Bad Mergentheim

Wurde Beethoven in Bad Mergentheim entdeckt?

Im Bad Mergentheimer Schloss spielte der junge Beethoven 1791 zusammen mit dem Bonner Hoforchester.
Foto: Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg | Im Bad Mergentheimer Schloss spielte der junge Beethoven 1791 zusammen mit dem Bonner Hoforchester.

War Mergentheim der Ort, an dem Ludwig van Beethovens Genie entdeckt wurde? Tatsächlich war es der Musiker und Komponist Carl Ludwig Junker, der hier am 19. September 1791 den jungen Kollegen hörte – zutiefst beeindruckt von der "Virtuosengröße" Beethovens. Wahrscheinlich sei es das Zeugnis dieses Hohenloher Musikers gewesen, das erstmals die Zeitgenossen auf den jungen Beethoven aufmerksam werden ließ, wie es in einem Presseschreiben des Bad Mergentheimer Residenzschlosses heißt.

2020 ist das Beethoven-Jubiläumsjahr: Der Musiker wurde vor 250 Jahren, im Dezember 1770, geboren. Mit 20 Jahren, im Jahr 1791, hielt er sich im Residenzschloss Mergentheim auf: Damals fand hier das Generalkapitel des Deutschen Ordens statt. Beethoven reiste im Gefolge des Hochmeisters; er war Bratscher im Bonner Hoforchester des geistlichen Fürsten Maximilian Franz.

Junker schrieb über die bekannten und führenden Ensembles und Musiker seiner Zeit

Auch Carl Ludwig Junker (1747-1797) aus Bonn hielt sich 1791 in Bad Mergentheim auf. Junker, aufgewachsen in Kirchberg an der Jagst, hatte am Hof von Kirchberg Musik und Kunst kennengelernt. Nach dem Theologiestudium kehrte er als Pfarrer zurück nach Hohenlohe. Bekannt wurde er vor allem als Musiker und Autor, der über Musik schrieb. Er beobachtete und begleitete die musikalische Entwicklung seiner Zeit und schrieb über die bekannten und führenden Ensembles und Musiker an den Höfen von Mannheim, Stuttgart und Köln. Außerdem war Carl Ludwig Junker ein Komponist, allein 24 Symphonien und 13 Klavierstücke stammen von ihm, so das Presseschreiben weiter.

Ludwig van Beethoven (1770-1827).
Foto: Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg | Ludwig van Beethoven (1770-1827).

Neben den vielfältigen Orchesterdiensten beim Generalkapitel im Mergentheimer Residenzschloss und in der Schlosskirche trat Ludwig van Beethoven auch als Pianist bei einem privaten Konzert auf. Junker schreibt: "Noch hörte ich einen der größten Spieler auf dem Klavier, den lieben guten Beethoven. Zwar ließ er sich nicht im öffentlichen Konzert hören; weil das Instrument seinen Wünschen nicht entsprach. … Man kann die Virtuosengröße dieses lieben, leisegestimmten Mannes, wie ich glaube, sicher berechnen, nach dem beinahe unerschöpflichen Reichtum seiner Ideen, nach der ganz eigenen Manier des Ausdruckes seines Spiels, und nach der Fertigkeit, mit welcher er spielt."

Beethovens täglich Brot waren die vielen Einsätze im Orchester

Junker kennt die Musiker der Zeit und er vergleicht Beethoven: "Sein Spiel unterscheidet sich auch so sehr von der gewöhnlichen Art, das Klavier zu behandeln, dass es scheint, als habe er sich einen ganz eigenen Weg bahnen wollen, um zu dem Ziel der Vollendung zu kommen, an welchem er jetzt steht." Das tägliche Brot Beethovens aber waren die vielen Einsätze im Orchester des Hochmeisters: Das Ensemble spielte oft mehrmals am Tag – die Hofmusik gehörte zur fürstlichen Repräsentation. Das Niveau war hoch, wie Junker berichtet: "Selten wird man eine Musik von der Art finden, die so gut zusammenstimmt, so gut sich versteht, und besonders im Tragen des Tons einen so hohen Grad von Wahrheit und Vollkommenheit erreicht hätte, wie diese."

Die Prunkräume des Hochmeisters, die beim Rundgang durch das Schloss heute zu erleben sind, vermitteln einen Eindruck vom damaligen Glanz. Hier habe sich weitgehend die Ausstattung vom Ende des 18. Jahrhunderts erhalten. Ebenfalls wie zu Beethovens Zeit präsentiert sich die Schlosskirche, in der die Hofkapelle spielte. Verschwunden sei laut Pressemitteilung lediglich die "Sala terrena", der Gartensaal, der im Süden an das Schloss angebaut war. Das schlichte Gebäude, das 1823 abgerissen wurde, bot einen großen Saal und zwei anschließende kleine Räume.

Das Residenzschloss Mergentheim kann von Mittwoch bis Sonntag und an Feiertagen von 10.30 bis 17 Uhr besucht werden. Derzeit gibt es dort die interaktive Ausstellung: "Rom lebt! Mit dem Handy in die Römerzeit". Die Ausstellungsräume zur Jungsteinzeit sind aktuell geschlossen. Der Schlossgarten ist tagsüber frei zugänglich.

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