Bad Neustadt

Alt hilft Jung: Senioren beraten Unternehmensgründer

Sie hatten ein bewegtes Berufsleben und geben ihre Erfahrung gerne weiter: Die Aktivsenioren beraten Gründer und Unternehmer. Auch die Senioren profitieren von dem Ehrenamt.
Die Aktivsenioren unterstützen Existenzgründer und kleinere Betriebe mit Rat und Fachwissen. Im Bild von links: Dieter Scheffler (Marktheidenfeld, Aktivsenior), Jörg Geier (Leiter der Stabsstelle Kreisentwicklung), Kerstin Rosin (Netzwerkbüro Ehrenamt), Joachim Glück (Oberstreu, Aktivsenior) und Landrat Thomas Habermann.
Foto: Carolin Schulte | Die Aktivsenioren unterstützen Existenzgründer und kleinere Betriebe mit Rat und Fachwissen. Im Bild von links: Dieter Scheffler (Marktheidenfeld, Aktivsenior), Jörg Geier (Leiter der Stabsstelle Kreisentwicklung), ...

Eine Praxis für Katzentherapie und eine Partnervermittlung hat Dieter Scheffler schon aufgebaut, einem Transportunternehmen geholfen, als plötzlich ein Großkunde wegbrach, und einem Bäcker erklärt, wie er seinen Betrieb fit macht für die Übergabe an die nächste Generation – und das alles ehrenamtlich und in seinem Ruhestand. Denn seit 14 Jahren engagiert er sich bei den "Aktivsenioren": Die Mitglieder des Vereins sind Rentner, die ihre Berufs- und Lebenserfahrung nutzen, um in ganz Bayern Gründer und Unternehmer zu beraten. 

Scheffler ist 79 und fährt regelmäßig aus Marktheidenfeld (Lkr. Main-Spessart) zu "Kunden" im Landkreis Rhön-Grabfeld. Seit einem Jahr unterstützt ihn hier nun der 66-jährige Joachim Glück aus Oberstreu. Beide haben ein bewegtes Berufsleben hinter sich: Glück im Bereich Energieversorgung, Scheffler im Vertrieb und später als selbstständiger Berater für den Sportfachhandel.

Scheffler und Glück helfen zum Beispiel bei der Unternehmensgründung: Sie besprechen mit dem Gründer seine Idee, helfen eine Zielgruppe einzugrenzen, arbeiten Finanzierungsstrategien aus. "Unser Ziel ist immer, dass aus der Gründung ein tragfähiges Geschäftsmodell entsteht, von dem man leben kann", sagt Scheffler. 

In neue Themen einarbeiten

Dabei werden sie oft mit Themen konfrontiert, die ihnen vorher eventuell völlig fremd waren. "Wir müssen uns da hineindenken und herausfinden, ob die Idee gut ist, sich das Modell finanzieren kann, und so weiter", erklärt Scheffler. Vom Qualitätsmanagement im Lebensmittelhandel bis zum Bau eines Reitstalls reicht die Bandbreite seiner Projekte.

Die Eröffnung der Katzentherapie-Praxis ist ihm besonders im Gedächtnis geblieben: Ob so eine Praxis wirtschaftlich sein kann, sei schwer herauszufinden gewesen. Wie viele Katzen gibt es in der Region, wie viele brauchen eine Therapie und wie viele Katzenbesitzer sind bereit, sich darauf einzulassen? "Hier war die Persönlichkeit der Gründerin entscheidend", erinnert sich Scheffler. "Die junge Frau war so überzeugt davon, dass sie das kann – und das Konzept ist aufgegangen."

Das Angebot der Aktivsenioren richtet sich jedoch nicht nur an Start-ups - auch etablierte Unternehmer können sich für guten Rat an sie wenden: bei drohender Insolvenz, wenn es darum geht, das Unternehmen zu vergrößern, oder das Unternehmen an einen Nachfolger zu übergeben. 

Unterstützung vom Landratsamt

Die Beratung hat kein Zeitlimit, "wir bleiben so lange, bis das Problem gelöst ist", sagt Scheffler ausdrücklich. Oder bis es kein Problem mehr gibt: "Es gibt auch Projekte, bei denen wir Unternehmen raten, lieber die Finger davon zu lassen.

Wer ihre Hilfe sucht, kann die Senioren direkt kontaktieren oder zu ihren Sprechtagen im Landratsamt kommen. "Nach einem ersten Gespräch erteilen uns die Unternehmer dann einen offiziellen Auftrag", erklärt Scheffler das Verfahren. Der Verein ist gemeinnützig, die Beratung für Interessenten extrem günstig: 100 Euro zahlen Gründer, 150 Euro etablierte Unternehmer. Daraus bezahlt der Verein zum Beispiel Versicherungen für die Mitglieder und zahlt Fahrtkosten. 

Unterstützt wird der Verein zusätzlich vom Landratsamt, finanziell und organisatorisch. Landrat Thomas Habermann betont, wie wichtig das Angebot für den Landkreis ist: "Sie gleichen aus, was manchem Gründer fehlt, der sich vielleicht mit Betriebswirtschaft auskennt, aber dem menschliche Erfahrung fehlt – oder umgekehrt."

Das Ehrenamt hält ihn fit

Etwa vier Stunden am Tag, jeden Tag, investiert er in die Arbeit für die Aktivsenioren, schätzt Scheffler. Er fährt zu Beratungsterminen, recherchiert, schreibt Businesspläne. Auch wenn er für seine Beratertätigkeit kein Geld bekommt, erhält Scheffler doch eine Art Lohn für seine Arbeit: "Das Ehrenamt fordert täglich mein Gehirn, so bleibe ich fit", sagt er. Auch deshalb wünscht er sich noch mehr Mitglieder im Verein.

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