Ginolfs

Balkenmäher: Insekten machen sich rechtzeitig vom Acker

Wiesenmahd: Wenn der Kreiselmäher kommt, ist das oft das Todesurteil für Schmetterlinge, Heuschrecken oder Rehkitze. Auf den Bergwiesen der Rhön wird anders gemäht.
Josef Kolb erläutert auf den Gassenwiesen oberhalb von Ginolfs die Vorteile der neuen Mahdtechnik.
Foto: Martina Harasim | Josef Kolb erläutert auf den Gassenwiesen oberhalb von Ginolfs die Vorteile der neuen Mahdtechnik.

Seit genau 35 Jahren stecken der Rhönschäfer Josef Kolb und seine Familie jede Menge Energie in das Rhönschaf-Projekt des Bund Naturschutz. Corona-bedingt konnte er das Jubiläum nicht angemessen begehen. Deshalb hat er sich etwas anderes einfallen lassen, der Rhönschäfer präsentierte sein neuestes Projekt: Die Wiesenmahd mit einem Balkenmäher.

Kolb bewirtschaftet die Gassenwiesen oberhalb von Ginolfs. Auf manchen dieser Wiesen  weiden seine Rhönschaf-Herden. Der BN und BUND hatten das Gebiet 1987 vor der Bebauung durch einen Hotelkomplex mit dem Ankauf von 33 Hektar gerettet. Dorthin hatte der Landwirt eingeladen, um zu zeigen, welche Vorteile Balkenmäher gegenüber Kreiselmähern für die Artenvielfalt haben. 

keine Chance gegen den starken Luftsog

Beim Mähen von Wiesen werden heute meist Kreiselmäher eingesetzt, erläuterte BN-Vorsitzender Richard Mergner.  Diese arbeiten mit schnell rotierenden, scheibenförmigen Messern. Die Messergeschwindigkeiten von bis zu 100 Metern pro Sekunde erzeugen einen starken Luftsog. Vogelgelege am Boden, Jungvögel, Rehkitze, Schmetterlinge oder Heuschrecken hätten da keine Chance. 

Interessierte aus Politik und Naturschutz kamen zur Vorführung.
Foto: Martina Harasim | Interessierte aus Politik und Naturschutz kamen zur Vorführung.

"Ganz anders die Balkenmäher mit ihren horizontal liegenden, scherenartigen Mähwerk: Sie haben generell eine niedrigere Mahdgeschwindigkeit und mehr Abstand zum Boden. Auf die vibrierenden Messer reagieren beispielsweise Heuschrecken mit rechtzeitigem Abflug", so Mergner weiter. Der Balkenmäher sei keine neue Erfindung. Er wurde ersetzt von Kreiselmähern, weil diese eine höhere Flächenleistung bringen.  

Susanne Richter, Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Rhön-Grabfeld, begrüßte den Einsatz des neuen Balkenmähers durch Josef Kolb: "Die Erhaltung der extrem artenreichen Bergwiesen im Biosphärenreservat Rhön ist von großer Bedeutung", sagte sie.

Balkenmäher entlang der Kreisstraßen 

Lob kam auch von Landrat Thomas Habermann: Er verwies darauf, dass der Kreisbauhof seit 2019 beispielsweise die Bankette und Flächen entlang der Kreisstraßen wieder mit Balkenmähern mäht. Dazu habe man sich entschlossen, um die Artenvielfalt entlang der Straßen zu erhalten. Das 35-jährigen Bestehen des Rhönschaf-Projekts würdigte er mit den Worten: "Das Rhönschaf ist das Symbol für die richtige Entwicklung in der Rhön." 

Der Landkreis geht sogar noch ein Stück weiter. Wie Oberelsbachs Bürgermeisterin Birgit Erb erklärte, verfügen der Markt Oberelsbach und der Landkreis Rhön-Grabfeld über 500 Hektar Pachtflächen. Bei der Verpachtung an Landwirte lege man Wert auf eine nachhaltige, extensive Bewirtschaftung, dazu könne nach und nach auch der Einsatz von Balkenmähern zählen. "Wir freuen uns, dass der Landwirt Josef Kolb auf die naturschonende Mahd der Rhöner Bergwiesen setzt und damit einen wichtigen Beitrag für den Erhalt der Artenvielfalt leistet", sagte sie.

Erst kommt die Handarbeit

Die Wiesenränder mäht Josef Kolb per Handarbeit, danach kommt der Balkenmäher am Traktor zum Einsatz.
Foto: Martina Harasim | Die Wiesenränder mäht Josef Kolb per Handarbeit, danach kommt der Balkenmäher am Traktor zum Einsatz.

Da alle Theorie grau ist, führte Josef Kolb den Gästen vor, wie eine Mahd vonstatten geht. Zuerst mähte er mit einem kleinen Gerät die Wiesenränder, danach kam der große Traktor zum Einsatz. "Es funktioniert wirklich", betonte er und zählte die Vorteile auf: Die gemähten Flächen wachsen schneller und gleichmäßiger nach; das Futter bleibt breit liegen und trocknet leichter ab; es muss weniger gewendet werden; da er das Gras in einer Höhe von acht Zentimetern abmäht, haben Insekten und andere Lebenwesen weiterhin Lebensräume.  

Berufskollegen, die Interesse an dieser Technik haben, will er gerne, beispielsweise bei einem Landbautag, informieren, kündigte Kolb an. Der Einsatz des Balkenmähers sei nicht nur gut für die Artenvielfalt, betont Kolb, "er gibt einem auch das Gefühl, man macht etwas richtig". 

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