Marktheidenfeld

Wie ein Hädefelder vor 252 Jahren in der Bischofs-Lotterie abräumen konnte

Aus Geldnot rief der Würzburger Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim eine Lotterie ins Leben. Ein Marktheidenfelder zog den Hauptgewinn. Wie kam es dazu?
1768 drehte Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim in Würzburg gerne am Glücksrad. 
Foto: Karikatur: Valentina Harth | 1768 drehte Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim in Würzburg gerne am Glücksrad. 

"Nro. 43. 24. 27. 89. 55.", so lauteten am 24. Oktober 1768 die Glückszahlen in Hochstift Würzburg. Eine Woche später berichteten die "Hochfürstlich-Bambergische wöchentliche Frag- und Anzeigenachrichten" über die 25. Ziehung des Hochfürstlichen-Würzburgischen Lottos. Einer der sieben Haupttreffer ging an diesem Montag nach Marktheidenfeld. Der Gewinner hatte seinen Tippschein im "Comptoir Nro. 32 des Herrn Ulsamer zu Markt-Heydenfeld" erworben.

Diese Nachricht lässt ein wenig schmunzeln und staunen. Im Mai 1767 hatte der Würzburger Landesherr, Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim, eine Lotterie ins Leben gerufen. Schon seit der Mitte des 15. Jahrhunderts nutzten gerade kirchliche Einrichtungen das Glücksspiel, um mit den Einkünften daraus besondere Bauten oder soziale Vorhaben zu finanzieren. Im 18. Jahrhundert stand das Lotterie-Geschäft in Deutschland in voller Blüte.

Der 1708 geborene von Seinsheim, ein aus der Nähe von Regensburg stammender Diplomat und Geistlicher, wurde im Jahr 1755 im Hochstift Würzburg zum Bischof gewählt. Zwei Jahre später übernahm er zugleich das einflussreiche Herrscheramt im benachbarten Bamberg. Der "Vater des Vaterlandes", wie er bewundernd genannt wurde, befand sich aber in chronischer Finanznot.

Seinsheim führte die allgemeine Schulpflicht ein

Der Freimaurer und Geist der Aufklärung machte sich um die wirtschaftliche Entwicklung in seinen beiden Herrschaftsgebieten verdient und förderte die Mainschifffahrt unter anderem mit dem Bau des Alten Kranens im Würzburg. Seinsheim reformierte das Schulwesen und führte eine allgemeine Schulpflicht ein. Er reduzierte die Anzahl der katholischen Feiertage und ließ die Basilika Vierzehnheiligen vollenden. In Würzburg wurde die fürstbischöfliche Residenz nach seinen Vorstellungen fertiggestellt. Adam Friedrich von Seinsheim wird eine glänzende Hofhaltung zugeschrieben, so begründete er eine angesehene Hofoper.

Kein Wunder also für seine Untertanen, dass er mit einem neuen System an der Steuerschraube drehte. Die Einführung einer Lotterie war eine weitere Idee, die Einnahmen des Fürstbischofs beträchtlich zu erhöhen. Die Gewinnzahlen wurden offenbar mit einem Glücksrad im Würzburger Rathaus ermittelt. Alle drei Wochen fand eine neue Ziehung statt. So zählte man im Februar 1783 immerhin schon die 282. Ziehung.

Für die Lotterie wurde weithin Werbung gemacht. Zum Beispiel wurde bei der 13. Ziehung im Februar 1768 publikumswirksam verkündet, dass die Gewinne die Einnahmen aus dem Lotto weit überstiegen hätten und dies für die Spieler doch wirklich von hoher Attraktivität und Trefferchance zeuge. Die Lottoscheine waren bei vielen Kaufleuten in ganz Deutschland von Augsburg über Nürnberg bis hin nach Köln und Hamburg zu erwerben. Unter diesen "Comptoirs" befanden sich offenkundig auch jüdische Handelsleute.

Weinhändler Ulsamer war Wirt im "Goldenen Fass"

Wer jedoch im Jahr 1768 der glückliche Marktheidenfelder Lotto-König war, wissen wir freilich nicht und auch nichts über die Höhe seines Haupttreffers. Lediglich über den Herrn Ulsamer in dessen Comptoir der Tippschein gekauft worden war, gibt es Interessantes zu berichten. Leonhard Scherg konnte als Experte der Ortsgeschichte den Namen dem Weinhändler Joseph Andreas Ulsamer (1719-1785) zuordnen, der aus Freudenberg am Main nach Marktheidenfeld gekommen war. Er wird als "caupo ad signum vasis aurei" sozusagen als Wirt des "Goldenen Fasses" und als Mitglied des Dorfgerichts von Marktheidenfeld verzeichnet.

Einer seiner sechs verzeichneten Nachfahren ist Johann Paulus Ulsamer, ein Weinhändler am Marktplatz im späteren Anwesen des Gasthauses "Zur Post", dem heutigen griechischen Restaurant "Thessaloniki". Mit dem Namen Ulsamer ist auch das einstige Gasthaus "Schwarzer Adler" verknüpft. Neben den Weinhändlern und Wirten Ulsamer gab es auch eine Verwandtschaftslinie von Schiffern, bevor der Name in der Mitte des 19. Jahrhunderts wieder aus Marktheidenfeld verschwand.

Der Lohrer Franz Ludwig von Erthal beendete den Prunk

Die Würzburger Lotterie sollte ebenso bald der Vergangenheit angehören, denn mit Fürstbischof von Seinheims Nachfolger, Franz Ludwig von Erthal, kehrte ein ganz anderer Geist ein. 1779 wurde der aus Lohr stammende Adlige Fürstbischof von Bamberg und Würzburg, nachdem sein Vorgänger verstorben war. Er beendete den Prunk am Würzburger Hof, schaffte Dinge wie Jagdvergnügen, Hofoper oder -theater kurzerhand ab.

Die Lotterie seines Vorgängers sah der neue katholische Landesherr als verderblich für den Charakter. 1785 stellte er sie kurzentschlossen ein, als gerade auch ein Pamphlet in Würzburg kursierte. Darin wurde "Madame Lotto" als die Maitresse des Bürgers bezeichnet. Ursprünglich aus Genua stammend, habe sie sich in "Teutschland" häuslich niedergelassen, um vom Tagelöhner bis zum Fürsten alle Menschen in ihren Bann zu ziehen. In Jahr darauf verbot Fürstbischof von Erthal die Beteiligung an allen Zahlenlotterien im Hochstift Würzburg.

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