Bad Königshofen

Knauf kann im Grabfeld noch rund 25 Jahre Gips abbauen

Die Gipsvorkommen im Grabfeld reichen noch 25 Jahre. Früher wurde das Material noch in Bad Königshofen weiterverarbeitet. Doch vor 35 Jahren wurde das Werk geschlossen.
Das war in den 1970er-Jahren:  Die im Werk an der Ottelmannshäuser Straße gefertigten Gipskartonplatten wurden mit Tiefladern zum Bahnhof gefahren und von dort aus per Zug nach Iphofen  transportiert.
Foto: Hanns Friedrich | Das war in den 1970er-Jahren:  Die im Werk an der Ottelmannshäuser Straße gefertigten Gipskartonplatten wurden mit Tiefladern zum Bahnhof gefahren und von dort aus per Zug nach Iphofen transportiert.

Gottfried Obermaier ist ein Chronist der besonderen Art: Er weiß alles über den Gipsabbau der Firma Knauf in Grabfeld und über den Gips-verarbeitenden Betrieb in der Ottelmannshäuser Straße von Bad Königshofen. 

Gefertigt wurden vor allem Gips- und Deckenplatten. "In der Stunde haben wir 50 Meter Platten hergestellt," weiß Hermann Bauer aus Irmelshausen. Er war von 1964 bis zur Schließung 1985 in dem Knauf-Betrieb beschäftigt. Außerdem stellte man Verbundplatten mit Hartschaum her und zwar in einer ehemaligen Erbsenhalle in der Nähe des Werkes.

Gottfried Obermaier ist ein eifriger Chronist und hat zahlreiche Ordner mit Bild und Textmaterial über die Zeit in Bad Königshofen gesammelt. Darunter auch einen Artikel in der hauseigenen Knauf-Zeitung, in der die Schließung begründet wird.
Foto: Hanns Friedrich | Gottfried Obermaier ist ein eifriger Chronist und hat zahlreiche Ordner mit Bild und Textmaterial über die Zeit in Bad Königshofen gesammelt.

Einst 130 Beschäftigte

Speziell für Industriewände produzierte Knauf in der Ottelmannshäuser Straße auch sogenannte Moltoprenplatten. Zwischen 100 und 130 Menschen aus dem Altlandkreis Königshofen standen bei Knauf in Lohn und Brot. Monatlich liefen durchschnittlich 1,3 Millionen Quadratmeter Gipskartonplatten von der 300 Meter langen Bandstraße. In den späteren Jahren kam die  Herstellung von Maschinen für die Putz- und Fördertechnik dazu. 

"Das war 1985, als die letzte Platte vom Band lief," sagt Gottfried Obermaier beim Blick auf diese Aufnahme.
Foto: Hanns Friedrich | "Das war 1985, als die letzte Platte vom Band lief," sagt Gottfried Obermaier beim Blick auf diese Aufnahme.

Mitten durch die Stadt

Ältere Königshöfer erinnern sich noch daran, wie in den 1970er Jahren die Gipskartonplatten per Bahn nach Iphofen transportiert wurden. Auf einem Tieflader fuhr man die Eisenbahnwaggons durch die Stadt. Das führte schließlich dazu, dass die Umgehungsstraße "Hoher Markstein" mit finanzieller Unterstützung der Firma Knauf gebaut wurde.  "Immerhin wurden pro Monat bis zu 60 Waggons vom Werk zum Bahnhof in Bad Königshofen transportiert, das war für die Innenstadt natürlich auf die Dauer nicht tragbar", sagt Gottfried Obermaier.

Die  Farbe der Seen, die im Abbaugebiet entstehen, ähnelt der Farbe an der Isar, sagt Gottfried Obermaier. Das habe mit den Bestandteilen des gipshaltigen Geländes zu tun.
Foto: Hanns Friedrich | Die Farbe der Seen, die im Abbaugebiet entstehen, ähnelt der Farbe an der Isar, sagt Gottfried Obermaier. Das habe mit den Bestandteilen des gipshaltigen Geländes zu tun.

Alte Zeitungsausschnitte

Obermaier  hat in Ordnern und Bildbänden einiges zusammengetragen. Vorhanden ist auch ein kleiner Zeitungsausschnitt der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Sie berichtete von dem neuen Werk in Königshofen. Rund zwölf Millionen Mark habe die Firma Knauf in Königshofen investiert heißt es da, wobei erhebliche Mittel aus der Zonenrandförderung flossen. Die Frankfurter Allgemeine sprach von einer Produktion von 15 Millionen Quadratmeter Gipskartonplatten pro Jahr. Das  in Königshofen reichhaltige Gipsvorkommen würde für rund 100 Jahre das Werk sichern.

Heute wird das ehemalige Firmengelände sowohl von den Möbelwerkstätten Ress, als auch von dem Bauunternehmen Koch genutzt.
Foto: Hanns Friedrich | Heute wird das ehemalige Firmengelände sowohl von den Möbelwerkstätten Ress, als auch von dem Bauunternehmen Koch genutzt.

Doch es kam ganz anders. Vor genau 35 Jahren erfuhren die Mitarbeiter aus der Zeitung, dass ihre Firma geschlossen wird. Für alle war das ein schwerer Schlag, aber auch für die Stadt Bad Königshofen, die damit nicht nur ein Unternehmen, sondern auch viele Arbeitsplätze verlor.

Zu früh geschlossen?

Für das Unternehmen sei es eine Fehlentscheidung gewesen, denn als sich im Jahr 1989 die Innerdeutsche Grenze öffnete, hätte man von Bad Königshofen aus, das ja bekanntlich direkt an Thüringen angrenzt, kostengünstig das Thüringer Land mit bedienen können, sagt Gottfried Obermaier.

Im Abbaugebiet der Firma Knauf in Bad Königshofen erkennt man die Wände, aus denen der Gips gebrochen wird.
Foto: Hanns Friedrich | Im Abbaugebiet der Firma Knauf in Bad Königshofen erkennt man die Wände, aus denen der Gips gebrochen wird.

Das Werk in der Ottelmannshäuser Straße wieder zu erwerben scheiterte, denn das Betriebsgelände war zu diesem Zeitpunkt bereits verkauft und wurde von einem Straßenbauunternehmen genutzt.

Heute noch ist der Gips aus Bad Königshofen begehrt und seit Beginn dieses Jahres wird er in Richtung Rothöhe weiter abgebaut. Das Unternehmen rechnet damit, dass die Vorkommen noch rund 25 Jahre reichen. Die entstandenen Gruben werden  wieder verfüllt und entweder als Ackerland von den Landwirten genutzt oder angepflanzt.

Uwe Schirmer, Leiter des Betriebskreises Rohsteingewinnung, zeigt an einem großen Steinbrocken die Gips und Anhydrit
Foto: Hanns Friedrich | Uwe Schirmer, Leiter des Betriebskreises Rohsteingewinnung, zeigt an einem großen Steinbrocken die Gips und Anhydrit

Vor Ort verkleinern

Uwe Schirmer vom Bereich Rohstoffgewinnung Franken erläuterte, liegt der Gipsbedarf in Deutschland pro Jahr bei zehn Millionen Tonnen, wobei 55 Prozent derzeit noch aus der Rauchgasentschwefelung der Kohlekraftwerke kommen. Mit der Energiewende sei Naturgips, wie er in Bad Königshofen vorhanden ist, gefragt. Er wird als leichter Baustoff für die Gipskartonplatte verwendet, ist leicht zu verarbeiten und hat sehr gute raumklimatische Eigenschaften. Der Gips, der in Bad Königshofen gebrochen wird, hat einen Reinheitsgrad um die 80 Prozent. Im Gipsabbaugebiet in Bad Königshofen gibt es eine mobile Brechanlage, die Gipssteine auf 55 bis 60 Millimeter verkleinert. Das Gipsabbaugebiet in Bad Königshofen wird in den kommenden Jahren in Richtung Norden erweitert und wird wohl unterhalb der Rothöhe enden.

Vor Ort werden im Gipsabbaugebiet der Firma Knauf in Bad Königshofen die Gipssteine gebrochen und verkleinert
Foto: Hanns Friedrich | Vor Ort werden im Gipsabbaugebiet der Firma Knauf in Bad Königshofen die Gipssteine gebrochen und verkleinert

Firmengeschichte

Die Gebrüder Knauf KG ist ein Familienunternehmen mit Sitz im unterfränkischen Iphofen. Die Knauf-Gruppe betreibt weltweit in über 86 Ländern rund 220 Werke und 75 Rohsteinbetriebe. Karl Knauf gründete 1947 die Fränkischen Gipswerke, ein Jahr später erwarb Knauf  das Werk der Frankfurter Gipswerke GmbH im Osthafen von Frankfurter. 1953 wurde das Werk in Iphofen vergrößert. Im Werk Perl nahm man die Produktion von Perlit-Deckenplatten und Gipsdielen auf, 1957 folgten Spachtelgipse, darunter auch der bekannte Gips in der Tube. Das Unternehmen profitierte vom Bauboom in der Zeit des Wirtschaftswunders.  Für die Produktion von Wandplatten aus Industriegips errichtete Knauf 1962 ein Werk in Castrop-Rauxel und in Wittershausen entstand ein neues Werk zur Herstellung von Putzgips. 1966 baute Knauf in Königshofen ein neues Werk für Gipskartonplatten, das eine Kapazität von 15 Millionen Quadratmetern pro Jahr hatte.
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