Bischofsheim

Ein Rhöner spielt den "Tatort"-Pathologen

Benjamin Griebel aus der Rhön.
Foto: Michael Czygan | Benjamin Griebel aus der Rhön.

Begonnen hat Benjamin Griebel seine Schauspiel-Karriere mit "Der Hase und der Igel" als Drittklässler in der Grundschule Bischofsheim (Kreis Rhön-Grabfeld), demnächst ist der 33-Jährige vor Millionen-Publikum im Franken-"Tatort" zu sehen - als Pathologe Lutz Kranich.

Die ersten Szenen sind im Kasten. Die Dreharbeiten für die Folge „Das Recht sich zu sorgen“ laufen noch bis Mitte August im Raum Nürnberg und in Würzburg.

Treffpunkt „Café Stilbruch“, eine Studentenkneipe in der Bamberger Altstadt. Hier arbeitet Griebel in der Küche, um sich sein Studium der Psychologie zu finanzieren. Gerade hat er das zweite Semester beendet. Das Studium ist seine zweite Ausbildung: „Ich will noch etwas lernen, das über ,Die Sendung mit der Maus' und ,Galileo' hinausgeht.“

Vor zehn Wochen kam der Anruf der „Tatort“-Macher. Man wolle ihn besetzen, hieß es. Die Freude war groß, Griebel hatte seine TV-Ambitionen fast schon vergessen. Bereits für den ersten Franken-„Tatort“ war er gecastet worden, für eine Rolle hat das Glück gefehlt. Jetzt freut er sich über die Chance, an der Seite renommierter Kollegen wie Dagmar Manzel oder Matthias Egersdörfer zu spielen.

Griebel ist ein Rhöner Kind. In Bad Kissingen geboren, wächst er in Bischofsheim am Fuße des Kreuzbergs auf. Dort ist er – „darf ich das überhaupt verraten?“ – mit elf Jahren Kinderschützenkönig. In der Schule begeistert ihn früh das Theater, am Rhön-Gymnasium in Bad Neustadt ist er Mitglied der Theatergruppe. Die Eltern fahren ihn ab und zu ins Theater, nach Maßbach („Ich liebe das Sams“) oder nach Meiningen.

Der junge Griebel leckt Blut an der Bühne. Nach dem Zivildienst bewirbt er sich an der Schauspielschule in Freiburg und wird genommen. Nach vier Jahren Ausbildung folgt die erste Festanstellung an der Badischen Landesbühne Bruchsal, wo er unter anderem mit seinem heutigen fränkischen „Tatort“-Mitstreiter Andreas Leopold Schadt auf der Bühne steht. 2007 geht es für ein Jahr ans Theater Neustrelitz in Mecklenburg. Als der Intendant ein Jahr später von dort nach Rudolstadt in Thüringen wechselt, nimmt er Griebel mit. Der Rhöner wird zum gefeierten Protagonisten. Das Publikum liebt ihn, 2012 gewinnt er den Theaterpreis „Caroline“ für die beste schauspielerische Leistung des Jahres. Die „Ostthüringer Zeitung“ schreibt, Griebel gehe in seinen Rollen auf, er gebe „immer 100 Prozent“. „Hört sich doch gut an“, lacht der 33-Jährige bei Grapefruit-Schorle und einer Selbstgedrehten.

Dennoch, nach sechs Jahren sei die Zeit reif gewesen für einen Neubeginn. Griebel plant nun den Ba-chelor und den Master in Psychologie. Arbeits- und Organisationspsychologie interessiere ihn als mögliches Berufsfeld, „da sind schauspielerische Qualitäten wie das Hineinversetzen in Rollen gefragt“. Jetzt sind Semesterferien, der „Tatort“ sorgt für Abwechslung vom Lernen.

Griebel sagt, er habe „abgesehen von ein paar Kurzfilmen“ keinerlei Kino- oder Fernseherfahrung. „Das ist Neuland für mich.“ Am Team um Regisseur Andreas Senn beeindrucke ihn die „große Professionalität“. Am Set sei spürbar, dass es sich beim „Tatort“ um einen Hochkaräter des Fernsehprogramms handele. Zwei Drehtage hat er noch in dieser Woche. Wo, darf er nicht verraten, Details zur Story erst recht nicht.

Aber ob er, der Rhöner Bub, im „Tatort“ richtig fränkisch spricht, wollen wir schon wissen. Beim Gespräch im Café jedenfalls ist von der Herkunft nichts zu hören. „Gut geschauspielert“, sagt Griebel. „Sie müssen mich mal erleben, wenn ich mit meiner Oma telefoniere.“ Bischofsheimer Platt sei selbst im Franken-„Tatort“ nicht möglich („da bräuchte es Untertitel“), aber ein „gemäßigter Dialekt“ sei schon Teil der Rolle.

Und noch eine Frage muss erlaubt sein: So wie er da sitzt, in schwarzen Klamotten und mit Kinnbart, erinnert er ein bisschen an Deutschlands berühmtesten Krimi-Pathologen, Professor Karl-Friedrich Boerne, den von Jan-Josef Liefers gespielten Gerichtsmediziner im Münster-„Tatort“. Zufall? Griebel schmunzelt. „Ja, Zufall. Da gibt es keine Anspielung.“

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