Ginolfs

Gedenkstein für Gerhard Kneitz, "Vater" des Rhönschafprojektes

Ein Gedenkstein für den 'Vater' des Rhönschafprojektes: Nach seinem Tod im März dieses Jahres erinnert nun ein Gedenkstein am BN-Schafstall in Ginolfs an Prof. Dr. Gerhard Kneitz, dessen Name untrennbar mit dem Rhönschafprojekt verbunden ist. Das Bild zeigt (von links) den Vorsitzenden des BUND Naturschutz in Bayern, Richard Mergner, die Familie von Josef Kolb, Landrat Thomas Habermann, Bürgermeisterin Birgit Erb und den stellvertretenden BN-Landesvorsitzenden, Sebastian Schönauer.
Foto: Marc Huter | Ein Gedenkstein für den "Vater" des Rhönschafprojektes: Nach seinem Tod im März dieses Jahres erinnert nun ein Gedenkstein am BN-Schafstall in Ginolfs an Prof. Dr.

Gerhard Kneitz: Ein Name, der untrennbar mit der Erfolgsgeschichte des Rhönschafs verbunden ist. Im März starb der Wissenschaftler und praktische Naturschützer im Alter von 85 Jahren. Grund genug für Rhönschäfer Josef Kolb, den BUND und den BUND Naturschutz in Bayern (BN) diesen Mann und seine Verdienste in den Mittelpunkt der Feierlichkeiten zum 35. Jubiläum des Rhönschafprojektes zu stellen. Auch wenn aufgrund des Coronavirus die Jubiläumsfeierlichkeiten in einem kleineren Rahmen im Freien stattfinden mussten, konnte Rhönschäfer Josef Kolb zu diesem Anlass zahlreiche namhafte Vertreter des BUND Naturschutz in Bayern, darunter der BN-Landesvorsitzende Richard Mergner, Landrat Thomas Habermann, Bürgermeisterin Birgit Erb sowie Vertreter des Naturparks und der Regierung von Unterfranken am BN-Schafstall in Ginolfs begrüßen, die zum Schluss feierlich gemeinsam einen Gedenkstein für Prof. Dr. Gerhard Kneitz enthüllten.

"Mein fester Wunsch war es, dieses Jubiläum auf jeden Fall dieses Jahr noch zu begehen und Prof. Gerhard Kneitz die gebührende Ehre zu erweisen", stellte Rhönschäfer Josef Kolb fest. Gerhard Kneitz war nicht nur der Initiator, sondern auch der Motor des Rhönschafprojektes, das damals bundesweit das erste Naturschutzprojekt durch Beweidung war und welches bis heute als eindrucksvolles Vorbild dient.

Ein Sympathieträger für die Rhön

Vor 35 Jahren wurde nicht nur eine alte vom Aussterben bedrohte Nutzierrasse in der Rhön gerettet und damit wertvollste Kulturlandschaftslebensräume durch die Beweidung mit Tieren gesichert. Durch die modellhafte Verknüpfung von Naturschutzzielen und regionaler Vermarktung ist das Rhönschaf zum Markenzeichen, Aushängeschild und Sympathieträger für das "Land der offenen Fernen" geworden. "Es gibt kaum ein Fremdenverkehrsprojekt, das heute nicht mit stimmungsvollen Bildern einer schwarzköpfigen Rhönschafherde wirbt", stellte der BN-Landesvorsitzende Richard Mergner stolz fest.

Angefangen hatte alles im Jahr 1986, als der BN Bayern für fast 300 000 Euro die 33 Hektar großen "Gassenwiesen" ankaufte, um sie vor der Zerstörung durch Sommerferiensiedlungen zu retten, blickte Mergner in seiner Ansprache auf die Geschichte des Projekts zurück. Mit ihren Quellfluren, Bachläufen, Hochstaudenfluren und Magerrasen sind diese eine einzigartige ökologische Nische für über 500 Tier- und Pflanzenarten. Zur naturschonenden Pflege war das damals vom Aussterben bedrohte Rhönschaf ideal. Lediglich 40 Tiere bildeten vor 35 Jahren den Grundstock. Mittlerweile ist die Rhönschafherde unter der Obhut von Josef Kolb auf 400 Muttertiere, dazu 200 Lämmer, angewachsen.

Einen modernen Schafstall gebaut

1988 wurde vom BN am Ortsrand von Ginolfs ein moderner artgerechter Schafstall gebaut, 1992 eine Scheune errichtet und 1996 der Rhönschafladen in Ginolfs eingerichtet. "Das Rhönschafprojekt ist ein Beispiel für die gelungene Symbiose von Ökonomie und Ökologie, von Naturschutz und Tourismus, aber auch von Landschaftspflege, Regionalvermarktung und Arbeitsplatzsicherung", so Mergner. Dem konnten Landrat Thomas Habermann und Bürgermeisterin Birgit Erb in ihren Ansprachen nur zustimmen. Überzeugungstätern wie Kolb und Kneitz sei es zu verdanken, dass sich der Landkreis und auch speziell der Markt Oberelsbach die Förderung der Biodiversität und Biolandwirtschaft zur Kernaufgabe gemacht haben. 

Der stellvertretende BN-Landesvorsitzende Sebastian Schönauer beschrieb Kneitz als "Mensch mit Ecken und Kanten", als Künstler, der die Zeit in Sitzungen dazu nutzte, auf Karteikarten seine Erlebnisse und Eindrücke in humoristischer Form festzuhalten und als Wissenschaftler, der sich um den Natur- und Umweltschutz direkt und ganzheitlich bemüht hat. Und Josef Kolb fügte an: "Was ich von ihm gelernt habe, ist, dass man nicht, bevor man es etwas macht, alles bis zum Schluss durchdenken muss. Man muss einfach mal anfangen", erklärte Josef Kolb. Im Beisein aller Gäste enthüllten Josef Kolb und Richard Mergner schließlich den Gedenkstein zu Ehren von Prof. Gerhard Kneitz. Neben den Geburts- und Sterbedaten steht darauf geschrieben: "In Erinnerung an den Initiator und jahrzehntelangen Wegbegleiter des Rhönschafprojektes BUND Naturschutz". Und weiter: "Seinem tatkräftigen Einsatz ist es zu verdanken, dass das Rhönschaf in seiner Heimatregion überlebt hat".

Erfolgreiche Pionierarbeit: Rhönschäfer Josef Kolb bewies vor 35 Jahren Mut, Ausdauer und Weitsicht, als er zusammen mit dem BUND und dem BUND Naturschutz das Rhönschafprojekt startete.
Foto: Marc Huter | Erfolgreiche Pionierarbeit: Rhönschäfer Josef Kolb bewies vor 35 Jahren Mut, Ausdauer und Weitsicht, als er zusammen mit dem BUND und dem BUND Naturschutz das Rhönschafprojekt startete.
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