Marktheidenfeld

Marktheidenfelder Kunstpreis: Ein Porzellanelefant bläst zum Aufbruch

"Aufbruch" heißt es bis Ende des Jahres im Marktheidenfelder Kulturzentrum Franck-Haus. Bis dahin ist dort die Jury-Auswahl mit 35 Gemälden von Künstlern aus Unterfranken und dem benachbarten Main-Tauber-Kreis zum städtischen Kunstpreis 2020 zu sehen. Nach dem Rückzug der ursprünglichen Initiatoren legten die neuen Ideengeber Andi Schmitt, Dierk Berthel und Inge Albert dieses griffige Thema fest, ahnten aber noch nicht, welche Brisanz das Wort "Aufbruch" unter den Bedingungen der Corona-Krise tragen würde.
Ironisches Signal zum Aufbruch von Nobert Komorowski.
Foto: Martin Harth | Ironisches Signal zum Aufbruch von Nobert Komorowski.

35 Gemälde sind bis Ende des Jahres im Franck-Haus zu sehen. Im Dezember gibt die Jury den Sieger bekannt.

"Aufbruch" heißt es bis Ende des Jahres im Marktheidenfelder Kulturzentrum Franck-Haus. Bis dahin ist dort die Jury-Auswahl mit 35 Gemälden von Künstlern aus Unterfranken und dem benachbarten Main-Tauber-Kreis zum städtischen Kunstpreis 2020 zu sehen. Nach dem Rückzug der ursprünglichen Initiatoren legten die neuen Ideengeber Andi Schmitt, Dierk Berthel und Inge Albert dieses griffige Thema fest, ahnten aber noch nicht, welche Brisanz das Wort "Aufbruch" unter den Bedingungen der Corona-Krise tragen würde.

Veränderte Teilnahmebedingungen führten zu einer Rekordbeteiligung von über 140 Künstlern am Wettbewerb. Eine Fachjury mit Dierk Berthel (BBK Bayern), Dr. Marlene Lauter (Kulturspeicher Würzburg), Ruth Roth (Preisträgerin 2018), Andi Schmitt (VKU) und Jan Soldin (Kunsthalle Schweinfurt) traf nach elektronischer Einreichung zunächst eine Vorauswahl. Ergänzt um die Juroren Thomas Stamm (Erster Bürgermeister) und Monika Oetzel (VHS) wurde die Auswahl für die Ausstellung getroffen und ein Preisträger ermittelt, der erst im Dezember bei einer Midissage mit Preisverleihung im Franck-Haus bekanntgegeben wird. Bis dahin soll auch Favorit der Besucher feststehen.

Ein Blick in die Ausstellung "Aufbruch" zum Kunstpreis 2020 der Stadt Marktheidenfeld.
Foto: Martin Harth | Ein Blick in die Ausstellung "Aufbruch" zum Kunstpreis 2020 der Stadt Marktheidenfeld.

Frühere Preisträger und Publikumslieblinge im Wettbewerb

In der Auswahl finden sich Werke einiger im Franck-Haus bereits bekannter Gesichter, so die beiden früheren Preisträger Richard Kuhn (1998) und Ulrike Scheb (2008) sowie die ehemaligen Publikumslieblinge Bernd Liebisch (2008) und Klaus Zaschka (2014). Von den 35 Arbeiten stammen 22 aus weiblicher Hand. Der Wettbewerb erreichte Teilnehmer aus ganz Unterfranken und dem Main-Tauber-Kreis, wobei der Schwerpunkt im Raum Würzburg und im Landkreis Main-Spessart zu finden ist. Mit Marianne Goldstein hatte es auch eine Marktheidenfelder Lokalmatadorin in die Auswahl geschafft.

Auffällig ist, dass sich über zwei Drittel der ausgestellten Künstler in einem Alter über 60 Jahren befinden. Friedhard Meyer aus Bad Kissingen hat den Geburtsjahrgang 1940. Die jüngste Beteiligte ist laut Begleitheft die aus Niederstetten stammende, 36-jährige Marietta-Valérie Jakob.

Die gezeigten Arbeiten bieten eine große Bandbreite. Dabei fällt auf, dass "Aufbruch" eine größere Anzahl realistischer Darstellungsformen inspiriert hat. Es sind aber auch abstrakte Positionen vertreten bis hin zur Konkreten Kunst mit dem Bild "Himmelblau und Sonnengelb" von Wolfgang Feichtinger (Bad Kissingen).

Auch Corona wird künstlerisch thematisiert

Ebenso charakteristisch ist es für das Jahr 2020, dass viele Botschaften und kritische Anmerkungen hinter den Bildschöpfungen stehen. Das Thema Corona wird von der neuen unterfränkischen BBK-Vorsitzenden Christiane Gaebert (Rimpar) mit dem Titel "Aufbruch-Wohin?" aufgegriffen. Ein Unikum ist, dass sie ihre ersten Linien dazu im August im Rahmen einer öffentlichen Malperformance im Franck-Haus auf die Leinwand brachte.

Der Klimawandel und die Ausbeutung der Natur haben einige Werke inspiriert und ausdruckstark findet auch das Thema Migration seinen Niederschlag, etwa Heimatlosigkeit bei Gertrud Gerlach (Bad Kissingen) oder Zukunftsängste bei Raimund Schemmel (Arnstein). Zu betrachten sind ebenso persönliche Aufbrüche wie bei Cornelia Krug-Stührenberg (Partenstein) oder stilistisch-technischer Wandel mit Walter Bausenwein (Estenfeld), Gerda Enk (Winterhausen) oder Dorle Wolf (Würzburg).

Gegenständlich und abstrakt im Wechsel, die Bilder von Richard Kuhn (links) und Klaus Zaschka.
Foto: Martin Harth | Gegenständlich und abstrakt im Wechsel, die Bilder von Richard Kuhn (links) und Klaus Zaschka.

Manche Botschaft vermittelt sich durchaus subtil, etwa beim Portrait "Grauzeit" von Petra Hagebusch (Bad Neustadt) oder den maritimen Lichtblicken des Würzburgers Manfred Neuner. Andere bevorzugen eine plakative Bildsprache. Der Lohrer Reinhard Stinzing nimmt zu seinen kritischen Fragen Anleihen bei der Street Art und Norbert Komorowski aus Rothenfels lässt gar einen kleinen Porzellanelefanten zum Aufbruch trompeten.

Dies alles konnten am Freitag die Gäste der Ausstellungseröffnung im Westentaschenpark hinter dem Franck-Haus nach den dortigen Ansprachen selbst in Augenschein nehmen. Erster Bürgermeister Thomas Stamm freute sich über eine recht große Anzahl unverdrossener Besucher in Dunkelheit, Kälte und Regen. Sein Stellvertreter Dirk Hartwig, selbst Wettbewerbsteilnehmer in früheren Jahren, sprach bei seinen Dankesworten vor allem denen Mut zu, die es dieses Mal nicht in die Auswahl schafften.

Inge Albert, städtische Abteilungsleiterin für Kultur, dankte allen Mitwirkenden sowie den Sponsoren der Preisgelder. Sie würdigte den Kunstpreis als Modell der regionalen Kunstvernetzung und zeigte sich von der Vielfalt der Deutungen und Reflexionen zum Thema "Aufbruch" tief beeindruckt.

Kunstpreis der Stadt Marktheidenfeld

Die Ausstellung der 35 ausgewählten Werke zum Kunstpreis der Stadt Marktheidenfeld 2020 unter dem Titel "Aufbruch" ist bis zum 27. Dezember im rückwärtigen Ausstellungsbereich des Franck-Hauses (Untertorstraße 6) zu sehen; geschlossen am 24. und 25. Dezember. Besucher sind gebeten, die notwendigen Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten. Das Tragen eines Mund- und Nasenschutzes ist verbindlich. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Samstag von 14 bis 18 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 10 bis 18 Uhr Weitere Infos im Internet: www.marktheidenfeld.de.
Die Verleihung des Kunstpreises findet bei einer Midissage am Sonntag, 13. Dezember, um 16 Uhr im Franck-Haus statt. Bis zum 6. Dezember wird in der Ausstellung der Träger des Publikumspreises mit Stimmkarten durch die Besucher ermittelt. Die Preisgelder von 2000 Euro für den Kunstpreis wurden vom Büro Landschaftsplanung Fleckenstein aus Lohr und von 500 Euro für den Publikumsfavoriten vom tiefbautechnischen Büro BRS aus Marktheidenfeld gestiftet.
Quelle: Stadt Marktheidenfeld
Die ersten Striche zu ihrem Bild machte Christiane Gaebert im Franck-Haus
Foto: Martin Harth | Die ersten Striche zu ihrem Bild machte Christiane Gaebert im Franck-Haus
Plakativ – der Beitrag von Reinhard Stinzing aus Lohr
Foto: Martin Harth | Plakativ – der Beitrag von Reinhard Stinzing aus Lohr
Persönlicher Aufbruch: "Kofferträume" von Gundula Fleckenstein.
Foto: Martin Harth | Persönlicher Aufbruch: "Kofferträume" von Gundula Fleckenstein.
Auf der Suche nach einem eigenen Weg – Beitrag Mariette-Valérie Jakob.
Foto: Martin Harth | Auf der Suche nach einem eigenen Weg – Beitrag Mariette-Valérie Jakob.
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