Bad Königshofen

BBV: Der Protest muss weitergehen

Mahnfeuer und Diskussionen: In gebührendem Abstand zur Biogasanlage in Bad Königshofen trafen sich Landwirte aus Bad Königshofen und Umgebung, um zu protestieren und zu diskutieren, dazu waren auch Nichtlandwirte eingeladen.
Foto: Regina Vossenkaul | Mahnfeuer und Diskussionen: In gebührendem Abstand zur Biogasanlage in Bad Königshofen trafen sich Landwirte aus Bad Königshofen und Umgebung, um zu protestieren und zu diskutieren, dazu waren auch Nichtlandwirte ...

Ein Mahnfeuer hatten Bauern aus Bad Königshofen und Umgebung am Samstag angezündet. Sie trafen sich an der Biogasanlage, um über den Stand der Proteste zu diskutieren. "Wir fordern Respekt ein", sagte BBV-Kreisobmann Matthias Klöffel. "Es kann nicht sein, dass die Bauern die Prügelknaben der Nation sind und alle anderen machen weiter wie bisher." Die Bauern seien Teil der Lösung, bräuchten aber die Unterstützung der ganzen Gesellschaft.

Keine Berufsgruppe erhalte so viele Einschränkungen wie die Bauern, stellte Klöffel in seiner Ansprache fest, nachdem er gemeinsam mit Robert Jahrsdörfer aus Kleineibstadt, Vertreter des regionalen ORGA Teams und Teilnehmer an der Berlin-Protestfahrt, sowie Kreisbäuerin Margit Ziegler die Anwesenden begrüßt hatte. Besonders prangerte er unverständliche Regelungen an. Ein Beispiel habe mit der Biogasanlage zu tun, in deren Umfeld Nitratwerte von rund 20 mg/l (Milligramm pro Liter) gemessen worden seien, wie Klöffel berichtete. Der offizielle Grenzwert für die Nitratbelastung in Trinkwasser liege bei 50 mg/l. Die offizielle Messstelle des Wasserwirtschaftsamtes befinde sich jedoch weiter auswärts an einer Stelle zwischen Grünabfallplatz und Kleingärten "Breite Wiese". Dort seien rund 60 mg/l gemessen worden. Daraufhin sei der ganze Einzugsbereich des Grundwasserkörpers, der von Alsleben bis Bundorf reicht, zur "roten Zone" erklärt worden.

Kreislauf der Energieerzeugung

Das bedeute für die Landwirte, dass im Herbst keine Gärreste aus der Biogasanlage ausgebracht werden dürfen, um Zwischenfrüchte und Bodendecker zu düngen, was besonders für Landwirte ohne Viehhaltung wichtig sei. Der Kreislauf der Energieerzeugung mittels Biomasse wäre damit unterbrochen. Er bestehe darin, dass die an der Biogasanlage beteiligten Landwirte Mais, Grüngut, und alles, was in der Anlage vergärt werden kann, anliefern und nach der Energiegewinnung die Nährstoffe dem Boden wieder zuführen. Müssten jetzt für hohe Investitionen zusätzliche Behälter für die Gärreste gebaut werden?, stellte Klöffel die Frage. Bei einer Begehung der Messstellen mit dem WWA am kommenden Mittwoch soll darüber noch einmal diskutiert werden. Mehrere Messstellen würden mehr Klarheit bringen.

Dass Kühe Methan ausstoßen, werde in den Medien oft berichtet, in die Gesamtbilanz ihrer Haltung müsste aber auch einfließen, dass das Grünland mit dem Gras, das sie fressen, ein wichtiger CO2-Speicher sei. Auch hier würden regionale Verhältnisse nicht beachtet werden, meinen die Bauern. Rhön-Grabfeld mit der geringsten Viehdichte, aber wenig Niederschlägen, die Nitrat verdünnen würden, werde genauso Einschränkungen unterworfen, wie Regionen mit viel Gülleerzeugung aber vielen Niederschlägen.

Man müsse sich nicht wundern, wenn Landwirte entnervt aufgeben, angesichts der Tatsache, dass sie unter immer mehr einengender Bürokratie produzieren müssten, während die Konkurrenz aus dem Ausland den Markt mit unkontrollierten Billigprodukten beliefern würde. Für Drittländer öffne das kritisierte Mercosur-Abkommen der EU die Türen. "Wollen die Verbraucher zukünftig Schweinefleisch aus China, wo gerade "Hochhäuser" für die Zucht gebaut wurden?", fragte Klöffel.

Kooperativer Naturschutz

Er sprach auch weitere Themen an wie die Rolle der Land- und Forstwirtschaft beim Klimaschutz. Kohlendioxid (CO2) werde in Ernteprodukten, Wäldern und Humus gebunden, gleichzeitig entstehe Sauerstoff und aus nachwachsenden Rohstoffen wird Bioenergie. Überzogene und praxisfremde Pläne bezüglich des Pflanzenschutzes und der Düngung sollten gestoppt werden, so die Forderung der Bauern, Regelungen für kooperativen Naturschutz im Aktionsprogramm Insektenschutz der Bundesregierung sollten dagegen sichergestellt werden.

"Wir müssen uns wehren und weiterhin protestieren, um etwas zu erreichen", sagte Klöffel, dem stimmten die anwesenden Landwirtschafts-Familien zu.

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