Marktheidenfeld

Wo holt man im Garten Süri?

Auftakt der Wintervortagsreihe des Würzburger Unibunds: Vorsitzender Dr. Leonhard Scherg dankte Dr. Monika Fritz-Scheuplein vom Unterfränkischen Dialektinstitut.
Foto: Martin Harth | Auftakt der Wintervortagsreihe des Würzburger Unibunds: Vorsitzender Dr. Leonhard Scherg dankte Dr. Monika Fritz-Scheuplein vom Unterfränkischen Dialektinstitut.

Mit seiner Vortragsreihe "Hörsaal on Tour" möchte der Universitätsbund Würzburg den Austausch zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit fördern. Dem fühlt sich auch die Volkshochschule in Marktheidenfeld verpflichtet, wie ihr Vorsitzender Dr. Leonhard Scherg am Dienstagabend betonte.

"Von Kobbeleskaas, Friiseli und Fasäälich – Dialektales aus dem Themenbereich Essen und Trinken in Unterfranken" war der Vortrag von Dr. Monika Fritz-Scheuplein überschrieben. Sie ist Mitarbeiterin am Unterfränkischen Dialektinstitut, einer dank der Förderung des Bezirks Unterfranken einmaligen Einrichtung am Würzburger Lehrstuhl für deutsche Sprachwissenschaft.

Fritz-Scheuplein war schon mehrfach mit unterhaltsam-informativen Vorträgen zum vielfältigen Sprachraum Unterfranken in Marktheidenfeld zu Gast. Dieses Mal kam allerdings nur ein Dutzend Zuhörer in den Vortragsraum im Alten Rathaus. Der Vorsitzende hoffte bei den weiteren vier Vorträgen der Unibund-Reihe zu aktuellen Themen auf wachsende Beteiligung.

Die Referentin wollte aufzeigen, dass Unterfranken mit seinen vielen kulinarischen Spezialitäten auch zahlreiche Besonderheiten in der Mundart der Regionen aufweist. Dazu griff sie zu Verbreitungskarten von Wortformen zurück, die nach Befragungen in den 1990er Jahren bei der Forschung für den Sprachatlas für Unterfranken entstanden waren. Die Zuhörer rätselten schon vor dem Vortrag, was sich hinter den Begriffen Kobbeleskaas, Friiseli oder Fasäälich verbergen könnte. Einige hatten bereits eine Ahnung davon.

Der Unterfränkische Sprachraum, so zeigte Fritz-Scheuplein ist so vielfältig wie kaum eine andere deutsche Region und mit dem Verlauf der Spessartbarriere zwischen dem Unterostfränkischen und dem mitteldeutschen Sprachgebiet mit Ausdrücken aus dem Hessischen nicht hinreichend erklärt. So machen sich auch weitere Nachbarregionen, wie Baden, Thüringen oder Mittelfranken mit eigenen Wortbildungen in den örtlichen Dialekten deutlich bemerkbar.

Oft aus dem Mittelhochdeutschen

Die Wortherkunft kann oft aus dem Mittelhochdeutschen, aus dem Lateinischen oder benachbarten Sprachen erschlossen werden. Nicht immer gelinge das hinreichend begründet, findet auch die Würzburger Sprachforscherin. Manchmal seien unerklärliche Begriffsinseln vorhanden, die schwer genau zu erfassen seien.

Man dürfe auch nicht außer Acht lassen, dass Sprache und Dialekte einer steten Weiterentwicklung unterlägen. Worte verschwinden, neue Worte kommen oft mit neu zugezogenen Menschen hinzu. Als Beispiel wurde eine Speisekarte im Dialekt vorgeführt, die gerade von Einheimischen als unlesbar kritisiert wurde.

Mundart ist in erster Linie eine gesprochene Form, die schriftlich nur unzureichend fixiert werden kann. Im Kulinarischen dominiere zum Beispiel gegenwärtig das als anheimelnd propagierte Bayerische und so würden aus den Fleckle auf unterfränkischen Dialekt-Speisekarten heute plötzlich Fleckerl und der Gerupfte weiche auf einmal dem Obatzten.

Kleinräumig verwendet

Wie kleinräumig die Verwendung einzelner Worte, Wortformen und Lautbildungen in den örtlichen Dialekten ist, war anhand der ausgewählten Beispiele gerade auch für den Raum Marktheidenfeld gut nachzuvollziehen. Fritz-Scheuplein bewegte sich durch das Menü, von der Gretelbrüh‘, über Kääs und Rahm zu Sauertäch oder Broot.

Bei Marktheidenfeld wird der Pfannkuchen eben zum Pfankel. Selbst nur zwei Buchstaben im Wort Ei können sich in Unterfranken zu Ai, Oa, Aa, Äa oder gar Oi wandeln. Vielfältig sind die Bedeutungen und Formen des Wortes Most und der Schaum auf dem Bier kann regional auch schon mal Jaast, Gusch oder Borte heißen, was man in Marktheidenfeld wohl kaum verstehen würde.

Blieben noch die Worte aus dem Titel des Vortrags von Monika Fritz-Scheuplein. Hinter Kobbeleskaas verbirgt sich der Quark, der bei uns Matte heißt, wenig östlich schon Klumpen und noch ein wenig weiter Biebeles- oder Ziebeleskäse. Fassäälich – das sind auf Unterostfränkisch Bohnen mit romanischer Begriffsableitung (Italienisch: Fagioli).

Blieben noch die geheimnisvollen Friiseli, bei uns der Schnittlauch, andernorts auch Frießlaub, Graslaub, Grieseling, Graselein oder Graseling. Und wo gibt es dafür völlig unerklärlich auf einmal das Wort Süri? Im nahen Neubrunn und auch in Oberaltertheim, wie sich eine Teilnehmerin aus ihrer Jugendzeit erinnerte.

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