ESSELBACH

Standort des Mobilfunkmastes überdenken

Daniela Wamser (39, Ausbilderin) aus Steinmark appelliert an die Solidarität ihrer Mitbürger:  „Mir ist wichtig, dass man sich gründlich informiert, bevor man seine Meinung bildet. Außerdem sollte man nicht nur für sich selbst, sondern im Sinne der Allgemeinheit, vor allem der Kinder, entscheiden.“
Foto: Karsten Fehr | Daniela Wamser (39, Ausbilderin) aus Steinmark appelliert an die Solidarität ihrer Mitbürger: „Mir ist wichtig, dass man sich gründlich informiert, bevor man seine Meinung bildet.

Die Bürgerinitiative „Sendemast“ hat zu der geplanten Errichtung eines Mobilfunkmastes, die seit der jüngsten Gemeinderatssitzung unumgänglich scheint, ein Bürgerbegehren gestartet. Das teilten Reiner Roos, Daniela Wamser und Dr. Gunda Thaler-Väth, Vertreter der Bürgerinitiative, im Rahmen einer Pressekonferenz mit. Zwar hat sich die Initiative einem Bau inzwischen gebeugt, gleichwohl ist sie mit dem geplanten Standort alles andere als einverstanden.

In ihrem Antrag auf Zulassung eines Bürgerentscheides stellt die Initiative daher die Frage: „Sind Sie dafür, dass von der Gemeinde Esselbach zum Schutz der Ortsbevölkerung und des Landschaftsbildes im Bereich der Gemarkungen Esselbach, Kredenbach und Steinmark keine Mobilfunkmasten näher als 750 Meter Luftlinie zum nächstgelegenen Wohngebäude zugelassen werden und die Gemeinde Esselbach zu diesem Zweck im genannten Umkreis auch keine gemeindlichen Grundstücke zur Verfügung stellt?“

Wie mehrfach berichtet, beabsichtigt die Telekom die Errichtung eines Mobilfunkmastes zur Verbesserung des Handyempfangs. Dieser soll 330 Meter südlich von Esselbach (Grundstück Flur Nr. 1801) auf einem Acker aufgestellt werden. Bedingung: Der Gemeinderat muss in der kommenden Sitzung am 3. Februar grünes Licht geben.

Die Bürgerinitiative, die das zu verhindern versucht, stützt ihr Begehren auf zwei Argumente: Zum einen betrage beim jetzigen Standort die Entfernung zur nächsten Wohnbebauung lediglich 330 Meter. „Der Mast wird mit höchster Wahrscheinlichkeit, genau wie der am Oberndorfer Trieb, mit vielen Sendeanlagen bestückt werden. Damit würde der Großteil der Bevölkerung dieser zusätzlichen Strahlenbelastung aus dem Nahbereich ausgesetzt sein, auch der Kindergarten, was dem Gebot der Gesundheitsvorsorge widerspricht“, heißt es in dem Antrag.

Das zweite Argument, das die Initiative anführt: „Das Landschaftsbild wird bei einem Bau an der oben genannten Stelle erheblich verunstaltet. Der Sendemast würde sich über dem historischen Ortskern von Esselbach mit Kirche, Pfarrhaus und Rathaus deutlich erheben. Durch seine freistehende Höhenlage wäre er von allen Seiten unübersehbar dominant.“

Insgesamt komme man zu dem Schluss: „Der jetzige Standort ist inakzeptabel.“ Deshalb schlägt die Initiative vor, den Funkmast in Richtung Marktheidenfeld, am Waldrand des Traubergs, aufstellen zu lassen. Die Vorteile: Er wäre 830 Meter weg vom ersten Wohnhaus, die Entfernung zum Kindergarten betrüge gar 1640 Meter. Außerdem wäre das Ortsbild nicht verunstaltet.

Die Bürgerinitiative hatte sich lange Zeit gänzlich gegen die Errichtung eines Mobilfunkmastes gestemmt. „Wir haben den Mast von Anfang an in Frage gestellt, weil 90 Prozent der Gemeinde versorgt sind, also keine Unterversorgung besteht“, erklärte Gunda Thaler-Väth auf der Pressekonferenz.

Um den Großteil der Bürger nicht wegen der zehn Prozent, die keinen Handyempfang haben, doppelt zu bestrahlen, habe man nach Kompromisslösungen gesucht. So hatte die Initiative unter anderem vorgeschlagen, an öffentlichen Plätzen kleine Außenantennen mit Mobilfunkverstärkern anzubringen.

Der Gemeinderat verwarf diese Lösung in der jüngsten Gemeinderatssitzung, was Thaler-Väth verärgerte: „Plötzlich kam die Forderung nach einer Vollversorgung auf. Unser Vorschlag des Lückenschlusses war mit einem Wisch vom Tisch.“ So sei die Initiative zu der bitteren Erkenntnis gekommen, dass man einen Mast nicht mehr verhindern könne.

Reiner Roos betonte, dass man zumindest um den Standort weiter kämpfen werde. Die Meinung einiger Räte, die Telekom werde bestimmt nicht noch einmal einen neuen Standort vermessen, teilt er nicht: „Die würden sicher nochmal kommen.“

Dass die Entscheidung am 3. Februar pro Funkmast ausfällt, scheint indes nur noch Formsache zu sein. Ob der Mast allerdings an der geplanten Stelle 330 Meter südlich der Siedlung erbaut werden darf, das haben die Bürger nun in der eigenen Hand: Unterschreiben mindestens zehn Prozent das Bürgerbegehren – bei rund 1700 Stimmberechtigten also mindestens 170 – könnte es zum Bürgerentscheid kommen.

Am Donnerstag, 29. Januar, findet im Feuerwehrhaus ein Informationsabend zum Thema „Gesundheitliche Risiken eines Mobilfunkmastes“ statt. Referieren werden Dr. Thomas Kurz vom Bayerischen Landesamt für Umwelt und Dr. Horst Eger, Autor der Naila-Mobilfunkstudie von 2004.

Bürgerinitiative „Sendemast“: Diese kritischen Esselbacher Bürger haben sich zwar damit abgefunden, dass der Mobilfunkmast gebaut wird, sie wollen jedoch den Standort beieinflussen und initiieren dazu ein Bürgerbegehren.
Foto: Reiner Roos | Bürgerinitiative „Sendemast“: Diese kritischen Esselbacher Bürger haben sich zwar damit abgefunden, dass der Mobilfunkmast gebaut wird, sie wollen jedoch den Standort beieinflussen und initiieren dazu ein ...
Fotomontage: Der geplante Sendemast für Mobilfunk in der Gemarkung Esselbach soll an dieser Stelle errichtet werden. Reiner Väth hat den Mast in das Foto montiert. Der Mast soll jetzt 25 Meter hoch werden statt der bisher geplanten 20 Meter.
Foto: Fotomontag: Reiner Väth | Fotomontage: Der geplante Sendemast für Mobilfunk in der Gemarkung Esselbach soll an dieser Stelle errichtet werden. Reiner Väth hat den Mast in das Foto montiert.
Reiner Roos (50, Elektrotechniker) aus Esselbach hätte sich mehr Dialog und Mitspracherecht gewünscht: „Ich finde es schwach, dass die Gemeinde nicht auf uns zugekommen ist. Sie hat uns nicht von sich aus nach Lösungen gefragt.“
Foto: Karsten Fehr | Reiner Roos (50, Elektrotechniker) aus Esselbach hätte sich mehr Dialog und Mitspracherecht gewünscht: „Ich finde es schwach, dass die Gemeinde nicht auf uns zugekommen ist.
Dr. Gunda Thaler-Väth (48, Ärztin für Allgemeinmedizin) aus Esselbach kritisiert, dass der Vollversorgung Vorrang vor der Gesundheitsvorsorge gegeben werde. Zur Errichtung des Handymastes, die ihre Initiative höchstwahrscheinlich nicht verhindern konnte, sagt sie: „Von der Installation von Basisstationen in der Nachbarschaft von Kindergärten und Schulen ist dringend abzuraten.“
Foto: Karsten Fehr | Dr. Gunda Thaler-Väth (48, Ärztin für Allgemeinmedizin) aus Esselbach kritisiert, dass der Vollversorgung Vorrang vor der Gesundheitsvorsorge gegeben werde.
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