Haselbach

Auch im Alter ist Verantwortung wichtig

Synodaler Neujahrsempfang in den Christlichen Gästehäusern Hohe Rhön. Das Bild zeigt (von links): Anke Schroth, Dekan Till Roth, Kriemhild Schroth, Dekan Matthais Büttner, Fritz Schroth, Regionalbischof Hans-Martin Weiss, Landtagspräsident a.D. Johann Böhm und Landrat Thomas Habermann.
Foto: Marion Eckert | Synodaler Neujahrsempfang in den Christlichen Gästehäusern Hohe Rhön. Das Bild zeigt (von links): Anke Schroth, Dekan Till Roth, Kriemhild Schroth, Dekan Matthais Büttner, Fritz Schroth, Regionalbischof Hans-Martin ...

Der alljährige synodale Neujahrsempfang in den Christlichen Gästehäusern Hohe Rhön, zu dem Fritz Schroth sowie die Dekane Dr. Matthais Büttner und Till Roth geladen hatten, war heuer vom Thema „Älter werden“ geprägt. Aber nicht unter einem resignativen Blick, der sich ins Unvermeidliche fügt und aufs „Altenteil“ zurückzieht, sondern unter dem Blick der Herausforderung, der Chance und der Verantwortung.

Anregung zum Nachdenken

Gleich zwei hochkarätige Redner hatte Fritz Schroth gewinnen können, die aus persönlicher Erfahrung heraus zum Umgang mit dem Alter und Krankheit sprachen. Dr. Hans-Martin Weiss ist seit 15 Jahren Regionalbischof des Kirchenkreises Regensburg. Er leidet seit einiger Zeit an der Parkinson-Krankheit. Wie er mit der Diagnose umging und wie er es schaffte, trotz der Krankheit sein Amt weiter auszuüben, darüber sprach er in bewegenden Worten, die über Verantwortung im Alter zum Nachdenken anregten. Der zweite Redner war Landtagspräsident a. D. Johann Böhm, der über grundsätzliche Verantwortung im Alter für die Gesellschaft referierte.

„Wir werden so alt wie nie zuvor. In nur 100 Jahren haben wir 20 Jahre mehr an Lebenszeit gewonnen“, stieg Fritz Schroth in das Thema ein. Er richtete seine Ansprache an die Verantwortungsträger aus der Gesellschaft, aus Unternehmen, Politik, Kirche, Schulen und Behörden, die der Einladung zum Neujahrsempfang gefolgt waren. Fritz Schroh ist als Mitglied der Landessynode Vorsitzender der Evangelischen Seniorenarbeit in Bayern. „Wie es mit der Gesellschaft weiter gehen wird, hängt nach meiner Überzeugung mit entscheidend von den Älteren ab und ihrer Sorge um die nachkommenden Generationen. Wir alle, ganz gleich ob gesund oder krank, wir haben eine Verantwortung für unsere Gesellschaft, für unser Land, für unsere Kirchen, in denen wir stehen.“

Zeit haben, alt zu werden

Regionalbischof Dr. Weiss war da vorsichtiger. „Bitte nicht zu sehr und zu früh nach dem ehrenamtlichen Potenzial der älteren Menschen schauen.“ Sicherlich sei es schön, wenn auch die Zeit nach der Rente und Pensionierung aktiv und bewusst gestaltet werden könne. Doch müsse der Mensch auch „Zeit haben, um alt zu werden“. Vor sieben Jahren habe er die Diagnose Parkinson bekommen. Er lebe seither mit der Nervenkrankheit, die ihm eine ganz neue Sicht auf das Menschsein und Älterwerden vermittelte. Er habe gelernt, mit der Realität und den Wünschen für das Leben umzugehen. Auch mit der Krankheit könne das Lebens lebenswert sein, so berichtete er vom Liegendradfahren, Morgensport und Wandern und einem maßvollen Genuss.

Johann Böhm möchte es in Bezug auf das Alter mit den Franzosen halten. Einen Begriff für die Zahl 80 gibt es in der französischen Sprache nicht, sondern es wird mit „viermal 20“ umschrieben. „Ein 80-Jähriger hat also viermal mehr Erfahrung als ein 20-Jähriger“, freut sich Böhm über dieses Zahlspiel der Nachbarn. Mit Sprachwitz und seinem ganz eigenen Humor brachte Böhm eine Vielzahl an Bespielen zum Alter, doch machte er auch sehr deutlich, dass jeder Mensch, auch jenseits von Verantwortung für Beruf und Familie in Verantwortung stehe. „Die Alten haben Vorbildcharakter.“ Dieses Wissen könne Ansporn sein, selbst ein gutes Vorbild abzugeben.

Wichtiges Zukunftsthema

In der Diskussion sprach Dr. Martin Wünsch von der Notwendigkeit eines flexiblen Rentensystems, um Menschen, die einen körperlich schweren Beruf nicht mehr ausüben können, den Fall in Hartz 4 zu ersparen. Auch Landrat Thomas Habermann ist überzeugt, dass das Thema Rente ein zentrales Zukunftsthema sein werde. „Die nächste Generationen wird nicht mehr zufrieden sein“, sagte er. „Die Politik hat die Aufgabe, diese grundsätzliche und existenzielle Frage anzupacken – sie tut es aber nicht.“

Dekan Till Roth schloss den Neujahrsempfang mit einer Andacht und einem Blick in die Bibel, die ein zuverlässiger Leitfaden für den Umgang mit dem Alter sei. „Mein Bestreben bei Seniorenbesuchen ist, diesen positiven Blick der Bibel auf das Altwerden und das Altsein zu vermitteln. Es geht nicht abwärts, sondern heimwärts.“

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