TRAPPSTADT

Den Weingeist zum Leben erweckt

Es ist Schnaps und schmeckt auch so: Mathias Gerstner probiert von seinem ersten Obstler, den er erst vor wenigen Wochen gebrannt hat. Die Schnapsflasche ziert neben einem sehr individuell gestalteten Etikett das Familienwappen.S (2): ALFRED KORDWIG, MATHIAS GERSTNER
Foto: Foto | Es ist Schnaps und schmeckt auch so: Mathias Gerstner probiert von seinem ersten Obstler, den er erst vor wenigen Wochen gebrannt hat.

Im vergangenen Jahr legte sich der Trappstädter Mathias Gerstner ein ungewöhnliches Hobby zu: Er richtete eine eigene Schnapsbrennerei ein.

Als der 37-jährige Bankbetriebswirt vor gut einem Jahr beim Stöbern auf dem Dachboden eher zufällig auf Unterlagen stieß, aus denen hervor ging, dass in seiner Familie früher einmal Schnaps gebrannt wurde, war sein Interesse geweckt. „Ich wollte diese Tradition unbedingt wiederbeleben und damit auch ein Stück Familiengeschichte fortschreiben,“ nennt Mathias Gerstner die Beweggründe für seinen Einstieg in die Schnapsbrennerei. „Außerdem hat mich der Gedanke gereizt, mit einem eigenen Weinbrand ein originelles Geschenk für Freunde oder Verwandte zu haben, von dem man vielleicht auch das eine oder andere Fläschchen verkaufen kann.“

Mindestens 60 Jahre ist es her, dass der einstige Trappstädter Bürgermeister Anton Gerstner, ein Bruder von Mathias Gerstners Urgroßvater Josef, in Trappstadt zum letzten Mal Schnaps gebrannt hat. Dass er das Brennrecht wie damals durchaus üblich nicht verkauft hat, war ein Glück. Es ruhte und musste von Mathias Gerstner deshalb nur „wiederbelebt“ werden.

Neben dieser wohl wichtigsten Voraussetzung für den Betrieb einer Kleinbrennerei waren noch einige weitere Vorschriften zu beachten. „Wer ein Brennrecht beansprucht, muss eine eigene Landwirtschaft angemeldet haben und 50 Obstbäume besitzen“, erzählt Gerstner. Erforderlich sei zudem ein Brennraum, der nur einen Zugang haben darf. „Das rührt von früher her, als Schwarzbrenner oftmals durch einen Hinterausgang flüchteten, während vorne in der Tür die Kontrolleure standen,“ weiß Gerstner, der viel Fachliteratur gepaukt hat, bis er sich im Dezember mit Hilfe seines Freundes Tobias Herzog an seine ersten Brände heranwagte. Und dass diese Schnäpse, ein Birnenbrand und ein Obstler, trinkbar sind, hätten ihm schon einige Schnapskenner bestätigt. „Die Qualität ist gut,“ so Gerstner, der seit einiger Zeit schon Mitglied im Fränkischen Obst- und Kleinbrennerverband ist und sich vorstellen kann, mit seinen alkoholischen Erzeugnissen irgendwann einmal an Prämierungen teilzunehmen.

Mit dem „kleinen Brennrecht“ darf der Trappstädter maximal 50 Liter Alkohol im Jahr herstellen, was für etwas mehr als 100 Liter Schnaps reicht. Die dafür erforderliche Anlage mit Brenngerät, Maischebehälter, Pumpen, Destille und vielen weiteren Kleinteilen hat er für rund 8000 Euro gebraucht gekauft, weitere 4000 Euro hat er in die Ausgestaltung des Brennraums gesteckt.

„Bis dieses Geld durch den Verkauf des Schnapses wieder herein kommt, werden wohl viele Jahre vergehen.“ Dies auszurechnen ist dem Banker nicht schwer gefallen. Des Geldes wegen führt Mathias Gerstner die Tradition seines Urgroßonkels auch nicht fort, wie er betont: „Für mich ist die Schnapsbrennerei ein faszinierendes Hobby, mit dem ich ein Stück Familiengeschichte bewahren möchte.“

Was beim Schnapsbrennen zu beachten ist

Rund 2500 Schnapsbrenner gibt es in Unterfranken. Im Landkreis Rhön-Grabfeld weist Oberweißenbrunn mit über 20 Anlagen die höchste Dichte auf. Die Herstellung von Branntwein und seine Verarbeitung unterliegen dem Branntweinmonopol, die Aufsicht wird vom Zoll wahrgenommen, der in den Brennereien schon mal unangemeldet für eine Kontrolle auftaucht, denn die rechtlichen Vorschriften für Kleinbrenner sind sehr streng, was Aufzeichnungspflichten und Steuererklärungen betrifft. Bevor ein Schnaps gebannt werden kann, wird beim Obstbrand das hierfür verwendete Obst (Birnen, Äpfel, Kirschen etc.) in Kisten mehrere Wochen ausreifen. Im Muser wird es dann zerkleinert und in Fässer gefüllt, wo es weitere sechs bis acht Wochen gären muss. Die Maische wird dann im Schnapsbrennkessel auf 70 Grad erhitzt und der Alkohol über die Destille herausgezogen, wobei dieser Vorgang bis zu drei Stunden dauern. mit Quellwasser oder aufbereitetem Leitungswasser wird das Destillat auf Trinkstärke zwischen 37,5 und 40 Prozent Alkoholgehalt verdünnt und dann in Flaschen abgefüllt.

Zufällige Fund: Mathias Gerstner fand heraus, dass in seiner Familie früher Schnaps gebrannt wurde.
| Zufällige Fund: Mathias Gerstner fand heraus, dass in seiner Familie früher Schnaps gebrannt wurde.
Heiße Angelegenheit: Blick in den Schnapsbrennkessel nach dem ersten Brand.
| Heiße Angelegenheit: Blick in den Schnapsbrennkessel nach dem ersten Brand.
Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Rhön-Grabfeld und erhalten Sie zweimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Themen & Autoren / Autorinnen
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!