Retzbach

Versöhnliche Töne bei der Jahresschlusssitzung in Zellingen

Vor allem versöhnliche Töne wurden bei der Jahresschlusssitzung im Zellinger Gemeinderat angeschlagen. Diesmal wurden die Jahresschlussreden direkt vor dem Essen gehalten. Bürgermeister Wieland Gsell hatte dazu die Räte samt Partnern und den Ehrenbürger Monsignore Gerald Postler ins Gasthaus Durmich in Retzbach eingeladen.

Als Vertreter der größten Fraktion durfte Philipp Kromczynski zuerst das Wort ergreifen. Er sprach von der Zeit für dankbare Rückblicke, von Irrtümern, die alle begleiten und von den unbegreiflichen Mysterien des Lebens. Der Urknall von Millionen von Jahren und die einstigen Dinosaurier erschienen vielen ebenso unbegreiflich wie die Entstehung der Ozeane. Auch das besinnliche Weihnachtsfest sei eine Art Wunder. Ihm war es als ersten vergönnt, sich bei allen für die geleistete Arbeit zu bedanken, ein gesegnetes Fest sowie Glück und Segen zu wünschen.

Etwas konkreter wurde Wolfgang Rupp von den Grünen. Der Gemeinderat habe in überwiegend positiv erscheinenden Entscheidungsfindungen Projekte auf den Weg gebracht, die in den nächsten beiden Jahren verwirklicht werden. Die Alte Mainbrücke stehe auch als Symbol dafür, dass Geduld eine Tugend ist. Er erinnerte an seinen Appell von 2018, alle sollten um ein redliches Bild von der Arbeit im Rat bemüht sein, und keiner solle sich zu Lasten eines anderen profilieren wollen. Zum Umbruch durch Klimawandel, Artensterben und Digitalisierung sagte er, der Wandel könne auch als Gewinn neuer Lebensqualität begriffen werden.

"Ich träumte von einem Zellingen, in dem sich die Menschen dem Gemeinwohl verpflichtet fühlen, sich niederlassen und Bäume pflanzen, einen Ort von Miteinander und Demokratie", begann Jürgen Keller von der SPD. Vorher habe er wohl in der Zeitung von Zoff gelesen, von verhärteten Fronten, einem kraftlosen Gemeinderat und einem Bürgermeister ohne Plan. Doch dann habe er sich auf den Weg gemacht und 94 Vereine und Verbände gefunden, 60 Migranten, die sich aufgenommen und wohl fühlen, die Berichte der Beiräte im Sozialausschuss gehört. Und gezählt: 56 Geburten und 54 Bauanträge seien es 2019 bisher gewesen, weit mehr als im Vorjahr, was für das Vertrauen der Menschen stehe. Er sehe das Miteinander bei Festen, die Zusammenarbeit von Verwaltung und dem Bundestagsabgeordneten Alexander Hoffmann, letztlich stabile Verhältnisse und ein gutes Leben – das sei kein Traum.

Erfolge der Zellinger Kommunalpolitik stellte Stefan Herrmann für die Freien Bürger an den Anfang: Der Neubau des Retzbacher Kindergartens nehme Formen an, das Baugebiet "Kapelle" in Zellingen sei auf dem Weg. "Für unsere Kommune und ihre 7000 Einwohner haben wir einiges erreicht." Dabei habe die Kommunalaufsicht über die Haushaltsgenehmigung noch gebremst, das neue Feuerwehrhaus Retzbach und der Zellinger Kindergarten mussten verschoben werden. Doch sei auch manche Diskussion und manche Äußerung schwer verdaulich gewesen. Dennoch freue er sich auf einen spannenden Wahlkampf.

In seiner letzten Jahresschlussrede als Bürgermeister verzichtete Wieland Gsell bewusst auf einen Rückblick und blickte nach vorne. Er übertrug er das neue Buch von Burkhard Hose, Pfarrer der Katholischen Hochschulgemeinde Würzburg, auf die Politik. Da könnte der Titel lauten: "Warum wir aufhören sollten, mit dem Parlamentarismus die Politik zu retten. Für eine neue Vision von Demokratie".

Denn viele Menschen seien derzeit mit dem Parlamentarismus unzufrieden, so Gsell. Ähnlich wie in der Religion, wo andere als "gottlos" oder "anarchistisch" bezeichnet werden, sei es auch in der Politik. Man definiere sich selbst als "politische Mitte" und etikettiere die anderen nicht bloß als Rand, sondern gleich als "extrem". Doch die meisten Bürger wollten keine plakativ-einfache Welterklärung und Versprechungen mehr hören, sie erwarteten die Lösung ihrer Probleme. "Statt zu urteilen oder gleich zu verurteilen, müssen wir zur Anerkennung anderer kommen", so Wieland Gsell. Was bedeute, sie als Person zu sehen, mit eigenen Wünschen, Hoffnungen, Vorstellung und Lebensentwürfen.

"Es waren vor allem positive Worte, das freut mich als Ehrenbürger", sagte Gerald Postler in seinem Grußwort. Seine Erfahrung als Pfarrer sei, dass verschiedene Ansicht Leben in eine Gemeinde bringen. 

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