Tauberbischofsheim

Wie wird die Tauberbischofsheimer Innenstadt lebendiger?

Architektur, Stadtgestaltung und Baukultur sind Thema der Veranstaltungsreihe 'Kaleidoskop Tauberbischofsheim'. Den Auftakt machte Architekt Christian Brückner in einem virtuellem 'Gespräch zur Baukultur'. Das Bild zeigt die untere Fußgängerzone in Tauberbischofsheim.
Foto: Ulrich Feuerstein | Architektur, Stadtgestaltung und Baukultur sind Thema der Veranstaltungsreihe "Kaleidoskop Tauberbischofsheim". Den Auftakt machte Architekt Christian Brückner in einem virtuellem "Gespräch zur Baukultur".

Was macht einen Stadtkern attraktiv und lebendig? Das erste (virtuelle) "Gespräch zur Baukultur" in Tauberbischofsheim rückte die Innenstadt in den Fokus. Kurzvorträge renommierter Architekten und Stadtgestalter samt einer Podiumsdiskussion mit Bürgermeisterin Anette Schmidt gaben Impulse für die Stadtgestaltung.

"Kaleidoskop Tauberbischofsheim" ist eine neue Veranstaltungsreihe des Kunstvereins Tauberbischofsheim in Kooperation mit dem Bund Deutscher Architekten (BDA) Heilbronn-Franken. Das Format will Architektur, Stadtgestaltung und Baukultur in den Blick nehmen. Die Initiative dazu ging von Johannes Sack aus, der zusammen mit der Architekturjournalistin Mariella Schlüter für die inhaltliche Planung verantwortlich ist. Der aus Tauberbischofsheim stammende Architekt ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU München.

Beispiele machen das Anliegen anschaulich. Christian Brückner hatte einige davon in seinem Portfolio. Seit 1996 führt er mit seinem Bruder Peter das Architektenbüro Brückner & Brückner. Aus Tirschenreuth stammend, kamen die beiden über den Wettbewerb des Kulturspeichers in Würzburg mit der Region in Berührung. Das mittlerweile recht umfangreiche Werk des Architektenduos enthält Beispiele für die behutsame Erneuerung und Entwicklung historischer Baubestände, aber auch bemerkenswerte Neubauten, mit denen die örtlichen Bautraditionen zeitgemäß neu interpretiert werden.

Denkmalschutz mit modernen Elementen

Das ehemalige Kommunbrauhaus in Schönsee in der Oberpfalz ist ein solches. Nach Sanierung und Umbau befindet sich das Centrum Bavaria Bohemia, ein bayerisch-böhmisches Kulturzentrum, in den historischen Räumen. Die gelungene Verbindung denkmalgeschützter Bausubstanz mit modernen Elementen ist mehrfach ausgezeichnet worden.

"Wir wollten das Gestern mit dem Heute und der Zukunft verbinden", so Christian Brückner bei der Vorstellung. Bei dem Projekt sei es ihnen als Planer wichtig gewesen, dass seine Verwurzelung im Ort zu spüren ist und es Flügel entwickeln darf. "Das Gebaute erhielt eine eigene Seele."

Die IGZ Softwarescheune, ein Neubau in Markt Falkenberg, verbindet nach Brückners Angaben die virtuelle Welt mit der Region. Einem Bauernhof nachempfunden, füge das Gebäude sich in seiner Kombination von Stein und Holz ein in die Typologie der Landschaft. Mit den Gläsern tritt es, so Brückner, in den Dialog zum Menschen.

Interdisziplinärer Austausch

"Yalla Yalla! – studio for change" nennt sich das 2014 von Robin Lang und Wulf Kramer in Mannheim gegründete Büro. "Wir sind eine Architekturbüro, das eigentlich wenig Architektur macht", erklärte Wulf Kramer in seinem Impulsvortrag. Vielmehr habe man sich der Gestaltung von Räumen in unterschiedlichsten Maßstäben verschrieben. Der Gestaltungsbegriff umfasse dabei räumliche, soziale und gesellschaftliche Aspekte.

"Bei unserem Ansatz spielt die Zusammenführung verschiedener Akteure und der interdisziplinäre Austausch mit Fach- und Alltagsexperten eine zentrale Rolle", so Kramer. Kontextbezogenes Wissen, ein innovativer Ansatz und Kreativität bildeten dabei die Grundlage für Projekte aller Art. "Vor diesem Hintergrund entwerfen wir individuelle Innenräume, entwickeln Aktivierungs- und Nutzungskonzepte für urbane Rest- und Brachflächen, beraten Vereine und Initiativen sowie Verwaltungen bei der Umsetzung ihrer Vorhaben und Prozesse."

Der Sonnenplatz am oberen Ende der Fußgängerzone in Tauberbischofsheim: Wie macht man eine Innenstadt attraktiv? Um diese Frage geht es unter anderem in der Veranstaltungsreihe 'Kaleidoskop Tauberbischofsheim' .
Foto: Ulrich Feuerstein | Der Sonnenplatz am oberen Ende der Fußgängerzone in Tauberbischofsheim: Wie macht man eine Innenstadt attraktiv? Um diese Frage geht es unter anderem in der Veranstaltungsreihe "Kaleidoskop Tauberbischofsheim" .

Die Podiumsdiskussion eröffnete Anette Schmidt. Tauberbischofsheims Bürgermeisterin sprach von "Puzzleteilen", die ineinandergreifen müssen, um eine attraktive Innenstadt zu formen. Sie sei in Kontakt mit Hauseigentümern und Vermietern, führe Gespräche mit Einzelhändlern und Gastronomen. Schmidt räumte ein, dass die Stadt auch auf die Initiative privater Eigentümer angewiesen sei, die man nach Kräften unterstützen wolle.

Den Einzelhandel nicht aufgeben

Befürchtungen, dass Corona für noch mehr Leerstände in der Innenstadt sorge, versuchte die Bürgermeisterin entgegenzutreten. "Ich habe den Einzelhandel noch nicht abgeschrieben", betonte sie. Auf ihn allein bauen wollte sie freilich nicht. "Nicht alle werden zurückkommen."

In der Diskussion kamen auch kritische Stimmen zu Wort. Thomas Götzinger bemängelte, dass ein "Masterplan" fehle. Mit dem Millionenprojekt "Tauberpark" werde zudem ein "Gegenimpuls" gesetzt, der dazu führe, dass die die Innenstadt weiter ausblute.

Schmidt verwies stattdessen auf die geplante Neugestaltung am Sonnenplatz, die für eine Aufwertung sorgen soll. Mit einem neuen Sanierungsgebiet am östlichen Stadteingang ließen sich weitere Akzente setzen. Sie könne sich gut vorstellen, die Tauber zu öffnen und erlebbar zu machen – soweit es der Hochwasserschutz zulasse.

Dem Auftakt folgen weitere Gesprächsrunden. Am Montag, 29. März, heißt es "Fokus Bestand – Ressource, Ort, Wirklichkeit". Als Referenten sind Kerstin Müller vom Baubüro "in situ" Basel und Reiner Nagel, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur Potsdam zu hören.

Beginn der digitalen Konferenz ist um 18 Uhr. Anmeldung über die Homepage des Kunstvereins: www.kv-tbb.de

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Main-Tauber und erhalten Sie zweimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Themen & Autoren
Tauberbischofsheim
Ulrich Feuerstein
Architekturbüros
Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände
Bürgermeister und Oberbürgermeister
Büros
Christian Brückner
Einzelhandel
Einzelhändler
Gebäude
Kerstin Müller
Kunstvereine
Mitarbeiter und Personal
Podiumsdiskussionen
Technische Universität München
Vermieter
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!