Gemünden

Mordprozess beginnt: Tötete der Freund das schreiende Baby?

Der Tod eines acht Monate alten Säuglings in Gemünden hatte im Dezember 2019 für viel Aufsehen gesorgt. Ab diesem Mittwoch muss sich ein 23-Jähriger vor Gericht verantworten.
Wegen Mordes an einem Baby muss sich jetzt ein 23-jähriger Würzburger vor Gericht verantworten.
Foto: David Inderlied, dpa | Wegen Mordes an einem Baby muss sich jetzt ein 23-jähriger Würzburger vor Gericht verantworten.

Die Wochen vor Weihnachten 2019 müssen die Hölle gewesen sein für eine 20-Jährige aus dem Landkreis Main-Spessart. Ihr drei Jahre älterer Freund soll sich in der kleinen Wohnung gestört gefühlt haben vom Geschrei ihres acht Monate alten Babys. Mehrfach soll er deshalb beide geschlagen haben: die junge Mutter und das Kind.

Als sich das Baby vier Tage vor Heiligabend plötzlich nicht mehr regte und keinen Ton mehr von sich gab, keimte ein furchtbarer Verdacht: Hatte der Freund das Baby zum Schweigen gebracht? Davon jedenfalls ist der Würzburger Oberstaatsanwalt Thorsten Seebach inzwischen überzeugt. Er hat den 23-jährigen des Mordes angeklagt. 

Der Fall hatte im Landkreis Main-Spessart für viel Aufsehen gesorgt. Dass es innerhalb der kleinen Familie Konflikte gab, wusste auch das Jugendamt, wie ein Sprecher bestätigte. Der 23-jährige Angeklagte hatte das acht Monate alte Kind offenbar als Störfaktor empfunden. Als er festgenommen wurde, schossen wilde Vermutungen ins Kraut.

Schon im November Schläge

Den Ermittlungen von Polizei und Rechtsmedizinern zufolge hatte es schon im November 2019 für Mutter und Kind Schläge gesetzt, wenn das Baby schrie. Am 20. Dezember dann rief die junge Mutter den Notarzt. Ihr Kind gab plötzlich kein Lebenszeichen mehr von sich. Der Notarzt konnte nicht mehr helfen, der Säugling starb in der Klinik. Die Begleitumstände kamen den Ermittlern so verdächtig vor, dass sie die Rechtsmedizin einschalteten.

Obduktion lieferte Beweise

Zehn Tage späte gingen Staatsanwaltschaft und Polizei an die Öffentlichkeit. Laut der Erklärung von Burkhard Pöpperl, Leiter der Staatsanwaltschaft Würzburg, sowie Polizeisprecher Björn Schmitt, war der Säugling  "aus zunächst ungeklärter Ursache verstorben". Die Mutter hatte ihn "leblos in seinem Kinderbett aufgefunden".

Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Würzburg wurde der Leichnam obduziert. "Aufgrund der hierbei erlangten Erkenntnisse" wurde wegen des Verdachts eines vorsätzlichen Tötungsdelikts ermittelt. Der 23-Jährige wurde festgenommen, bestritt die Tat aber.

Jetzt legt die Anklage dem gebürtigen Würzburger Körperverletzung in fünf Fällen sowie  Misshandlung von Schutzbefohlenen in Tatmehrheit mit Mord vor. Laut Oberstaatsanwalt Thorsten Seebach ist der 23-Jährige allein angeklagt.

Neun Verhandlungstage angesetzt

Der Angeklage zufolge soll er, von der Mutter unbemerkt, starken Druck auf den Bauch des Babys ausgeübt und seinen Mund und die Nase verdeckt haben. Er soll verhindert haben, dass das Kind weiteratmet - und so zumindest billigend in Kauf genommen haben, dass das Kind dabei sterben könnte.

Die Staatsanwaltschaft legt dem Angeklagten aufgrund der Gesamtumstände ein Handeln aus niedrigen Beweggründen zur Last. Verteidiger Hanjo Schrepfer sagt dagegen: "Ich sehe keine Indizien, die auf ein vorsätzliches Tötungsdelikt meines Mandanten hinweisen."

Für die Hauptverhandlung sind neun Tage angesetzt. Ein Urteil könnte am 3. Dezember fallen.

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Main-Spessart und erhalten Sie zweimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Weitere Artikel
Themen & Autoren
Gemünden
Manfred Schweidler
Angeklagte
Festnahmen
Kinderbetten und Jugendbetten
Körperverletzung und Straftaten gegen die körperliche Unversehrtheit
Mordprozesse
Oberstaatsanwälte
Polizeisprecher
Staatsanwaltschaft
Staatsanwaltschaft Würzburg
Säuglinge und Kleinkinder
Tötungsdelikte und Straftaten gegen das Leben
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!