerata Baltica -  Eight Seasons"

Martha Bolkart-Mühlrath.
Foto: Günter Roth | Martha Bolkart-Mühlrath.

Meine CD-Empfehlung für die Weihachttage – und nicht nur für diese – ist „Eight seasons“ , gespielt von Gidon Kremer mit dem Kremerata Baltica Ensemble. Es ist eine spannende Gegenüberstellung der berühmten "Vier Jahreszeiten" von Antonio Vivaldi mit Tangos von Astor Piazzolla. Nach jeder Vivaldi-Jahreszeit folgt eine Komposition von Piazzolas "Vier Jahreszeiten". Auf diese Weise ergeben sich faszinierende Vergleichsmöglichkeiten zwischen einem Meisterwerk des Barock und temperamentvoller argentinischer Tangomusik. Beide Komponisten wechseln zwischen schnellen und langsamen Passagen ab, verwenden ähnliche Instrumentation, wobei Piazzolla immer wieder kurze Passagen aus Vivaldis Jahreszeiten einbaut. Es ist Musik, die einerseits zum Genießen einlädt, andererseits aber immer wieder Hörgewohnheiten aufbricht in einer Begegnung zweier musikalischer Welten.

Thomas Funck, Manager der Lohrer Stadthalle: "Death Alley – Black Magick Boogieland"

Thomas Funck, Manager der Lohrer Stadthalle
Foto: Skyscreamarts | Thomas Funck, Manager der Lohrer Stadthalle

Das Album "Black Magick Boogieland" der mittlerweile aufgelösten niederländischen Band Death Alley höre ich zur Zeit wieder öfters. Persönlich verbindet mich immer noch eine Freundschaft zu den Musikern, die ich erstmals 2014 in Würzburg und später im Jahr 2018 im Rahmen des ersten Umsonst-und-Drinnen-Festivals in der Stadthalle Lohr veranstaltet habe. Aus der Band Death Alley gründete sich nach Ausscheiden des Bassisten Dennis die Psychedelic-Band Temple Fang die dann beim zweiten Umsonst-und-Drinnen Festival sehr gut beim Publikum ankam. Die Zusammenhänge zeigen ganz schön, wie man sich in der Musikszene untereinander vernetzt, austauscht, kennt und vertraut und so auf unkomplizierte Weise Shows bucht.

Janik Havla, Student und Stadtrat aus Karlstadt: "David Bowie - ? (Blackstar)"

Janik Havla
Foto: Havla | Janik Havla

Seit einigen Jahren schafft es das letzte und unkonventionellste Album Bowies immer wieder auf meinen Plattenteller. Obwohl dieses Album das abrupte Ende der Pop-Ikone markiert, ist es sicherlich das nachdenklichste Werk des sonst so extrovertierten Starman. Das gesamte Album hätte textlich auch den Tiefen der Metalszene entspringen können; Bowie weiß, sein bevorstehender Tod wird unheimlich und düster. Und gerade diese dunklen, pessimistischen Klänge schaffen es, jede Menge Emotion und eine befreiende Schönheit zu transportieren. Ein richtiger Trostspender, auch in der aktuellen, schwierigen Zeit. Auf der B-Seite des Albums zeigt sich zunehmend, wer sich hinter diesem Meisterwerk verbirgt. Ich möchte jedoch nicht alles verraten, halte es deshalb mit dem letzten Song des Albums und sage: "I Can’t Give Everything Away".

Hinweis der Redaktion: Falls Sie sich wundern, dass in diesem Artikel mehr Männer als Frauen vertreten sind - das tun wir auch. Wir haben im Vorfeld gleich viele Frauen wie Männer um einen Beitrag gebeten mit der Erwartung, dass wahrscheinlich der ein oder andere wird absagen müssen. Überraschenderweise haben alle Männer zugesagt und fast alle Frauen abgesagt. 

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