Bad Neustadt

Arte-Film über die Rhön: "Birkhühner wecken Emotionen"

Mit "Mission Birkhuhn" hat der Dokumentarfilmer Florian Guthknecht ein spannendes Road-Movie von Fladungen in der Rhön bis nach Schweden gedreht.
Dem Sieger schenkt das Birkhuhn seine Gunst. Unser Bild zeigt Birkhähne bei der Balz. Es wurde in Schweden aufgenommen. Dorthin war Torsten Kirchner mit seinem Team und Kameraleuten gereist, um Birkwild zu fangen und in die Rhön umzusiedeln.
Foto: Torsten Kirchner | Dem Sieger schenkt das Birkhuhn seine Gunst. Unser Bild zeigt Birkhähne bei der Balz. Es wurde in Schweden aufgenommen.

Der einsame Rhöner sitzt im Nebel, flicht Körbe und singt von Todessehnsucht getragene Lieder. So oder so ähnlich wird die Rhön oft in Filmen dargestellt, findet Landrat Thomas Habermann.

Der neueste Film bedient dieses Klischee nicht. "Mission Birkhuhn. Die Rettung der tanzenden Vögel" heißt er. Er wird am Donnerstag, 10. September, um 17.50 Uhr auf Arte ausgestrahlt. Vorab wurde der Film am Dienstagnachmittag in der Bad Neustädter Stadthalle vor Fachpublikum gezeigt. 

Der renommierte Dokumentar- und Tierfilmer  Florian Guthknecht ist auf das Thema Rhöner Birkwild und die Bemühungen um den Erhalt des Bestands aufmerksam geworden. Ein halbes Jahr lang sind er und ein Team des Bayerischen Fernsehens und von Arte.TV zusammen mit Torsten Kirchner dem „kleinen Hahn“ gefolgt.

Schutzpatron der Birkhühner

Der Wildland-Gebietsbetreuer für die Lange Rhön und "Schutzpatron der Birkhühner", wie er in dem Film bezeichnet wird, hat die Schutzmaßnahmen in den vergangenen Jahren organisiert. Denn, so ist Kirchner überzeugt: Stirbt das Birkwild aus, das Flaggschiff unter den Arten der Hochrhön, dann könnte dieses Schicksal auch andere seltene Arten ereilen. Er war es auch, der ein außergewöhnliches Projekt gestartet hat: die "Mission Birkhuhn", die Umsiedlung von schwedischen Tieren in die Rhön, die dem Film seinen Titel gab.

Aufnahmen von der spektakulären Birkwildbalz in Rhön entstanden, auch die Frühjahrszählung wurde filmisch begleitet. Die Tausende Kilometer lange Fahrt der freiwilligen Helfer aus der Rhön nach Schweden, die mühsame Fangaktion im schwedischen Moor und die Auswilderung der schwedischen Tiere in der Rhön standen ebenfalls auf dem Drehplan.

Es hat öfters mal geraucht

Das Publikum beim Preview war von dem Film begeistert. "Da bleibt was für die Zukunft", sagte Landrat Thomas Habermann, der die Bilder faszinierend fand. Der Film erzähle die Geschichte über die Rettung des Birkwilds realistisch und mache sehr nachdenklich.  

Florian Guthknecht  gab das Lob an Torsten Kirchner und sein Team zurück. "Ich bin nur das Medium für das, was die Akteure da reinstecken." Das Team um Kirchner sei eine homogene Gruppe. Das mache ihm Hoffnung, dass das Birkwild-Projekt erfolgreich umgesetzt werde.

Und dann hatte Torsten Kirchner, neben den Birkhühnern der Hauptdarsteller des Films, seinen Auftritt. In Moonboots, dickem Parka, schwarzem Schal, Handschuhen und Fellmütze trat er ans Mikrofon. In diesem Outfit sei er im Film meistens zu sehen, erklärte er. Und er musste es auch tragen, als er im Mai, bei 25 Grad plus, zu einigen Nachdrehs antreten musste. Und er verhehlte auch nicht, dass es während der Dreharbeiten zwischen dem "Dreamteam Guthknecht und Kirchner" öfters "auch mal geraucht hat". 

"Wir müssen alles versuchen"

"Birkhühner wecken Emotionen", bekannte Kirchner. Das sehe man alleine daran, dass bei den Birkhuhnzählungen bis zu 130 Interessierte nachts in der Rhön im Auto schlafen und sich weit vor Sonnenaufgang aufmachen, um die empfindlichen Tiere zu suchen. "Können wir sie über die Runden bringen?", fragte Kirchner, und gab auch gleich die Antwort: "Ich kann es nicht sagen, aber wir müssen alles versuchen."

Diese Ansicht vertritt auch Wolfgang Schiefer, Vorstandsvorsitzender der Wildland-Stiftung Bayern. Das Birkhuhn gelte als "Flaggschiff" unter den Arten der Hochrhön und sei die am intensivsten beobachtete Tierart im Unesco-Biosphärenreservat Rhön. Das Birkhuhn-Projekt zähle zu den ältesten und wichtigsten Projekten der Wildland-Stiftung, der Naturschutzstiftung des Bayerischen Jagdverbands.  

Auch er hatte keine Antwort auf die Frage, warum sich das Birkwild trotz aller Anstrengungen in der Rhön nicht vermehrt. Er machte aber auch Mut: "Naturschutz hat einen langen Atem, da sind 20 Jahre nichts." Das Projekt habe viele finanzielle Unterstützer, sagte er. Besonders bedankte er sich bei den Sponsoren Mineralbrunnen Rhönsprudel und den Rotariern aus Fulda. 

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