Sulzdorf

Fichten leiden: Holz aus dem Wald entfernen oder nichts tun?

Die Fichte ist in den Wäldern des Grabfeldes wohl nicht mehr zu retten. Über die weitere Vorgehensweise in der Waldwirtschaft gibt es unterschiedliche Auffassungen.
Aussprache im Sulzdorfer Forst: Sulzdorfs Bürgermeisterin Angelika Götz (links) und Sulzfelds Bürgermeister und Allianz-Sprecher Jürgen Heusinger (rechts) erläuterten den Forstleuten, Landtagsabgeordneten und Landrat Thomas Habermann die Probleme, die Kommunen mit dem „Käferholz“ haben. An der Begehung nahmen auch die weiteren Bürgermeister der Grabfeld-Allianz und einige Gemeinderäte teil.
Foto: Alfred Kordwig | Aussprache im Sulzdorfer Forst: Sulzdorfs Bürgermeisterin Angelika Götz (links) und Sulzfelds Bürgermeister und Allianz-Sprecher Jürgen Heusinger (rechts) erläuterten den Forstleuten, Landtagsabgeordneten und Landrat ...

Der Fichte geht es nicht gut – solche und ähnlich formulierte Schlagzeilen gibt es derzeit vor allem im nordbayerischen Raum häufig. Hauptursache für den schlechten Gesundheitszustand ist die  explosionsartige Vermehrung des Borkenkäfers, verursacht durch den Klimawandel mit den immer häufiger werdenden Trockenperioden.

Zu beobachten ist das momentan auch in einigen Wäldern der Grabfeld-Allianz-Kommunen wie zum Beispiel in Sulzdorf an der Lederhecke. Dorthin luden Sulzfelds Bürgermeister und Allianz-Sprecher Jürgen Heusinger und die Sulzdorfer Rathauschefin Angelika Götz vor wenigen Tagen die Allianz-Bürgermeister und die für die Reviere verantwortlichen Förster ein. Hintergrund: Die großen Mengen an Käferholz, die aus dem Wald entfernt werden müssen, belasten die Haushalte und binden Arbeitskraft, die dann woanders fehlt.

Fichte sich selbst überlassen?

An dem nach einer unlängst corona-bedingten Verschiebung erneut angesetzten Informationsaustausch in einem südwestlich der Gemeinde gelegenen kommunalen Waldstück nahmen außerdem die Landtagsabgeordneten Steffen Vogel (CSU) und Gerald Pittner (Freie Wähler), Landrat Thomas Habermann und vom AELF Bad Neustadt Amtsleiter Oliver Kröner und Abteilungsleiter Wilhelm Schmalen teil. Jürgen Heusinger schilderte zum wiederholten Male die schwierige Situation, vor der Kommunen mit größeren Fichtenbeständen angesichts der Borkenkäfer-Plage stehen. Er plädierte erneut dafür, es den Gemeinde selbst zu überlassen, wie sie mit dem „Käferholz“ verfahren, es also aus dem Wald herausholen oder die befallenen Fichten einfach stehen und liegen lassen. Er halte nicht viel davon, das befallene Holz mit großem Aufwand aus dem Wald herauszunehmen und es dann zu einem äußerst niedrigen Preis zu verramschen, wie er es ausdrückte. Daran ändere auch die Tatsache nichts, dass es zumindest für das Rücken einen Zuschuss gebe.

Demar: „Nichts tun geht nicht“

Die Sulzdorfer Bürgermeisterin Angelika Götz stieß ins gleiche Horn. „Wir kommen dem Käfer einfach nicht mehr hinterher,“ meinte sie und appellierte an die politischen Vertreter, sich für großzügigere Hilfen oder andere Lösungen stark zu machen. Andere Allianz-Bürgermeister wie Michael Custodis aus Trappstadt oder Josef Demar aus Großbardorf würden sich natürlich auch über weitere staatliche Hilfen freuen, haben aber einen anderen Lösungsansatz. „Ich halte nichts davon, die Fichte sich selbst zu überlassen, denn der Wald ist ein Allgemeingut“, meinte Custodis. Das Käferholz müsse aus dem Wald heraus, selbst wenn das wirtschaftlich ein Minus bedeute. Ähnlich äußerte sich Josef Demar. „Nichts tun  geht nicht“, sagte er.

Dieser Auffassung ist schon  von Amtswegen auch Oliver Kröner, Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Bad Neustadt. „Die Fichte sich selbst überlassen geht schon allein aus rechtlichen Gründen nicht.“ Zudem sei das auch aus sachlicher Sicht mehr als fragwürdig. „Wir werden die Fichte langfristig zwar nicht retten können“, meinte Kröner. Es sei aber sinnvoll, den Rückgang durch geeignete Maßnahmen zu verlangsamen und noch so viel Holz wie möglich zu vermarkten. Diese Meinung teilten auch die anwesenden Revierleiter.  Man laufe zwar nicht jeder Fichte hinterher, aber gar nichts tun, sei auch keine Option, meinte etwa Bernhard Kühnel.

Habermann: „Eigentum verpflichtet“

Nachdem die Landtagsabgeordneten Steffen Vogel und Gerald Pittner den anwesenden Bürgermeistern wenig Hoffnung gemacht hatten, dass zu den bereits bestehenden staatlichen Hilfen in absehbarer Zeit weitere hinzukommen könnten, versuchte sich Landrat Thomas Habermann an einem Ausgleich der unterschiedlichen Positionen. Die Diskussion sei ihm emotional zu sehr aufgeladen, gefragt seien deshalb jetzt vernünftige Kompromisse. Klar sei, dass es eine Entwicklung vom Wirtschaftswald hin zum Klimawald gebe. „Eigentum verpflichtet und kostet nun  mal Geld“, meinte der Landrat mit Blick auf die anwesenden Allianz-Bürgermeister.

Habermann sprach sich für flexible Lösungen aus, was den Umgang mit dem Käferholz betrifft. An die Landtagsabgeordneten appellierte er, nicht nur den Holzverkauf zu fördern, sondern auch großflächige Wiederaufforstungen. Jürgen Heusinger betonte am Ende des Treffens, dass ihm nicht an einer wachsenden Konfrontation gelegen sei, sondern er sich mit der Waldbegehung ein weiteres Mal Gehör verschaffen wollte. Bei allen Differenzen sei ihm ein gutes Miteinander wichtig. „Mit unserem Revierleiter gibt es keine Kommunikationsprobleme“, betonte Heusinger.

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