Meiningen

Kostenlose Corona-Schnelltests: Landrätin ruft Jens Spahn an

Peggy Greiser (Schmalkalden-Meiningen) fordert die Kostenerstattung durch den Bund und greift zum Hörer. Lässt sich der Bundesgesundheitsminister in die Pflicht nehmen?
Der Landkreis Schmalkalden-Meiningen bietet seit 22. Februar kostenlose Antigen-Schnelltests für alle Einwohner an. Im Bild: Medizinisch geschultes Personal träufelt nach dem Abstrich für einen Corona-Schnelltest eine Lösung auf die Antigen-Testkassette.
Foto: Kay Nietfeld, dpa | Der Landkreis Schmalkalden-Meiningen bietet seit 22. Februar kostenlose Antigen-Schnelltests für alle Einwohner an.

Peggy Greiser, Landrätin des südthüringischen Nachbarlandkreises Schmalkalden-Meiningen, bleibt am Thema kostenlose Antigen-Schnelltests dran: Nach zwei Telefonaten mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ist Greiser laut Pressemitteilung des Landratsamts zuversichtlich, dass die Ministerpräsidentenkonferenz an diesen Mittwoch mit der Bundeskanzlerin einen richtungsweisenden Beschluss zu kostenlosen Schnelltests fassen wird. „Herr Spahn hat mir versichert, dass er sich dafür stark macht“, teilt die Landrätin mit.

Sie sieht den Bundesgesundheitsminister in der Pflicht. Er müsse liefern, nachdem er kostenlose Schnelltests für alle ab 1. März angekündigt hatte und anschließend wieder zurückrudern musste. „Entsprechend seiner Ankündigungen haben einige Landkreise in Deutschland Schnelltestangebote etabliert, die Kostenerstattung durch den Bund muss daher zwingend rückwirkend zum 1. März in einer entsprechenden Testverordnung verankert werden", fordert Greiser. Und weiter: "Wir machen hier Vertrauensschutz geltend. Dieses Vertrauen, das wir bei der Umsetzung unserer Teststrategie im Landkreis den Ankündigungen von Herrn Spahn entgegengebracht haben, muss die Bundesregierung im Zusammenspiel mit den Ministerpräsidenten nun rechtfertigen.“

Kostenlose Antigen-Schnelltests für alle Bürger

Der Landkreis Schmalkalden-Meiningen bietet laut Landratsamt seit 22. Februar kostenlose Antigen-Schnelltests für alle Einwohner an. Täglich bestehe für die Bürger die Möglichkeit, sich in drei verschiedenen Testzentren – das sind wechselnde örtliche Angebote über den gesamten Landkreis verteilt – ohne Anmeldung testen zu lassen.

Zusätzlich sind im Nachbarlandkreis die Abstrich-Teams, bestehend aus Mitarbeitern des Landratsamts, kommunalen Mitarbeitern, Bundeswehrsoldaten und medizinischem Personal des Deutschen Roten Kreuzes, in Kitas und Unternehmen unterwegs, um dort bei Bedarf das Personal zu testen. „Wir registrieren eine sehr große Resonanz“, sagt Peggy Greiser. In der ersten Woche haben sich bereits mehr als 2400 Menschen einem Schnelltest unterzogen. Bereits 25 Menschen mit positivem Ergebnis konnten so identifiziert und Infektionsketten wirksam unterbrochen werden, so das Landratsamt. Eine zusätzliche PCR-Testung erfolgt ebenfalls vor Ort in den Testzentren.

Landkreis investiert in die Pandemiebekämpfung

„Durch die niederschwelligen, wohnortnahen Testmöglichkeiten erhoffen wir uns, dass das Angebot von vielen Bürgern wahrgenommen wird und wir so unsere 7-Tage-Inzidenz als einer der Top-Hotspots in Deutschland mittelfristig senken können“, sagt Greiser. Sie sieht diesen Weg als ein für den ländlichen Raum wegweisendes Projekt zur Pandemiebekämpfung. Wie sie informiert, entstehen dem Landkreis Schmalkalden-Meiningen dadurch pro Woche Kosten in Höhe von rund 25 000 Euro. „Wir werden das Angebot auf jeden Fall bis 19. März aufrechterhalten und gerne auch darüber hinaus, deshalb fordern wir den Bund auf, uns wie versprochen die Kosten für die Schnelltest-Aktion zu erstatten“, macht die Landrätin deutlich.

Greiser hatte sich zwecks Unterstützung auch an die Thüringer Landesregierung gewandt, zeigte sich von der Reaktion aus Erfurt aber enttäuscht. „Auf eine schriftliche Anfrage an Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner mit der Bitte, unser Vorhaben wenigstens sächlich mit Schnelltests zu unterstützen, erhielten wir eine Absage", teilt die Landrätin mit. Und blickt über den Tellerrand hinaus: "In anderen Bundesländern wie Bayern oder Baden-Württemberg erhalten die Landkreise und kreisfreien Städte kostenlos bestimmte Schnelltest-Kontingente von den Bundesländern. Das wäre auf jeden Fall auch mal ein Denkansatz für unseren Freistaat, der bundesweit immer noch die höchste Inzidenz vermeldet.“

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