Wittighausen

Wie das Wachtelland auch ohne Förderung wachsen soll

Auf einer größeren Fläche will die Firma Wachtelland ihre neue Produktions- und  Verkaufsstätte in Wittighausen errichten. Weitere Firmen sollen auf dem 7,6 Hektar großen Areal dazukommen.
Foto: Matthias Ernst | Auf einer größeren Fläche will die Firma Wachtelland ihre neue Produktions- und Verkaufsstätte in Wittighausen errichten. Weitere Firmen sollen auf dem 7,6 Hektar großen Areal dazukommen.

Vier Förderanträge hatte die Gemeinde Wittighausen beim Förderprogramm Entwicklung Ländlicher Raum (ELR) für dieses Jahr gestellt. Und alle vier wurden abgelehnt. Dies ist umso erstaunlicher, weil es noch im Herbst vergangenen Jahres vom Ministerium für ländlichen Raum und Verbraucherschutz in Stuttgart hieß, dass die Mittel noch nicht ausgeschöpft seien und man fleißig Anträge stellen sollte.

Wittighausen Bürgermeister Marcus Wessels ist stinksauer, dass seine Gemeinde bei der Förderung leer ausging. "Fast alle Kommunen im Main-Tauber-Kreis wurden bedacht, nur wir nicht". Dabei passen die Projekte genau in die Schubladen, die in diesem Jahr besonders gefördert werden sollten. Die Schaffung von Nahversorgung, der Ausbau von Gastronomie und die Schaffung von Wohnraum im ländlichen Raum. "Dies alles waren Förderschwerpunkte, aber wir sind leer ausgegangen", erbost sich Wessels. Insgesamt 4,5 Millionen Euro wurden für 79 Projekte im Kreis bewilligt, die gesamte Summe der Anträge auf Förderung für Wittighausen lag bei 1,2 Millionen Euro.

Größter Anbieter von Produkten um die Wachtelzucht

Dabei bezieht sich ein Antrag auf die Schaffung von Wohnraum im Zentrum von Unterwittighausen, die anderen drei auf die Errichtung eines Gewerbegebietes und die Ansiedlung einer Wachtelzucht- und Vertriebsfirma in eben diesem Gebiet. "Ich bin sehr enttäuscht vom Land und den lokalen Politikern", gibt Bürgermeister Wessels zu.

Und Michael Volk, Inhaber und Geschäftsführer der Firma "Wachtelland", die sich in Wittighausen niederlassen will, spricht ähnlich. "Wir sind weit mehr, als ein kleines Geschäft", verdeutlicht er die Situation. Man habe sich seit 2013 zum größten Anbieter von Produkten rund um die Wachtelzucht entwickelt. "Allein im Januar 2021 haben wir ein Umsatzplus von 120 Prozent gegenüber dem Vorjahr gemacht. Wir expandieren stark". Am derzeitigen Standort in Obersulm sei man an der Grenze der Produktionsfähigkeit angekommen und hatte dringend nach einer neuen Produktionsstätte gesucht.

Lärmvorschriften für Legehennen

Im Juni 2019 gab es die erste Kontaktaufnahme von Michael Volk zur Gemeinde Wittighausen. Seitdem wird geplant und irgendwie versucht, das Projekt umzusetzen. Aber "keiner nimmt die Wachteln für voll", empfindet Michael Volk. Man passe in keine Schublade, hat er bei seinem Gang durch die Behörden festgestellt. "Immer wieder werden uns Steine in den Weg gelegt". Obwohl Wachteln nicht mit Legehennen vergleichbar sind, will das Landratsamt bei den Lärmvorschriften unbedingt die Vorschriften für Legehennen anwenden. "Dabei wiegt eine Wachtel nur ungefähr ein Drittel einer Henne und macht fast keine Geräusche".

Obwohl eine Wachtel nur rund ein Drittel einer normalen Legehenne wiegt, sollen für sie dieselben Vorschriften bei der Haltung gelten.
Foto: Matthias Ernst | Obwohl eine Wachtel nur rund ein Drittel einer normalen Legehenne wiegt, sollen für sie dieselben Vorschriften bei der Haltung gelten.

"Wir planen nur mit zwei bis acht Tieren pro Quadratmeter. Laut Bioland Verordnung wären im Kaltstall bis zu 30 Tiere möglich, davon noch 50 Prozent auf Gittern", so Volk. Beim Wachtelland will man zudem die Haltung ohne Gitter im Freien und im Stall. Außerdem sei ein Café´mit regionalen Produkten und der Verkauf der Wachteln geplant.

Spatenstich für Anfang Juli geplant

"Das Wachtelland ist die Erfüllung eines Traumes", gibt Michael Volk zu. Deshalb will er auch an der Planung festhalten und knapp 9,5 Millionen Euro in Wittighausen investieren. "Unsere Hausbank unterstützt uns, wo es geht und glaubt an das Projekt". Anders sieht es da bei der Förderung durch das Land aus. Trotz anderslautender Werbung der L-Bank auf deren Internetseite, die eine Förderung für jedes Projekt im ländlichen Raum verspricht, bekomme die Firma Wachtelland keine Förderung, so Volk.

Einen großen Teil ihres Umsatzes macht die Firma Wachtelland mit der Erzeugung von Futtermitteln für die Wachtelzucht, die weltweit verschickt werden.
Foto: Matthias Ernst | Einen großen Teil ihres Umsatzes macht die Firma Wachtelland mit der Erzeugung von Futtermitteln für die Wachtelzucht, die weltweit verschickt werden.

"Uns tut die Ablehnung der ELR-Förderung richtig weh, aber wir wollen das Projekt auf jeden Fall durchziehen", beteuert Bürgermeister Wessels. Auch wenn es Einwände seitens der Bevölkerung gibt bei der Aufstellung des Bebauungsplanes, die überwiegende Mehrheit steht zu der Gewerbeansiedlung. Man will den gemeinsam begonnen Weg weitergehen und in der Märzsitzung des Gemeinderates die nächste Auslegungsrunde beschließen.

Für Anfang Juli plant die Firma Wachtelland den Spatenstich und die Einweihung des Logistikbereiches spätestens im Februar 2021. Mit einer kleinen Verzögerung soll dann der Stall folgen und im Juli 2022 dann auch die Verwaltungsräume mit dem Verkauf.

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