Adelsberg

Vom kritischen Umgang mit Geld

Mahnt zu kritischem Umgang mit Geld: Banken-Experte Johannes Priesemann. 
Foto: Jennifer Weidle | Mahnt zu kritischem Umgang mit Geld: Banken-Experte Johannes Priesemann. 

Johannes Priesemann hat viele Jahre im Bankensektor gearbeitet. Heute bewohnt er das Adelsberger Schloss und ist Autor eines Buches, das sich kritisch mit Geld auseinandersetzt. Das Werk mit dem Titel "Das Geld gehört uns allen" hat er voriges Jahr im Verlag der Globalisierungskritiker Attac herausgebracht. Zusammen mit Co-Autor Alfred Eibl setzt er sich für ein gerechteres und ökologischeres Geldwesen ein. Die Autoren erklären, wie Geld entsteht und vergeht, welche Zwecke es erfüllt und wie die Gesellschaft das Bezahlen bezahlt. "Ich interessiere mich schon lange dafür, wie Geld funktioniert", sagt Priesemann. Der Jurist sitzt am Schreibtisch seines Arbeitszimmers. "Hier in meinem Elfenbeinturm kann ich am besten denken und formulieren."

Autor für Attac sei er zufällig geworden. 2019 referierte bei der Attac-Sommerakademie, kam dort mit Co-Autor Eibl, Mitarbeitenden-Vertreter und IG-Metaller, ins Gespräch. Das Buch schrieben die beiden unentgeltlich. Priesemann: "Ich will an dem Buch nichts verdienen. Ich will, dass wir alle das Geld besser verstehen und dadurch beherrschen lernen." Durch seine berufliche Laufbahn ist er Experte für das Bankenwesen. Auf Basis dieses Wissens übt er konstruktive Kritik.

Veränderung anregen

Mit dem Buch will er Veränderung anregen. Jeder benutze Geld, aber die wenigsten verstünden, wie es funktioniert. "Und steuern tun es die, die Geld haben." Priesemann: "Geld erfüllt verschiedene Zwecke, die miteinander konkurrieren: zum Beispiel Zahlungsmittel und Wertspeicher." Banknoten seien als reines Zahlungsmittel gedacht. Doch sobald man spare, würden sie wirtschaftlich zum Kredit: bei gehorteten Banknoten unter der Matratze zum Kredit an die Zentralbank, bei Einzahlung auf ein Bankkonto zum Kredit an die Bank. "Kredit ist immer mit Risiko verbunden. Wir müssten sauber zwischen Geld und Kredit trennen."

Die unsaubere Trennung schaffe drei Probleme – für die Zentralbank, die Bank und die Sparer. Das Problem für die Zentralbank: Sie wisse nicht, wie lange das Geld unter der Matratze bleibt und seiner Funktion als Zahlungsmittel enthoben ist. Für die Bank: Sie wisse nicht, so Priesemann, wann die Kundschaft das Geld zurückhaben will. Für die Sparenden: Sie wüssten nicht, wie viel sie in Zukunft von dem Geld, das sie heute aus dem Kreislauf nehmen, bekommen.

Auch als Zahlungsmittel habe das Geld Fallstricke. Diese zeigen Priesemann und Eibl im Kapitel "Bargeld – der Daten und der Freiheit wegen" auf. Bargeld sei das einzige Geld, das ein Recht auf analoges und freies Leben ermögliche. "Alle anderen Arten des Bezahlens geben stets Daten preis."

Plattformen wie Google, Amazon, Facebook oder Master-Card und Visa erstellten digitale Profile von Menschen und verkauften oder nutzten diese immer detaillierteren Informationen, um Geld zu verdienen. Die Daten lieferten die Menschen selbst. Die Sparkassen und Genossenschaftsbanken erachtet Priesemann als gute Wahl. Diese seien vor Ort und verfolgten einen Förderzweck für Mitglieder und Region.

Positives Feedback

Für Priesemann ist das Buch ein Anfang. "Vielleicht schreibe ich noch eines, in dem alle meine Gedanken Platz finden." Das Feedback sei positiv. "Besonders Bankleute und Studierte lesen es, doch eigentlich sollte es ein Buch sein, das wirklich alle verstehen." In den Banken gebe es mittlerweile viele kritisch Denkende. Priesemann: "Doch viele Leute sind träge. Dabei ist es wichtig, politisch zu denken." Das heißt für ihn: Handeln für künftige Generationen und das Leben in aller Vielfalt. "Jeder sollte das Thema Geld – was es anrichtet, was wir damit machen und wie wir es machen – mitgestalten." Die Auseinandersetzung damit gehöre sowohl ins Zentrum des politischen Diskurses, als auch an den Küchentisch, den Stammtisch, ins Wohnzimmer.

In einem Schloss zu wohnen, sei nie sein Ziel gewesen, sondern reiner Zufall, sagt Priesemann. "Das Schloss ist kein Prestige-Projekt. Es ist eine Herzensangelegenheit." Der Unterhalt fordere viel Geld und mache viel Arbeit, zugleich aber auch viel Freude.

'Das Geld gehört uns allen!' lautet der Titel des Buches von Johannes Priesemann. 
Foto: Jennifer Weidle | "Das Geld gehört uns allen!" lautet der Titel des Buches von Johannes Priesemann. 
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