Lohr

Schäden: Parkdeck zum Teil gesperrt

Die Stadt Lohr sperrt Teile des Parkdecks ab. Grund ist ein statisches Gutachten, das an dem rund 40 Jahre alten Gebäude teilweise gravierende Schäden festgestellt hat. Abgesperrt werden nun Teile des im Bild zu sehenden und an Dauerparker vermieteten Untergeschosses.
Foto: Johannes Ungemach | Die Stadt Lohr sperrt Teile des Parkdecks ab. Grund ist ein statisches Gutachten, das an dem rund 40 Jahre alten Gebäude teilweise gravierende Schäden festgestellt hat.

Plötzlich geht alles ganz schnell: Teile des rund 165 Stellplätze zählenden Parkdecks an der Ignatius-Taschner-Straße werden für den Parkbetrieb gesperrt. Grund: Ein statisches Gutachten hat gravierende Schäden an der Betonkonstruktion offenbart. "Wir müssen sehr schnell handeln", sagt Stadtwerkeleiter Otto Mergler über die "sehr deutlichen Aussagen" des Gutachtens, das in dieser Woche eingegangen ist.

Von der Sperrung betroffen ist das an Dauerparker vermietete Untergeschoss des Parkdecks. An der Zufahrt zu diesem hingen am Donnerstag bereits Zettel, die die Mieter auf die bevorstehende Einschränkung hinweisen.

16 Parkplätze gesperrt

In dem Aushang kündigen die Stadtwerke am Freitag beginnende »umfangreiche Gebäudesicherungsmaßnahmen« an. Hierfür müssten 16 Parkplätze im hinteren Bereich dauerhaft und eventuell weitere acht kurzzeitig gesperrt werden.

Gegenüber der Redaktion erklärte Mergler, dass das statische Gutachten die Befürchtungen bestätigt habe: Demnach haben eindringendes Wasser und undichte Leitungen erhebliche Rostschäden an den im Beton enthaltenen Metallteilen verursacht. Betroffen sei der Bereich der Einfahrt und das andere Ende des Untergeschosses.

Speziell im hinteren Bereich, der oben von Bussen befahren wird, sei der Beton »nicht mehr gut«, so Mergler. Dort sollen nun Stützen eingebaut werden. Der Bereich werde mit einem Bauzaun abgesperrt, wohl um zu verhindern, dass möglicherweise abstürzende Betonteile auf Autos fallen.

Für das Gutachten seien mehrere Bohrkerne gezogen worden, erklärt Mergler. Diese hätten teilweise einen vergleichsweise guten Betonzustand offenbart, teilweise aber eben auch gravierende Schäden.

Für die Dauerparker, die von der Sperrung betroffen sind, haben die Stadtwerke nach Ausweichmöglichkeiten gesucht.

Ein Teil von ihnen könne im Parkdeck bleiben, da bei dessen Belegung aktuell noch etwas Luft sei, so Mergler. Die Stellplätze der übrigen Dauerparker müsse man in das Altstadtparkhaus verlagern.

Doch auch die übrigen Mieter von Stellplätzen im Untergeschoss des Parkdecks müssen sich mittelfristig Gedanken über eine Alternative machen.

Denn der vom Stadtrat bereits beschlossene Neubau des Parkdecks soll vorangetrieben werden. Für die Zeit zwischen Abriss des jetzigen Parkdecks und Fertigstellung des Neubaus könne man den Dauerparkern "realistischerweise nichts anderes anbieten", sagt Mergler. Die Mieter wüssten bereits, dass sie auf ihre Stellplätze "zeitweise verzichten" müssen.

Planung soll voranschreiten

Nachdem der Stadtrat vor knapp einem Monat etwas überraschend entschieden hat, dass die Stadtwerke den Ersatzbau nun doch in Eigenregie hochziehen sollen, soll die Planung wohl 2020 vergeben werden. Die Planung selbst sowie der Abriss werden nach Merglers Einschätzung aber wohl erst 2021 "kassenwirksam".

Neubau nicht vor 2022 fertig

Mergler rechnet derzeit mit einem Baubeginn frühestens im Jahr 2020. Erst wenn klar sei, wann der Neubau beginne, könne man die bereits vorbereitete Ausschreibung des Abrisses starten und das Parkdeck dann auch abreißen lassen.

Der Neubau soll laut Beschluss des Stadtrates auf mehrere Halbebenen verteilt Platz für rund 312 Stellplätze bieten.

Die Auftragsbücher der in Frage kommenden Systembau-Unternehmen seien voll, so Mergler. Er rechne daher nicht mit einer Fertigstellung des neuen Parkdecks vor 2022.

Dies würde bedeuten, dass im Umfeld der auf dem Brauereiareal entstehenden und laut Plan Ende 2020 öffnenden Märkte von Rewe und DM für mehr als ein Jahr eine ziemliche Parkplatznot herrschen dürfte. Zwar bietet die Tiefgarage unter dem Brauereiareal insgesamt gut 100 Parkplätze. Diese reichen nach Ansicht vieler jedoch nicht für die vielfältige Nutzung auf dem Brauereiareal aus.

Noch offen ist, ob die Anwohner des Parkdecks gegen den Ersatzbau agieren werden. Mergler sagt, dass ihm bekannt sei, dass die Anwohner insbesondere die geplante Aufstockung kritisch sehen. Man werde auf diese zugehen, sobald die Planung konkreter werde, sicherte der Stadtwerke-Chef zu.

Kostenschätzung für den Ersatzbau
Lange Zeit verweigerte das Rathaus eine Aussage zu den möglichen Kosten eines Ersatzbaus des Parkdecks. Sie begründete dies mit der ursprünglichen Absicht, den Bau von einem privaten Investor errichten und dann von diesem mieten zu wollen. Man wolle, so die Logik, einem solchen Investor keinen Anhaltspunkt dafür geben, mit welchen Baukosten man rechne.
Nachdem der Stadtrat nun einen Bau in Eigenregie der Stadtwerke beschlossen hat, ist dieser Grund der Geheimhaltung hinfällig.
Stadtwerke-Chef Otto Mergler legte gegenüber der Redaktion daher folgende Kostenschätzung vor. Für Abriss und Baugrubenverbau sind 1,1 Millionen Euro vorgesehen, für den Neubau 3,1 Millionen Euro, für die technische Ausstattung 140000 Euro und für die Außenanlage 100000 Euro. Hinzu kämen Baunebenkosten von 650000 Euro. Macht zusammen 5,09 Millionen Euro.
Laut Mergler ist dieser Betrag, der sich über mehrere Wirtschaftspläne der Stadtwerke erstrecken wird, nur über Kredite zu finanzieren. Es habe diesbezüglich bereits Vorgespräche mit dem Landratsamt als Aufsichtsbehörde gegeben. Dieses, so Mergler, könne "unter Zurückstellung aller Bedenken" beim kostenträchtigen Bauvorhaben der finanziell klammen Stadt mitgehen. (joun)
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