Marktheidenfeld

Marktheidenfeld: Ortsteile müssen weiter auf schnelles Internet warten

Zwei Jahre solle man noch mit dem Ausbau warten, empfiehlt Breitbandexperte Joachim Först. Ansonsten werde es teuer. Die Schulden der Stadt steigen derweil auf 19 Millionen Euro.
Speed-Tacho: Viele Test-Angebote visualisieren die Messung der Internet-Geschwindigkeit auf diese Art und Weise.
Foto: Andrea Warnecke | Speed-Tacho: Viele Test-Angebote visualisieren die Messung der Internet-Geschwindigkeit auf diese Art und Weise.

Die Marktheidenfelder Kernstadt ist mit schnellem Internet gut versorgt. Ein Großteil der Einwohner und Unternehmen, Ausnahme ist das Gebiet um den nördlichen Teil des Nordrings, hat 500 Mbit/s (Megabit pro Sekunde) Downloadgeschwindigkeit zur Verfügung. Zur Veranschaulichung: Ein ganzer Film könnte so in zehn bis zwanzig Sekunden heruntergeladen werden. 

Anders sieht es da in den Ortsteilen aus. Altfeld, Michelrieth, Glasofen, Marienbrunn haben höchstens 200 Mbit/s, ein Teil von Oberwittbach sogar nur maximal 100 MBit/s zur Verfügung. Das sind die Geschwindigkeiten, die mit dem klassischen Kupferkabel höchstens möglich sind. Klar ist jedoch: Der Anspruch an die Qualität der Internetverbindung wird immer höher. Homeschooling, Homeoffice, Streaming und die Digitalisierung der Wirtschaft machen immer belastbarere und schnellere Internetanschlüsse notwendig. Die Zukunft ist Glasfaser. 

Der Würzburger Breitbandexperte Joachim Först sollte mit einem Markterkundungsverfahren deshalb herausfinden: Wo sind die Schwächen im Marktheidenfelder Netz? Wie steht es mit Fördermitteln? Wie soll die Stadt mit dem Ausbau weiter vorangehen, damit auch die Ortsteile so gut wie die Kernstadt versorgt werden? Das Beispiel Marktheidenfeld zeigt im größeren Kontext auch, warum die Digitalisierung in Bayern so schleppend verläuft. 

Wie Staatsregierung und Anbieter den Glasfaserausbau verzögern

Först stellte das Ergebnis davon am Donnerstag im Stadtrat vor. Die Stadt solle, riet er, bis zum Jahr 2023 mit dem weiteren Glasfaserausbau warten. Dann nämlich trete das Förderprogramm des Bundes in Kraft und alle Gebäude, die nicht 1000 Mbit/s schnelles Internet hätten, seien förderbar. Aktuell gebe es nur die Bayerische Gigabit-Richtlinie. Mit der könne nur der Glasfaserausbau bei Gebäuden mit einem Anschluss unter 100 Mbit/s oder bei Gewerbeobjekten unter 200 Mbit/s gefördert werden. Von denen gebe es jedoch nicht so viele, 123 um genau zu sein. In zwei Jahren wären, Stand heute, 608 Gebäude förderfähig. 

Wenn man jetzt sofort unter der Gigabit-Richtlinie starten würde, entstünden dadurch zwei Probleme. Würde die Stadt schon jetzt die in Frage kommenden Objekte angehen, gäbe es zwar für die eine Förderung. Anwohner jedoch, die schon jetzt höhere Geschwindigkeiten, aber keinen Glasfaser-Anschluss haben, müssten für den Anschluss dann selbst zahlen. Einen vierstelligen Betrag teilweise, erklärte Först, und das, obwohl die Kabel eh durch ihre Straße gezogen werden müssten. Und wenn die Stadt den Ausbau trotzdem durchziehen würde, wäre nicht einmal sicher, dass der vor 2023 beginnen würde. Die Anbieter haben nämlich ein Umsetzungsfenster, das mehrere Jahre lang ist. 

Eine weitere Kuriosität: Es gibt noch Häuser in den Stadtteilen, bei denen das Internet wirklich langsam ist. In der Karte jedoch sind ihre Internetanschlüsse als mindestens 100 Mbit/s schnell und damit nicht förderfähig eingetragen. Das liegt daran, dass alleine die Ankündigung eines Internetanbieters, die Internetgeschwindigkeit in den kommenden drei Jahren (zum Beispiel durch "Vectoring") zu erhöhen, dafür ausreicht, damit ein Anschluss als nicht förderfähig eingestuft wird. So erklärte es Först.

Försts Abschlusssatz im Stadtrat lautete deshalb: "Halten Sie die nächsten Jahre noch durch. Im Bundesprogramm gibt es 2023 auch mehr Geld."

Stadtrat verabschiedet Haushalt und Planung für die kommenden Jahre

Der Stadtrat verabschiedete am Donnerstagabend außerdem den Haushalt für das Jahr 2021 und die mittelfristige Haushaltsplanung bis 2024. Einstimmig. Auch mit den Wünschen und Streichungen der Fraktionen aus den Haushaltsreden änderte sich am diesjährigen Volumen relativ wenig im Vergleich zum ursprünglichen Entwurf. Die Wünsche seien eher mittelfristig gewesen, so Kämmerin Christina Herrmann. Das Gesamtvolumen beträgt nun im Endeffekt 83,4 Millionen Euro, was im Vergleich sogar eine leichte Steigerung von 1,1 Millionen Euro darstellt. Anfang des Jahres habe der Schuldenstand der Stadt 4,6 Millionen Euro betragen.

Ende des Jahres 2021 rechnet die Kämmerin mit 19 Millionen Euro Schulden. Der Grund ist das Darlehen, das die Stadt voraussichtlich für den Heimfall des Wonnemars wird aufnehmen müssen. Gleichzeitig fallen durch geplanten Baumaßen die Rücklagen der Stadt. Im Jahr 2023 werden von den aktuell 54 nur drei Millionen Euro übrig bleiben, wie es die Kämmerin plant. 

Was sonst noch im Stadtrat passierte

  • Auf die zwei Forderungen des Stadtrats an den Landkreis zur Patientenbibliothek und zur Zukunft des Krankenhauses kam noch keine Antwort des Landratsamtes. Das teilte Bürgermeister Thomas Stamm auf Anfrage von Wolfgang Hörnig (CSU) mit. 
  • Weil eine negative Stellungnahme zum Wasserrechtsantrag für das Wohngebiet Märzfeld vom Landratsamt kam, muss die Stadt hier noch einmal nacharbeiten und diesen neu einreichen. Wie lange dieser Prozess dauern werde, wollte das Landratsamt nicht beantworten, sagte Bauamtsleiter Wilhelm Trabel. "Ich habe die Hoffnung, dass es nicht wieder zwei Jahre sein werden", spottete Helmut Adam (CSU) daraufhin.
  • Die Stolpersteine zum Gedenken an verschleppte Marktheidenfelder Juden während des Nazi-Regimes werden nicht mehr unbedingt im Jahr 2021 kommen. Der Stadtrat stimmte einstimmig dafür, den Zeitpunkt wegen der Corona-Pandemie auf "schnellst möglich" umzuändern. 
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