Marktheidenfeld

Wegbegleiter und Gestalter von Marktheidenfelds Aufschwung

Wenn Thomas Stamm sein Amt als Bürgermeister antritt, dann wird er das achte demokratisch gewählte Stadtoberhaupt seit dem Zweiten Weltkrieg sein. Wer ihm im Amt vorausging.
Dr. Leonhard Scherg (links), Bürgermeister der Stadt Marktheidenfeld von 1984 bis 2008, mit seinem Vorgänger Armin Grein, Bürgermeister von 1972 bis 1984. Das Foto entstand bei der Verabschiedung des Kreisrats Scherg 2008 durch Landrat Armin Grein (1984–2008).
Foto: Michael Deubert | Dr. Leonhard Scherg (links), Bürgermeister der Stadt Marktheidenfeld von 1984 bis 2008, mit seinem Vorgänger Armin Grein, Bürgermeister von 1972 bis 1984.

Mit Thomas Stamm hat die Stadt Marktheidenfeld ihren achten Bürgermeister nach dem Zweiten Weltkrieg, der demokratisch gewählt ist. Den ersten Nachkriegsbürgermeister, den Kaufmann Hans Kißner, hatte die amerikanische Militärregierung im Juni 1945 eingesetzt. Anfang 1946 gab es die ersten freien Wahlen. Der Bürgermeister wurde damals vom Gemeinderat gewählt, nicht direkt von den Bürgerinnen und Bürgern. Die Wahl fiel auf den Spenglermeister Ludwig Hohenleitner.

Hohenleitner war bereits 1945 von den Amerikanern als 2. Bürgermeister berufen worden. Zwei Hauptprobleme wurden 1945/1946 benannt: Die Beschaffung von Wohnraum und die Versorgung mit Holz als Brenn- und Baumaterial. "Behelfsheime", hölzerne Wohnbaracken in bescheidener Form, für Flüchtlinge und Heimatvertriebene waren zahlreich und prägten ganze Straßenzüge.

Erst im April 1948 die Bezeichnung Stadt verliehen

Es begannen die Vorarbeiten für eine Baulandumlegung, um Baugebiete mit vernünftig großen und gut erschlossenen Bauplätzen ausweisen zu können. Höhepunkt der Amtszeit Hohenleitners war die Verleihung der Bezeichnung "Stadt" an die Marktgemeinde Marktheidenfeld am 8. April 1948.

Der neu und nun direkt gewählte Bürgermeister Dr. Engelbert Weyer, im Hauptberuf Rechtsanwalt, trat im Frühsommer 1948 das Amt an, wenige Tage vor der Währungsreform. Die Baulandumlegung nahm Fahrt auf, ebenso der soziale Wohnungsbau. Die beiden Abschnitte der Baulandumlegung umfassten 42 Hektar, etwa das Vierfache der Fläche des alten Ortskerns und der bisher bebauten Gebiete.

Dr. Engelbert Weyer, Bürgermeister der Stadt Marktheidenfeld 1948 bis 1950, (links) mit seinem Stellvertreter und Nachfolger Georg Schmitt (rechts), ganz links im Bild Weyers Ehefrau.
Foto: Deubert | Dr. Engelbert Weyer, Bürgermeister der Stadt Marktheidenfeld 1948 bis 1950, (links) mit seinem Stellvertreter und Nachfolger Georg Schmitt (rechts), ganz links im Bild Weyers Ehefrau.

Weyers Amtszeit sollte nur kurz sein, er starb bereits im Januar 1950. Ihm folgte im Amt sein bisheriger Stellvertreter, der Kaufmann Georg Schmitt. Bei den Wahlen 1952 kandidierte Schmitt nicht; zum Bürgermeister gewählt wurde Ulrich Willer. Willer wurde 1956, 1960 und 1966 wiedergewählt.

Das Wirtschaftswunder kam und blieb

Während Willers Amtszeit gründete sich die Warema und baute großzügig am Äußeren Ring und siedelte sich in direkter Nachbarschaft zu Warema die Firma Braun (heute P & G) an. Marktheidenfeld hatte teil am bundesdeutschen Wirtschaftswunder. Neue Baugebiete am Baumhof und an den Birken wurden erschlossen. Willer, ausgebildeter Fahrlehrer und Kfz-Mechanikermeister, war der letzte Bürgermeister im "Nebenamt".

Ulrich Willer, Bürgermeister in Marktheidenfeld 1952 bis 1972.
Foto: Deubert | Ulrich Willer, Bürgermeister in Marktheidenfeld 1952 bis 1972.

Das Jahr 1972 bedeutete in vielerlei Hinsicht einen Einschnitt für die Stadt an Main und Spessart. Im Amt des Bürgermeisters vollzog sich einen Generationenwechsel: Auf Ulrich Willer, Jahrgang 1899, folgte Armin Grein, Jahrgang 1939. Der Marktheidenfelder Bürgermeister war nun hauptamtlich, also berufsmäßig tätig. Der Volksschullehrer Grein übernahm das Bürgermeisteramt in einer Zeit, die von Verwaltungsreformen auf Kreis- und Gemeindeebene geprägt worden ist. Das Landratsamt wurde aus Marktheidenfeld abgezogen, das Amtsgericht wurde abgezogen, vom Finanzamt blieb nur eine Außenstelle.

Schon zum 1. Januar 1972 hatte sich Glasofen nach Marktheidenfeld eingemeinden lassen, während Greins Amtszeit taten dies dann bis 1976 Zimmern, Marienbrunn und Altfeld mit Michelrieth und Oberwittbach. Marktheidenfeld bewältigte eine gewisse Depression, die der Abzug von Ämtern und Behörden ausgelöst hatte. Mit dem "Maradies" entstand eine weit über die Stadtgrenzen hinaus attraktive Freizeitanlage, der Gewerbestandort Marktheidenfeld entwickelte sich sehr gut weiter.

1984 wurde Armin Grein Landrat des Landkreises Main-Spessart. Zum Nachfolger wählten die Marktheidenfelder den Gymnasiallehrer Dr. Leonhard Scherg, der, 1990, 1996 und 2002 wiedergewählt, für 24 Jahre Stadtoberhaupt blieb.

Schmidt-Neder als erste Frau im höchsten Amt der Stadt

Dank großer Finanzkraft konnte die Stadt viele Millionen D-Mark, dann Euro in die Altstadtsanierung investieren, dabei auch in das 1998 eröffnete Kulturzentrum Franck-Haus. Im Dezember 2002 wurde die neue Marktheidenfelder Mainbrücke dem Verkehr übergeben. Wieder ein Novum für Marktheidenfeld gab es 2008: Eine Frau im höchsten Wahlamt der Stadt. Mit der Fachlehrerin Helga Schmidt-Neder bekam Marktheidenfeld zum ersten Mal eine Bürgermeisterin.

Soziale Themen und Projekte spielten in der Kernstadt und in den Stadtteilen eine große Rolle, aber es ging auch um die Stärkung des Gewerbestandortes Marktheidenfeld. Die Bürgerbeteiligung durch Beiräte und Projektgruppen wurde intensiviert. Schon früh hat Schmidt-Neder erklärt, keine dritte Amtszeit anzustreben. Deswegen war klar, dass Marktheidenfeld ab dem 1. Mai 2020 einen neuen ersten Bürgermeister haben würde.

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