Bad Königshofen

Junge Leute aus Bad Königshofen: Eine Woche auf den Spuren jüdischen Lebens

Auf den Spuren jüdischen Lebens in Bad Königshofen besuchte die talentCAMPus-Gruppe mit Angela Sey (rechts) auch den jüdischen Friedhof.
Foto: Regina Vossenkaul | Auf den Spuren jüdischen Lebens in Bad Königshofen besuchte die talentCAMPus-Gruppe mit Angela Sey (rechts) auch den jüdischen Friedhof.

„Wir haben viel gelernt“, stellten die elf Teilnehmer des talentCAMPus „Jüdisches Leben in Text, Film und Spiel“ fest, als sie am Samstag im Museum ein Fazit zogen und gemeinsam erlebten, wie Shabbat, der jüdische Ruhetag, begangen wird. Der talentCAMPus ist eine von mehreren Veranstaltungen innerhalb des Pfingst-Ferienprogramms in Bad Königshofen, die vom Netzwerk für Jugendkultur veranstaltet werden.

Von Dienstag bis Samstag haben sich Jugendliche unter der Leitung von Angela und Tochter Anna Sey mit jüdischer Kultur, ihren Bräuchen und ihrer Geschichte befasst. Dazu gehörte natürlich auch die Verfolgung der Juden, vor allem in der Nazizeit. Was bedeutet eigentlich „Holocaust“ und wie hat sich die Judenverfolgung in Bad Königshofen ausgewirkt? Angela Sey, vielen Kindern und Jugendlichen schon seit Jahren bekannt durch ihre Theaterprojekte, hat Geschichte studiert und hatte fundierte Informationen mitgebracht.

Die Jugendlichen besuchten auch den jüdischen Friedhof 

Am zweiten Tag berichtete ein jüdischer Jugendlicher, wie er seine Bar Mizwa erlebt und gefeiert hat. Die Gruppe hat gemeinsam Mazen gebacken, Szenen nachgespielt und gespannt den Erzählungen von Angela Sey gelauscht, die von ihrem Besuch in Auschwitz erzählte. Antisemitismus – was ist das und wie ist das entstanden, dieser Frage ging man gemeinsam nach. Auf den Spuren jüdischen Lebens in Bad Königshofen besuchte die Gruppe den jüdischen Friedhof und den Synagogen-Gedenkstein, die ehemalige echte Synagoge konnte man nur auf einem Foto sehen.

Die Kursteilnehmer zogen ein Fazit und durften schon einen Blick auf die im Sommer laufende Sonderausstellung über jüdisches Leben werfen.
Foto: Regina Vossenkaul | Die Kursteilnehmer zogen ein Fazit und durften schon einen Blick auf die im Sommer laufende Sonderausstellung über jüdisches Leben werfen.

Anna Helmerich (15 Jahre) formuliert, was die anderen ähnlich empfinden. „Ich weiß jetzt mehr und kann manche Dinge besser verstehen. Zum Beispiel, warum die Palästinenser immer im Mai eine Offensive starten, weil im Mai der Staat Israel gegründet wurde. Ich kann mich in den jüdischen Glauben und die Tradition besser hineindenken. Wir haben auch über die Vorgeschichte vom Judenhass gesprochen und über den Holocaust, das war alles sehr interessant und beeindruckend.“

Durch Informationen eine andere Sichtweise gewonnen

Für Adam Gornakashvili (12 Jahre) war der Kurs sehr informativ und hat trotz der ernsten Themen Spaß gemacht. Er ist im muslimischen Glauben aufgewachsen und dachte, die jüdische Religion sei eine Glaubensrichtung wie jede andere. Er hat nicht gewusst, dass die Juden derartigen Verfolgungen ausgesetzt waren. Jeden Abend hat er mit seinen Eltern darüber diskutiert, was er Neues erfahren hat und sie konnten aus ihren Wissen etwas hinzufügen. Er hat seine Einstellung den Juden gegenüber, denen oft die Schuld an Missständen und Katastrophen angelastet wurden, geändert. „Ich habe auch nicht gewusst, was Juden alles beigetragen haben zum Aufbau und zur Industrialisierung. Es ist alles gut erklärt worden“, sagte Adam.

Der talentCAMPus war kostenfrei und gehört zum Ferienbildungsprogramm des Deutschen Volkshochschulverbandes (dvv e.V.) im Rahmen von „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Anlässlich 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland wird es im Sommer eine Ausstellung geben, die die Gruppe teilweise schon vorab betrachten konnte.

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