Retzbach

Retzbacher Kindergarten zu groß? Anwohnerin ist entsetzt

In einem offenen Brief bezeichnet sie den Rohbau als "Monstrum". Bürgermeister Stefan Wohlfart nimmt Stellung.
Massiver als erwartet und sehr nahe an der Straße erscheint Anwohnerin Beate Bender der Neubau des Retzbacher Kindergartens in der Hermann-Klug-Straße. Deswegen schrieb sie einen offenen Brief an Bürgermeister und Gemeinderäte. 
Foto: Jürgen Kamm | Massiver als erwartet und sehr nahe an der Straße erscheint Anwohnerin Beate Bender der Neubau des Retzbacher Kindergartens in der Hermann-Klug-Straße.

Nach einem guten Jahr ist der Rohbau des Retzbacher Kindergartens fast fertig. Anwohnerin Beate Bender zeigt sich in einem offenen Brief an Bürgermeister und Gemeinderäte entsetzt über die Größe und Höhe des neuen Gebäudes. Sie thematisiert auch die Einschränkungen in der Bauphase und den Standort an sich. Bürgermeister Stefan Wohlfart relativierte in einer telefonischen Stellungnahme die Kritik.

In dem offenen Brief bezeichnet Beate Bender den Rohbau als "Monstrum". Die Größe habe sie als Laie nicht auf dem Bauplan erkennen können, doch ein Mitarbeiter des Bauamtes habe ihr gesagt, die drei Giebel würden annähernd gleich hoch. Jetzt überrage einer die anderen aber um mindestens ein Stockwerk. Zudem passe das Gebäude nicht in die Straße neben ein denkmalgeschütztes Haus, drei weitere stünden gegenüber. Sie lebe auch in Retzbach, weil dort eins viel Wert auf Dorferneuerung und Denkmalschutz gelegt worden sei.

Platz für 120 Kinder

Dazu erklärt Bürgermeister Stefan Wohlfart, dass der Kindergarten europaweit ausgeschrieben werden musste (VGV-Verfahren), wozu auch ein Architektenwettbewerb gehört. In der Jury habe die Gemeinde nur wenig Einfluss, weil die externen Architekten in der Überzahl sind. Danach musste der Gemeinderat den Auftrag an den Gewinner vergeben. Das Verfahren habe allein über 100 000 Euro gekostet. Die Größe des Gebäudes ergebe sich aus dem von der Regierung von Unterfranken geforderten Raumprogramm für bis zu 120 Plätze. Oft wirke ein Gebäude mit Gerüst davor auch höher als es ist.

Der Bürgermeister weist darauf hin, dass auch der Dorferneuerungsarchitekt in das Vergabeverfahren eingebunden war. Das neue Kindergartengebäude sei kleinteilig gegliedert und kein großer Klotz. Allerdings stehe es näher an der Straße als der alte Kindergarten. Die typische Bebauung in fränkische Dörfern sei direkt an der Straße wie auch an den anderen Häusern in der Hermann-Klug-Straße zu sehen.

Weiter kritisiert Beate Bender, der Bau hauptsächlich in Beton sei wenig nachhaltig und ökologisch. Wohlfart sagt, das ergebe sich aus technischen Anforderungen und dem Brandschutz. Zudem werde es noch eine Verkleidung aus Holz geben. Reiner Betonabbruch müsse zudem nicht entsorgt werden, sondern sei ein begehrtes Baumaterial.

Gibt's eine Entschädigung für Anwohner?

Sorgen bereitet der Anwohnerin die Parksituation in der Hermann-Klug-Straße, die Eltern würden ihre Kinder je weiter mit dem Auto in den Kindergarten bringen wollen. "Das ist ein gesellschaftliches Problem", erklärt dazu der Bürgermeister. Grundsätzlich gebe es am Main, nur wenige Gehminuten entfernt, genug Parkplätze. Die Planung sehe aber drei bis vier Stellplätze entlang der Straße vor, dafür sei das Gebäude gegenüber der Mauer des alten Kindergartens etwas zurückgesetzt worden. Teil des generellen Parkproblems sei auch, dass viele Leute ihr Auto lieber an die Straße als in ihren Hof stellen.

Massiver als erwartet und sehr nahe an der Straße erscheint Anwohnerin Beate Bender der Neubau des Retzbacher Kindergartens in der Hermann-Klug-Straße. 
Foto: Jürgen Kamm | Massiver als erwartet und sehr nahe an der Straße erscheint Anwohnerin Beate Bender der Neubau des Retzbacher Kindergartens in der Hermann-Klug-Straße. 

Schließlich fragt die Anwohnerin nach einer Entschädigung für die durch den Kran nicht mehr passierbare Straße. Auch kranke und alte Personen müssten erst den Berg hoch und wieder runterlaufen, um an den Main zu gelangen. Zudem müssten die Mülltonnen und gelbe Säcke in die Oberdorfstraße gestellt und dafür den Berg hochgefahren werden. An Sperrmüll und Grüngutabfuhr sei gar nicht zu denken.

Der Bürgermeister sagt, das seien Dinge, die beim Bauen unvermeidlich sind. Er selbst habe wegen einer Straßensanierung auch schon einmal mehrere Monate lang nicht mit dem Auto vors Haus fahren können. Ähnliches sei in der oberen Hauptstraße und Kolpingstraße zu erwarten, wenn der Landkreis voraussichtlich in zwei Jahren die Kreisstraße saniert. Entschädigungen dafür seien unüblich.

Der Baukran wird voraussichtlich bis Weihnachten in der Hermann-Klug-Straße  stehen. Danach wird die Baustelle nur für Fußgänger passierbar sein. Der Bau liegt im Zeitplan und soll bis zu den Sommer 2021 fertig werden.

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