BAD KÖNIGSHOFEN

Erfolgreich, aber zu wenig Geld

Muss sich der SC Bad Königshofen aus Geldmangel aus der Bundesliga zurückziehen?: Jürgen Müller, hier im Vereinsraum in der Frankentherme, sucht dringend Sponsoren, sonst droht das Aus.
Foto: Regina Vossenkaul | Muss sich der SC Bad Königshofen aus Geldmangel aus der Bundesliga zurückziehen?: Jürgen Müller, hier im Vereinsraum in der Frankentherme, sucht dringend Sponsoren, sonst droht das Aus.

Jetzt aufgeben, obwohl die Frauenmannschaft des Schachclubs 1957 Bad Königshofen zu den erfolgreichsten der Frauenbundesliga zählt? Vereinsvorsitzender Jürgen Müller versucht immer wieder, Sponsoren für den Schachsport zu finden und stößt dabei auf wenig Resonanz.

Es gibt in der Regel keine Bundesligisten, die nicht von den Heimatstädten, vom Landkreis oder Bezirk und Firmen finanziell unterstützt werden, für den SC Bad Königshofen, der auf Augenhöhe mit Mannschaften aus Hamburg, Stuttgart, Baden Baden und Mainz im Wettbewerb steht, gibt es nur ganz geringe Summen, die nur ein Tropfen auf den heißen Stein sind. „Wenn jetzt keine Unterstützung kommt, müssen wir aufhören“, so Müller, der auch schon privates Geld in den Spielbetrieb investiert hat.

Auf Platz eins der Bundesliga standen die Schachdamen nach dem vorletzten Spielwochenende, aktuell auf Platz drei, punktgleich mit dem Hamburger SK auf Platz zwei. Die Herren des SC Bad Königshofen spielen in der 3. Liga und sind überwiegend Eigengewächse im Gegensatz zu den Damen, die für Bad Königshofen antreten. Zu den Stammspielerinnen gehört die herausragende IM Elisabeth Pähtz (Titel: Internationaler Meisterin). Sie wurde 1999 Deutsche Meisterin der Frauen. Im gleichen Jahr unterstützte sie Hape Kerkeling via „Knopf“ im Ohr bei einem Sketch für die Sat1-Sendung „Darüber lacht die Welt“. 2002 wurde sie Jugendweltmeisterin der Altersklasse U18, 2004 Weltmeisterin der Altersklasse U20. Sie spielt gern für Bad Königshofen, gemeinsam mit ihren Mitstreiterinnen aus der Schachelite IM Anastasia Savina, WGM Olga Girya (Weibliche Großmeisterin), WGM Nazi Paikidze, WGM Irina Zakurdjaeva, WIM Maria Schöne (Weibliche Internationale Meisterin) und WIM Julia Gromova.

Alle Damen spielen für Bad Königshofen unentgeltlich, auch Jürgen Müller, der sie begleitet, arbeitet ehrenamtlich. Kosten fallen trotzdem an für die Fahrten zu den Austragungsorten in ganz Deutschland und für Übernachtungen, weil es üblich ist, an einem Spielwochenende jeweils zwei Runden (von insgesamt elf pro Saison) zu absolvieren. Eine geringe Spesenzuteilung für Verpflegung erhalten die Spielerinnen am Spieltag. Das Treffen zwecks gemeinsamer Vorbereitung findet üblicherweise im Haus der Familie Müller statt, die sich schon daran gewöhnt hat, dass vor Spielwochenenden alle Gästebetten belegt sind. Trotz aller Sparsamkeit kostet der Bundesliga-Spielbetrieb den SC Bad Königshofen einen ordentlichen fünfstelligen Eurobetrag im Jahr - das ist aus Mitgliedsbeiträgen nicht zu finanzieren.

Ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist der Schachclub für Bad Königshofen, denn er brachte in zurückliegenden zehn Jahren 7612 Übernachtungen durch das Ausrichten von Turnieren und Meisterschaften in die Stadt, das sind pro Jahr rund 760. Hotel-Übernachtungsgäste lassen laut Studie pro Person und Tag im Schnitt 97,30 Euro hier. 7612 Übernachtungen in zehn Jahren entsprechen ungefähr 570 000 Euro – ohne den SC hätte es sie nicht gegeben. Niemand möchte jetzt aufhören, wo die Mannschaft sich gut zusammengefunden hat und „ganz oben“ mitmischt.

Die Pläne Müllers gehen noch weiter, denn er möchte - finanzielle Unterstützung vorausgesetzt - ein großes Event nach Bad Königshofen bringen, für das sogar Anatoli Karpow sein Kommen zugesagt hat, mit dem sich Müller innerhalb seiner Tätigkeit als internationaler Schiedsrichter angefreundet hat: Ein neun Tage dauerndes Schachturnier namens „Offene Internationale Deutsche Schachmeisterschaft“ für die Elite des Schachsports in der „Saure-Gurken-Zeit“ im Januar ist geplant. Die Schachspieler wollen in Form bleiben und die Hoteliers freuen sich über die Auslastung ihrer Betten. Das würde rund 4000 Übernachtungen bedeuten mit einer Wirtschaftskraft von 284 000 Euro, rechnete Müller vor. Allerdings bräuchte man Preisgelder in Höhe von rund 20 000 Euro - was mit gutem Willen machbar wäre, findet Müller.

„Die Frage ist, will man Spitzensport und gutes Image für die Stadt und die Region oder nicht?“ so der Vorsitzende, der schon vergeblich in Frage kommende Sponsoren angeschrieben hat, um sie für die dopingfreie Sportart zu begeistern. Er gründete die Aktion „Schach sucht Freunde“ und stellt sich vor, dass die jährlich benötigten 30 000 Euro zusammenkommen, wenn es gelänge, 1000 Leute zu finden, die jährlich 30 Euro übrig haben oder 30, die je 1000 Euro spendieren. Bisher haben sich aber viel zu wenige gemeldet. „Unsere Mädchen sind alle vorzeigbar und würden sich auch auf PR-Terminen gut machen“, sagt Müller, der jetzt Unterstützung braucht, sonst muss er aufgeben.

Informationen und Kontakt unter www.schachclub1957.de.

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